Osama bin Laden © Pentagon/Reuters

Er trug einen Cowboyhut im Garten und vergab Auszeichnungen für gutes Gemüse. Der Sender Al Jazeera hat einen 336 Seiten langen Geheimbericht der pakistanischen Regierung veröffentlicht, der die Flucht und das Leben Osama bin Ladens in dem Land untersuchte.

Eine im Juni 2011 gegründete Kommission ermittelte, wie der Terrorchef jahrelang mit seiner Familie in Pakistan untertauchte und die pakistanischen Behörden dabei versagten, ihn aufzuspüren. Die Ermittler sprachen mit mehr als 200 Zeugen, unter anderem mit Familienmitgliedern bin Ladens. Auch ranghohe Mitglieder des Militärs, der Sicherheitsdienste und Politiker sagten aus.

Bin Laden hat sich dem Bericht zufolge mit seinen Getreuen über neun Jahre hinweg an insgesamt sechs Orten in Pakistan offenbar unerkannt aufgehalten. Mitte 2002 sei er in das Land gekommen, nachdem er 2001 nur mit Mühe nach der Schlacht von Tora Bora in Afghanistan entkommen war. 2011 wurde er dann von einem Spezialkommando der USA getötet. Die pakistanischen Behörden wussten von dem Einsatz nichts.

Mit Cowboyhut gegen Satelliten

Terrorexperte Peter Bergen berichtet auf CNN, dass der damals meist gesuchte Terrorist der Welt in der Zeit im pakistanischen Abbottabad viel Zeit damit verbrachte, mit seinen Kindern und Enkeln herumzualbern. Demnach vergab bin Laden Preise, wenn es ihnen gelang, gutes Gemüse zu züchten.

Außerdem trug der Terrorchef im Garten einen Cowboyhut, um nicht auf Satellitenbildern erkannt werden zu können, heißt es weiter. Die Kinder durften nicht mit anderen spielen, um keinen Verdacht zu erwecken. Bin Laden selbst habe das Haus kaum verlassen. Eine seiner Ehefrauen sei in einem Krankenhaus als taubstumm ausgegeben worden, damit ihr arabischer Dialekt sie nicht verrate. Einmal habe die Polizei das Auto bin Ladens gestoppt – allerdings keinen Verdacht geschöpft.

Scharfe Kritik an pakistanischen Behörden

Der Bericht spart nicht mit Kritik an den pakistanischen Behörden und bescheinigt ihnen routinierte Inkompetenz auf allen Ebenen. Der Geheimdienst habe vorschnell, bereits 2005, "das Buch geschlossen". Das Versagen und die Nachlässigkeit der Regierung und der Sicherheitskräfte habe dazu geführt, dass bin Laden in Pakistan untertauchen konnte und die USA ihn im Alleingang ausfindig machten und töteten. 

Die nationalen Führer sollten sich dafür bei dem Land entschuldigen, so das Urteil. Aber auch Nachbarn oder andere Menschen, die bin Laden begegneten, hätten Verdacht schöpfen und aussagen müssen.