Wahl in KambodschaOpposition erobert ein Viertel der Sitze

Bei der Parlamentswahl in Kambodscha kann der seit 28 Jahren regierende Ministerpräsident Hun Sen einen neuen Sieg verzeichnen. Doch die Opposition ist stärker geworden.

Ein brennendes Polizeiauto in Phnom Penh

Ein brennendes Polizeiauto in Phnom Penh  |  © Damir Sagolj/Reuters

Nach schweren Stimmverlusten bei der Parlamentswahl geht Kambodschas langjähriger Ministerpräsident Hun Sen deutlich geschwächt in eine neue Amtszeit. Seine Volkspartei (CPP) büßte nach vorläufigen Ergebnissen am heutigen Sonntag ein Viertel ihrer Sitze ein.

Wahlsieger ohne Aussicht auf Machtbeteiligung ist Oppositionsführer Sam Rainsy: Seine aus zwei Parteien geformte Nationale Rettungspartei (CNRP) verdoppelte die Oppositionssitze fast. Hun Sens Partei bleibt aber mit 68 zu 55 Sitzen an der Macht. Informationsminister Khieu Kanharith veröffentlichte die Zahlen auf Facebook. Ein Kabinettssprecher bestätigte sie, fügte aber hinzu, dass das Ergebnis noch vorläufig sei.

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Rainsy warf der Regierung Wahlbetrug vor. "Da waren umfangreiche Manipulationen im Gange", sagte der 64-Jährige. Unter anderem standen auf den Wählerlisten nach unabhängigen Untersuchungen viele fiktive Namen, andere fehlten. In der Hauptstadt Phnom Penh setzten wütende Wähler ein Polizeiauto in Brand, weil sie ihre Namen in den Wählerlisten nicht finden konnten.

Rainsy war erst vor gut einer Woche aus dem Exil zurückgekehrt. Er durfte aber nicht als Kandidat antreten. Der Politiker war 2009 nach dubiosen Anklagen nach Frankreich geflüchtet. Hun Sens Partei hat Gegner regelmäßig mit dem Entzug der Immunität und Anklagen eingeschüchtert. Nach massiver Kritik aus dem Ausland organisierte Hun Sen widerwillig eine Begnadigung, um Rainsy zurückzuholen.

Junge Wähler wollen den Wandel

Rainsy wurde in Phnom Penh gefeiert. Junge Wähler organisierten abends Moped-Korsos und verlangten in Sprechchören "Wandel".

Der 60-jährige Hun Sen regiert seit 28 Jahren autoritär. Die Medien berichten praktisch nicht über die Opposition. Drei Viertel der Bevölkerung leben auf dem Land. Dort ist der Machthaber beliebt. Ihm werden die Befriedung des Landes nach der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in den siebziger Jahren sowie der Bau von Straßen und Brücken zu Gute gehalten. Das Land gilt aber als eines der korruptesten der Welt. Landraub ist an der Tagesordnung: Bauern und Slumbewohner werden ohne Kompensation vertrieben, und ihr Land wird an einflussreiche Familien oder Investoren verkauft. Viele Familien im Umkreis von Politikern sind sehr reich.

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Leserkommentare
  1. regiert nicht nur 'seit 28 Jahren autoritär', sondern gehörte den Khmer Rouge an, hat x Khmer Rouge an den Schaltstellen seiner Macht sitzen, drückte für Jahrzehnte die Nichtbestrafung der Khmer-Rouge-Verbrechen durch, läßt Menschenrechte verletzen, Opponenten zum Schweigen bringen und ist korrupt bis in die Haarspitzen.

    Wer über den Vorlauf der Wahl nachlesen möchte
    http://www.guardian.co.uk... http://www.guardian.co.uk...
    Es gibt sogar einen Wikipediaartikel, der sicher noch um die vorläufigen und endgültigen Wahlergebnisse ergänzt wird http://en.wikipedia.org/w...

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AP, fin
  • Schlagworte Brand | Facebook | Khmer | Parlamentswahl | Volksparteien | Brücke
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