Vor dem Hauptquartier der Republikanischen Garden in Kairo, 9. Juli 2013 © MAHMUD HAMS/AFP/Getty Images

Seit dem Sturz des Autokraten Hosni Mubarak wird die Entwicklung Ägyptens von extrem unterschiedlichen politischen und sozialen Gruppen geprägt. Neue wie etablierte Machtzentren streiten um die politische Hoheit und wollen die Ereignisse in ihrem Sinne beeinflussen. 

Streitkräfte und Armeechef

Armeechef Abdel Fattah al-Sissi ist der starke Mann Ägyptens. Seit August 2012 steht der 58-Jährige an der Spitze der Streitkräfte und des Verteidigungsministeriums. Sissi ist kein General, der dem alten Mubarak-Regime nachtrauert, wie ein Teil seiner hohen Mitoffiziere. Dem Obersten Militärrat nach der Revolution 2011 gehörte er als jüngstes Mitglied an. In der Öffentlichkeit präsentiert er sich als moderner Armeeführer, der sich auch schon mal auf einem Empfang für Künstler, bei einem Besuch in einem Waisenhaus oder beim gemeinsamen Joggen mit seinen Soldaten filmen lässt.

Seit dem Verfassungscoup von Muslimbrüdern und Salafisten im November letzten Jahres meldete sich Sissi mehrfach mit staatsmännischen Warnungen zu Wort, drängte Präsident Mohammed Mursi zu einem echten nationalen Dialog und energischen Schritten, um der wachsenden Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Sissi und seine Generäle sind nicht daran interessiert, die Regierungsgeschäfte im Land erneut selbst auszuüben. Ihre turbulente Erfahrung in der Übergangszeit nach dem Sturz von Hosni Mubarak steckt ihnen noch in den Knochen.

Aber die Streitkräfte werden in Zukunft noch stärker im Hintergrund mitmischen, denn sie haben mächtige eigene Privilegien zu schützen. So werden sie auch bei der neuen Verfassung darauf achten, dass ein künftiges demokratisches Parlament keine Autorität über den Militärhaushalt und das Wirtschaftsimperium der Generäle erhält.

Tamarod-Bewegung

Die Bewegung hat mit ihrer 22-Millionen-Unterschriften-Kampagne den Sturz von Mohammed Mursi ins Rollen gebracht. Sie ist ein spontanes Bündnis und entsprechend locker organisiert. Tamarod versteht sich als Sammelbecken der demokratischen Jugend, die sich von den Muslimbrüdern um ihre revolutionären Ziele betrogen fühlt. Doch in die politischen Prozesse der Übergangsregierung wird sie offenbar nur am Rande eingebunden. Über Verfassungsdeklaration und Wahlzeitplan des Interimspräsidenten Adly Mansur wurde die Rebellenbewegung nicht informiert und konsultiert. In einer ersten Reaktion nannten die Tamarod-Aktivisten die dekretierte Übergangsverfassung "Grundlage für eine neue Diktatur".

Muslimbruderschaft

Die Muslimbrüder sind stark in die Defensive geraten. Ihre Sicht der Dinge wird von den ägyptischen Medien nahezu völlig ignoriert, was das Gefühl ihrer Anhänger von Verbitterung und Isolation zusätzlich verschärft. Gleichzeitig gibt es innerhalb der Muslimbruderschaft schwere Konflikte, die durchaus in einer Spaltung der Organisation münden könnten. Vor allem der islamistische Nachwuchs begehrt auf gegen den kompromisslosen Kurs der alten Führung. Zu den Hardlinern zählen vor allem der Chef der Organisation, Mohammed Badie, und sein Vize, der reiche Geschäftsmann Khairat el-Shater. Der Nachwuchs dagegen plädiert für einen elastischeren Kurs, um nicht ganz aus dem politischen Kräftespiel des post-revolutionären Ägyptens herausgedrängt zu werden.