Soldaten vor dem Gebäude des staatlichen Fernsehens in Kairo © Khaled Abdullah/Reuters

Auf der Oktoberbrücke in der Innenstadt von Kairo sind die Patronenhülsen und die Pflastersteine der gestrigen Schlacht zu kleinen Hügeln aufgetürmt. Arbeiter der Stadtreinigung tragen den Schutt, in dem zwei Menschen starben, mit Karren ab. Gestern sind bei Zusammenstößen zwischen Mursi-Anhängern und ihren Gegnern in ganz Ägypten 30 Menschen gestorben.

In Kairo schritten Militär und Polizei ein, nachdem sie mindestens eine Stunde tatenlos zusahen, und beendeten die Gewalt rund um den Tahrir-Platz kurz nach Mitternacht. In Alexandria hielten die Zusammenstöße bis in die frühen Morgenstunden an, alleine dort wurden mindestens 105 Menschen schwer verletzt. Diese traurige Bilanz war abzusehen. Denn kurz nach Absetzung von Präsident Mohammed Mursi tat jede Seite ihr Bestes, um Öl ins lodernde Feuer zu gießen.

Noch am 30. Juni, als Millionen Ägypter friedlich auf die Straßen gingen, um Neuwahlen und einen Neuanfang zu fordern, schlugen die ägyptischen Medien – vor allem die populären Privatsender OnTV, CBC und DreamTV – moderate Töne an. Sie riefen dazu auf, friedlich gegen den aus ihrer Sicht unfähigen Präsidenten und seine Muslimbruderschaft zu revoltieren.

Sie betonten immer wieder, dass es nicht darum gehe, die Bruderschaft zu eliminieren. Stattdessen wolle man sie zwingen, die Macht zu teilen. Seit einigen Tagen allerdings, nachdem das Militär mit dem Segen des Volkes putschte, ist von Journalisten oft ein Satz zu hören: "Wenn ich die Wahrheit ausspreche, rede ich als Ägypter, nicht mehr als Journalist."  

Journalisten starten Spendenaktionen

Spätestens seit Mursi am Dienstag seine Legitimitätsrede hielt, schalteten die Medien auf Angriff. So rief gestern Khairi Ramadan, Moderator der Abendssendung im Fernsehsender CBC offen zur Gewalt auf: "Die Muslimbrüder haben alles verdient, gehen Sie jetzt auf die Straße, auf die Oktoberbrücke!" Ramadan kündigt gleich danach eine Spendenaktion "für Ägypten und gegen die Brüder" an. Milliarden ägyptische Pfund sollen so für den Aufbau des Landes und den Kampf gegen den Gegner zusammenkommen.

Als Ramadan seine Zuschauer aufforderte, gegen die Muslimbrüder zu kämpfen, liefen Bilder live und gestochen scharf von ratternden Maschinengewehren, rollenden Panzern und reglos am Boden liegenden Demonstranten in einem kleinen Fenster neben ihm. In den sozialen Medien griffen viele Menschen diese Stimmung auf und verbreiteten die Auffassung, dass es nun um Leben, Tod und die Zukunft Ägyptens ginge: "Schlachtet die Terroristen!", lautete die Parole.