Ägypten : Muslimbrüder rufen zum Marsch der Millionen

Kairo befürchtet erneute gewaltsame Auseinandersetzungen. Die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi wollen die Freitagsgebete für eine Massendemonstration nutzen.
Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi © Hussein Malla/AP

Die Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi wollen mit einer Massenkundgebung in Kairo für die Wiedereinsetzung des Präsidenten demonstrieren. Angesichts der anhaltenden Spannungen zwischen Mursis Anhängern und Gegnern wird befürchtet, dass es bei diesem "Marsch der Millionen" nach den Freitagsgebeten erneut gewaltsame Zusammenstöße gibt.

Zuletzt waren am vergangenen Montag bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Einsatzkräften und Islamisten mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen. Innerhalb einer Woche wurden bei den Zusammenstößen mehr als 90 Menschen getötet.

Angesichts der Unruhen und massenhaften Festnahmen von Islamisten mahnte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die ägyptischen Behörden zur Einhaltung der Menschenrechte. Er sei "tief besorgt", sagte er nach einem Telefongespräch mit Ägyptens Außenminister Kamel Ali Amr. Diesen habe er an internationale Verpflichtungen erinnert und daran, dass Ägypten Versammlungs- und Redefreiheit garantieren müsse.

Womöglich baldige Anklage gegen Mursi

Das Militär hatte Mursi, den ersten frei gewählten Präsidenten in der Geschichte des Landes, vor etwas mehr als einer Woche nach Massenprotesten entmachtet. Mit dem Verfassungsrichter Adli Mansur hat die Militärführung einen Übergangspräsidenten eingesetzt, der eine Übergangsregierung bilden und das Land binnen sechs Monate zu Parlamentswahlen führen soll.

Die islamistische Muslimbruderschaft, der Mursi angehört, hatte Kundgebungen und Dauerproteste angekündigt, bis der gestürzte Präsident wieder im Amt ist.

Es ist noch immer unklar, wo sich Mursi aufhält. Seit seinem Sturz wird er vom Militär an einem unbekannten Ort und ohne Anklage festgehalten. Ein Sprecher des ägyptischen Außenministeriums erklärte inzwischen, Mursi befinde sich "an einem sicheren Ort" und würde "in würdiger Weise" behandelt. "Zugleich ist es für seine eigene Sicherheit und die Sicherheit des Landes besser, ihn festzuhalten", fügte er hinzu. In Justizkreisen hieß es, Mursi solle in den kommenden Tagen angeklagt werden.

Vor dem Umsturz in Ägypten hatten Millionen Menschen im ganzen Land gegen die Herrschaft Mursis und die Wirtschaftskrise demonstriert. Die Armeeführung begründete seine Entmachtung damit, dass Mursi zu Kompromissen unfähig gewesen sei und die Stabilität des Landes aufs Spiel gesetzt habe.

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Kommentare

30 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Natürlich passiert

das überall und ist nicht Gruppen (Religion, Politik, Nationalität) spezifisch. Imltho übrigens eine genetische Degeneration, denn normalweise sind Frauen/Mädchen unantastbar.

Aber wenn sie das schon abstösst, dann lesen sie mal den Artikel der Daily Mail (http://www.dailymail.co.u...) etwas das es nicht in die beste Presse der Welt (di Lorenzo, Nov. 2012) geschafft hat. Über das warum braucht man sicherlich nicht zu spekulieren.

@Thema
Dann wollen wir mal sehen, was jetzt passiert nach dem ZEIT Nahost-Experten Thumann sind die MB ja die großen Verlierer und eine islamische Republik ala Iran in weiter Ferne (http://www.zeit.de/2013/2...).

Die Hütte brennt imltho bereits lichterloh, denn auch im Nachbarstaat Lybien, ist ja schon die Hölle los, wenn da zusammenwachsen sollte, was zusammengehört, dürften interessante Zeiten bevorstehen (http://www.al-monitor.com...). Und die Schauplätze rücken immer weiter an Europa ran.

Menschenrechtsverstöße

1. Soweit ich das sehe, treffen die NGOs keinerlei graduelle Wertung, ob es unter Mursi oder Mubarak schlimmer war (wäre irgendwie auch unseriös)

2. Ein wenig verallgemeinern tun Sie ja schon. Wieviele Prozent der Mädchen sind in Ägypten beschnitten? 90? Also wirklich radikal kann da keine Veränderung unter Mursi gewesen sein.

3. Sie lasten alles, was unter Mursi passiert, Mursi an. Das ist zu einfach. Zu einem Massaker unter koptischen Demonstranten kam es durch die Armee, also quasi die Demokratiehüter. Wenn Mursi Menschen dazu ermutigt, sich als Religionswächter aufzuspielen, heißt das noch nicht, dass er ihnen erlaubt/vorschreibt/gebietet Kastrationen durchzuführen. Dieser Zusammenhang ist komplexer, so etwa, wie wenn in Amerika Bürgerwehren Unbewaffnete erschießen.

Realistisch gesehen...

Es scheint wohl in vielen arabischen Ländern üblich zu sein, dass diverse Führer Millionen von Protestlern auf die Straße bringen können - die Muslimbrüder haben das schon gezeigt, deren Gegner aber ebenso. Daraus einen demokratischen Konsens zu machen, erscheint mir schwierig - und nach der "Demokratieerfahrung" der letzten Wahl und danach ist es sicher nicht leichter. Gerade "Proteste nach den Freitagsgebeten" finde ich eine heikle Sache - denn da sieht man, welche Macht über die Meinungsbildung ein politischer Islam hat.

Eine vernünftige Betrachtung,

die jedoch nicht mehrheitlich vorgenommen werden wird, denn dafür ist schwarz/weiß, gut/böse Schemata viel zu intensiv in unserem Denken verhaftet. Hilfreich wäre, wenn man chronologisch die Fakten abarbeitet seit dem Moment vor Mubaraks Sturz. Wer war wo in welcher Position und hat was gemacht? Was sind die strategisch wichtigen Positionen in der Gesellschaft. Wer hat Macht inne oder missbrauchte diese vielleicht. Wer reagierte auf wen und warum? Wenn man diese und weitere Fragen stichhaltig beantwortet (was sehr schwierig ist) wird sicher ein ebenso komplexes Urteil über Mursi fällen.

Schade!

Wieder wird nur mit Kultur, Tradition und letztlich Religion geantwortet. Dabei hätte ich so gerne eine Antwort auf die Frage, warum die Gleichstellung im Islam und islamischen Staaten nicht generell akzeptiert wird.

Wer die Gleichstellung nicht will, der braucht ein überzeugendes Argument für die Ungleichstellung!

Aber das gibt es genau so wenig wie es ein Argument für die folgende Tyrannei gibt!

Schade!

Wieder wird nur mit Kultur, Tradition und letztlich Religion geantwortet. Dabei hätte ich so gerne eine Antwort auf die Frage, warum die Gleichstellung im Islam und islamischen Staaten nicht generell akzeptiert wird.

Wer die Gleichstellung nicht will, der braucht ein überzeugendes Argument für die Ungleichstellung!

Aber das gibt es genau so wenig wie es ein Argument für die folgende Tyrannei gibt!