ÄgyptenElBaradei zum Regierungschef ernannt

Der Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei soll die neue ägyptische Übergangsregierung leiten. Er werde noch am Abend vereidigt, erklärte die Tamarod-Bewegung.

Der Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei ist zum Chef der Übergangsregierung in Ägypten ernannt worden. Das erklärte die Tamarod-Bewegung, die maßgeblich an den Protesten gegen den am Mittwoch entmachteten Staatschef Mohammed Mursi beteiligt war. Nach Angaben aus Armeekreisen soll ElBaradei noch am Abend vereidigt werden.

Die neue Regierung soll früheren Angaben zufolge in einer möglichst kurzen Übergangszeit die von den Militärs ausgesetzte Verfassung überarbeiten und die Neuwahl von Präsident und Parlament vorbereiten.

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Mohammed ElBaradei war nach jahrzehntelanger diplomatischer Tätigkeit im Ausland im Jahr 2010 nach Ägypten zurückgekehrt. Er war maßgeblich an dem Sturz des früheren ägyptischen Regierungschefs Hosni Mubarak im Februar 2011 beteiligt.  

Der Jurist trat 1964 in den diplomatischen Dienst seines Landes ein. 1984 kam er zur Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien, wo er 1997 zum Generaldirektor aufstieg. Die Behörde führte er bis Ende 2009. Für seine Arbeit als Generaldirektor der IAEA wurde ElBaradei im Jahr 2005 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

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Leserkommentare
  1. ...dass wenig auf eine dauerhafte Machtübernahme des Militärs hindeutet. El Baradei ist ein gutes Zeichen. Hoffen wir, dass der Wechsel möglichst friedlich abläuft - entgegen dem, was die letzten Tage geboten haben.

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    Es gibt drei Quellen, die man zur Kenntnis nehmen sollte.

    Zur Person gibt Wikipedia Auskunft.
    Insbesondere seine Konflikte mit den USA sind dort beschrieben.
    http://de.wikipedia.org/w...

    06/07/2013: Mohamed ElBaradei, Chef der neuen Übergangsregierung
    Der Wiener Standard berücksichtigt darüber hinaus auch seine aktuelle Position in Ägypten, die sich seit 2010 langsam entwickelte und mittlerweile zu 22 Mio. Unterstützern aus der Tamarod Bewegung führte.
    http://derstandard.at/137...

    Es gibt ein Interview mit ElBaradei vor der Präsidentschaftswahl in 05/2012.
    Darin erkennt man sehr gut seine Unabhängigkeit. Seine damalige Kritik ist heute noch gültig. Seine Forderungen an Ägyptens Verfasstheit kann er heute umsetzen. Wer wissen will, was ElBaradei in seiner Amtszeit angehen wird, der MUSS dieses Interview lesen!
    http://www.profil.at/arti...

  2. So ist er also, der ägyptische Politiker nach westlichen Wunsch.
    Dass er sich als Marionette der Militärs missbrauchen lässt, spricht Bände.

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    ElBaradei kritisierte den Militärrat, dass während der letzten Übergangsphase keine Verfassung vor der Präsidentschaftswahl ausgearbeitet wurde.
    http://de.wikipedia.org/w...

    Meinen Sie den ElBaradei, der die USA beim iranischen Atomprogramm immer vor den Kopf gestoßen hat oder den, der die Kriegsbegründung gegen den Irak öffentlich in Frage gestellt hat?

    Ein unantastbarer Beweis, dass er ein Freund der USA sein muss:
    "Im Dezember 2004 wurde bekannt, dass el-Baradei von den USA systematisch abgehört wurde. Er zeigte sich empört, zumal er bislang zwar wusste, dass die USA gegen ihn arbeiteten, jedoch nicht, dass die Regierung der USA einen Eklat riskieren und ihn belauschen würde. Er vermutet, dass die US-Regierung den illegalen Lauschangriff benutzen wollte, um belastendes Material zu finden, mit dem es möglich gewesen wäre, ihn zu erpressen und aus dem Amt zu drängen."

    • dacapo
    • 06. Juli 2013 21:57 Uhr

    ......... schränken eine Meinungsbildung ein. Das erkennt man immer wieder. Aber ohne Standard-Raster wagen sich viele Leute gar nicht auf die Piste. Selbst nachdenken ist verlernt worden. Man übernimmt Meinungen, die sich kritisch anfühlen und marschiert mit.

    • L.J.
    • 06. Juli 2013 20:48 Uhr

    Wer will denn vom ägyptischen Volk einen der jahrzehntelang nicht im Land war, zumindest bei der Wahl wollten 99% der Wähler ihn nicht; das gibt doch weiterhin Unruhen wenn man nun ohne Wahl direkt ein Oberhaupt einsetzt das zuvor schon keiner wollte.

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    ElBaradei kandidierte nicht für das Präsidentenamt, damit die Stimmen der Opposition nicht zu sehr zersplitterten.

    Deshalb wird er auch nicht bei den Wahlergebnissen aufgelistet.
    http://de.wikipedia.org/w...

    Er ist jetzt auch kein Präsident, sondern Premierminister!

    Man darf ja gegen ihn sein. Aber Argumente sollte man schon auf Wahrheitsgehalt prüfen!

    • dacapo
    • 06. Juli 2013 21:54 Uhr

    Es waren 99,87%, die ihn nicht wollten. Mein Gott, geht's noch doller.

    • mick08
    • 06. Juli 2013 23:45 Uhr

    Ich denke gegen den Militärputsch gab es keine wirkliche Alternative und er repräsentiert den Willen der Bevölkerung. Im Spiegel gibt es ein kluge ägyptische Stimme, die die westliche Ansicht dazu kritisiert - zu Recht finde ich:

    http://www.spiegel.de/kul...

    Ich sehe es auch als sehr positiv eine international geachtete Person vorübergehend einzusetzen. Sie als Marionette zu diskreditieren - ohne konkrete Anhaltspunkte – ist ziemlich dumpfe Stimmungsmache.

  3. ElBaradei kritisierte schon Mubarak und den Militärrat! Von Mursi wurde er einfach verklagt!

    Ende April 2012 gründete Mohamed ElBaradei eine eigene politische Partei namens „Verfassungspartei“. Als Jurist und Diplomat bei der UNO wird er die Bedeutung von Verfassungen kennen.

    Er kritisierte auch, dass während der letzten Übergangsphase keine Verfassung vor der Präsidentschaftswahl ausgearbeitet wurde.
    http://de.wikipedia.org/w...

    ElBaradei kritisierte die Fehler des Militärrates und der Übergangsphase während diese gemacht wurden. Das lässt darauf hoffen, dass der Übergang diesmal besser vorbereitet wird. Es wird vielleicht Fehler geben, aber sie sollten umgehend korrigiert werden, ehe sie Schaden verursachen.

    Auch das Militär hat offensichtlich aus seinen Fehlern gelernt!

    8 Leserempfehlungen
  4. ElBaradei kandidierte nicht für das Präsidentenamt, damit die Stimmen der Opposition nicht zu sehr zersplitterten.

    Deshalb wird er auch nicht bei den Wahlergebnissen aufgelistet.
    http://de.wikipedia.org/w...

    Er ist jetzt auch kein Präsident, sondern Premierminister!

    Man darf ja gegen ihn sein. Aber Argumente sollte man schon auf Wahrheitsgehalt prüfen!

    10 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Marionette"
  5. Er wird ganz sicher unseren Chefdiplomaten, Herrn Westerwelle, in sein engstes Beratungsgremium berufen, denn dieser hat sich als auch in Bezug auf Ägypten als eine der kompetentesten Stimmen weltweit etabliert, so dass er auf ihn überhaupt nicht verzichten kann.

    Leider ist Herr El Baradei so klug, dass er mein bittere Ironie verstehen würde und sogleich meine Absicht erkennt, dass ich unseren Außenminister einfach gerne los wäre. Am liebsten in Ägypten.

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  6. Damit wäre dann ja tatsächlich genau das passiert, was die Moslembrüder als "Verschwörungstheorie" verbreitet haben:

    "Ziel der Verschwörung ist es dem Pamphlet zufolge, mittels einer vom Militär gefälschten Wahl den Friedensnobelpreisträger und ehemaligen Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) Mohammed el-Baradei als ägyptischen Präsidenten zu installieren."
    http://www.heise.de/tp/bl...

    Gut, das stimmt insofern nicht, weil keine Wahl gefälscht wurde, sondern el-Baradei einfach festgelegt wurde - aber das Ergebnis ist nun mal das Gleiche. Dieser Umstand dürfte die Lage in Ägypten nicht gerade beruhigen, weil es gerade bei Anhängern Mursis den Eindruck verstärken dürfte, dass an dieser Verschwörungstheorie (=USA und Israel haben mit dem Putsch zu tun) etwas dran ist.

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke, die Redaktion/la

  7. der mann den die usa schon seit beginn der revolution als staatsspitze haben wollten. die wahl wird dann wohl erst 2015 stattfinden. bitte betrachten sie das kritisch in ihrer berichterstattung. im lichte der aktuellen ereignisse bzgl. der Usa sollte man nicht automatisch davon ausgehen das AMERIKAS MANN auch automatisch der beste ist.

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    Die Stellung ElBaradeis zur USA und der USA zu ElBaradei kann man an vielen Konflikten erkennen.
    http://de.wikipedia.org/w...

    [...]

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    Herr Baradai war der schärfste Kritiker der USA, als se um den Irak-Krieg ging.
    Er ist ein unabhängiger Geist, der eigenständig denkt, und auch gegen Mubarak opponierte, als dieser noch von_Amerika hofiert wurde.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, nsc
  • Schlagworte Mohammed Mursi | IAEA | Militär | Behörde | Friedensnobelpreis | Hosni Mubarak
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