Der WikiLeaks-Informant Bradley Manning ist vom US-Militärgericht in Fort Meade in den meisten der 21 Anklagepunkte für schuldig befunden worden. Freigesprochen wurde der 25-jährige Obergefreite von Richterin Denise Lind vom Vorwurf der Unterstützung des Feindes. Damit droht ihm keine Todesstrafe, aber immer noch bis zu 136 Jahre Haft. Eine vorzeitige Entlassung ist rechtlich jedoch möglich.

Der Obergefreite der US-Armee habe aber gegen Spionagegesetze verstoßen, entschied das Militärtribunal in Maryland. Weiterhin legte man ihm Computerbetrug und Diebstahl zur Last. Am Mittwoch sollen die Beratungen über das Strafmaß beginnen, das voraussichtlich noch im August verkündet werden soll. "Wir haben eine Schlacht gewonnen, jetzt müssen wir den Krieg gewinnen", sagte Mannings Anwalt David Coombs vor dem Gerichtsgebäude. "Heute ist ein guter Tag, aber Bradley steht immer noch im Feuer."

Mannings Familie teilte in einem vom Guardian veröffentlichten Schreiben mit: "Brad liebte sein Land und war stolz, dessen Uniform zu tragen." Der Schuldspruch sei enttäuschend, doch es sei auch erfreulich, dass Manning auch nach Auffassung der Richterin den Feinden der USA niemals habe helfen wollen.

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Prozess immer wieder betont, Manning sei ein Verräter, der den USA Schaden zufügen wollte. Er habe um den Wert der an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitergereichten Dokumente für den Feind gewusst. Unter anderem seien von Manning weitergegebene Dokumente auf dem Computer des getöteten Terrorchefs Osama bin Laden gefunden worden.

Die Verteidigung hatte den Angeklagten dagegen als naiven Idealisten porträtiert, der die Öffentlichkeit über den Krieg und Kriegsgräuel informieren wollte. Manning habe eine Debatte auslösen, nicht den Feind der USA unterstützen wollen.

Assange bezeichnete Manning als Held

WikiLeaks-Chef Julian Assange hatte dem TV-Sender CNN vor der Urteilsverkündung gesagt, Bradley Manning habe gewusst, welches Risiko er eingehe, als er die Informationen veröffentlichte. "Manning ist ein Held." Sein Handeln habe niemandem geschadet. Der Prozess sei Teil des Krieges gegen investigativen Journalismus, den die USA führe. Auf das Urteil reagierten die Organisatoren der Enthüllungsplattform mit Empörung. Es handele sich um "gefährlichen Sicherheitsextremismus der Obama-Regierung", erklärten sie über Twitter.

Manning hatte gestanden, als Soldat im Irak 2010 Hunderttausende geheime Dokumente aus Armeedatenbanken an WikiLeaks weitergereicht zu haben und sich der Spionage und des Computerbetrugs für schuldig bekannt. Auf ihn geht auch die Veröffentlichung eines Videos zurück, dass zeigt, wie eine US-Hubschrauberbesatzung in Bagdad Menschen erschießt. Mit Abscheu reagierte die Weltöffentlichkeit auf die menschenverachtenden Kommentare, mit denen die Soldaten ihr Tun begleiteten. 

Weitere Dokumente zeigten, dass 150 Häftlinge grundlos in dem US-Gefangenenlager Guantánamo festgehalten wurden. Außerdem übermittelte Manning WikiLeaks mehr als 250.000 vertrauliche diplomatische Depeschen.

Im Mai 2010 war Manning im Irak festgenommen worden. Im Februar 2012 hatte die US-Armee mitgeteilt, dass Manning wegen Unterstützung des Feindes vor ein Militärgericht gestellt wird. Der Prozess hatte schließlich in diesem Juni begonnen.

Das Verfahren gegen Manning könnte zum Präzedenzfall für weitere Prozesse gegen Whistleblower werden – etwa für einen Prozess gegen Assange oder den früheren Techniker des US-Geheimdienstes NSA, Edward Snowden. Assange hält sich seit Längerem in der ecuadorianischen Botschaft in London auf, Snowden im Transitbereich des Moskauer Flughafens. Die USA wollen beide vor Gericht stellen.