Der britische Premierminister David Cameron hält eine Rede über verantwortungsvollen Kapitalismus und die Wirtschaft im New Zealand House in London. © Matthew Lloyd/AFP/GettyImages

Die Verbreitung und der Bestitz von Internetpornografie, die Kindesmissbrauch und Vergewaltigungen zeigt, soll in Großbritannien unter Strafe gestellt werden. Zudem sollen pornografische Inhalte für Nutzer aus Jugendschutzgründen gesperrt werden. Das will Premierminister David Cameron heute in einer Grundsatzrede verkünden.

In seiner Rede, die bereits vorab in Auszügen in britischen Zeitungen veröffentlicht wurde, sagte Cameron, er fühle sich "als Politiker und Vater" verpflichtet, diesen Schritt zu unternehmen. Das Internet sei nicht nur eine Flucht aus dem wahren Leben, es sei das wahre Leben. "Es hat einen Einfluss auf Kinder, die sehen, wie man sie verletzt." Zudem verseuche es die Gedanken der Nutzer und verursache Kriminalität, sagte der Premier. 

Internetprovider müssen Camerons Plänen zufolge zukünftig Techniken einsetzen, mit denen pornografische Angebote aus dem Netz gefiltert werden können. Von Ende des Jahres an müssten dann Internetnutzer die Filter aktiv ausschalten, um an das gewünschte Bild- und Videomaterial zu kommen. Auch Betreiber von öffentlichen WLAN-Hotspots sind dann verpflichtet, die Pornofilter eingeschaltet zu lassen.  

Reaktion auf Missbrauchsfälle

Claire Perry, Beraterin des britischen Premierministers, sagte dem britischen Magazin Wired, man plane außerdem eine automatische Reaktivierung des Filters. Schaltet ein Nutzer den Filter abends aus, werde er am nächsten Morgen wieder aktiv sein. Zudem wird erwartet, dass Cameron ein Gesetz vorschlägt, welches die Verbreitung von Videos mit "extremen" pornografischen Inhalten im Netz als Straftat einordnet. Als extrem würden Filme eingeordnet, die keine Lizenz für den Verkauf in britischen Sexshops erhalten. 

Mit dem Vorstoß reagiert die britische Regierung auf den Vorwurf, gewalttätige Bilder seien mitverantwortlich für einige aufsehenerregende Verbrechen, etwa der Fall von Mark Bridger, der ein fünf Jahre altes Mädchen umgebracht haben soll oder Stuart Hazell, der wegen Mordes an einer Zwölfjährigen verurteilt wurde. Die beiden sollen sich Kinderpornografie im Internet angesehen haben. Cameron hatte die Eltern beider Opfer in der vergangenen Woche getroffen.