Bei der Verlesung der 30 Anklagepunkte vor dem Bundesgericht in Boston antwortete Dschochar Zarnajew auf die Fragen des Richters mit "nicht schuldig" – darunter auch beim schwerwiegendsten Vorwurf, dem Einsatz einer Massenvernichtungswaffe mit Tötungsabsicht. Die Staatsanwaltschaft prüft noch, ob sie die Todesstrafe für den 19-Jährigen fordern soll.

Zarnajew kam mit geschwollenem Gesicht und einem Arm in Gips zu seinem ersten Termin in den Gerichtssaal. Er trug orangefarbene Sträflingskleidung und ein schwarzes T-Shirt. Bei seiner Ankunft lächelte er seinen beiden Schwestern zu und machte einen Kussmund in ihre Richtung, als er nach der kurzen Anhörung wieder abgeführt wurde.

Als sein Wagen am Gerichtsgebäude vorfuhr, skandierte rund ein Dutzend Unterstützer des ethnischen Tschetschenen "Gerechtigkeit für Dschahar", den Rufnamen Zarnajews. Eine von ihnen, die 23-jährige Lacey Buckley, sagte, sie kenne ihn nicht, denke aber, dass er unschuldig sei. "Ich glaube einfach, viele seiner Rechte wurden verletzt. Die haben fast ein unbewaffnetes Kind in einem Boot ermordet." Einige von Zarnajews Freunden warteten stundenlang vergeblich vor dem Gebäude, um noch einen Sitzplatz zu bekommen.

Angeblich antiamerikanische Parolen geschrieben

Zarnajew wird vorgeworfen, gemeinsam mit seinem älteren Bruder Tamerlan den Bombenanschlag auf den Boston-Marathon am 15. April verübt zu haben, bei dem drei Menschen getötet und mehr als 260 verletzt wurden. Tamerlan Zarnajew war wenige Tage nach dem Anschlag bei einer Auseinandersetzung mit der Polizei getötet worden. Die beiden Brüder sollen auf der Flucht einen Polizisten erschossen haben.

Nach Angaben der Ankläger schrieb Dschochar nach seiner Flucht schwer verletzt in seinem Versteck, einem abgestellten Boot, islamistische und anti-amerikanische Parolen an die Bordwand. Dazu gehörten demnach: "Die US-Regierung tötet unsere unschuldigen Zivilisten", "Ich halte es nicht aus, dass das Böse unbestraft bleibt" und "Wir Muslime sind ein Körper. Verletze einen von uns und du verletzt uns alle."

Die Staatsanwaltschaft kündigte an, 80 bis 100 Zeugen aufrufen zu wollen. Der Prozess werde ihrer Schätzung nach drei bis vier Monate dauern, die nächste Anhörung ist für den 23. September geplant. Zu den Anklagepunkten gehören Verschwörung, die Nutzung von Feuerwaffen, Fahrzeugentführung, Sachbeschädigung und vielfache Körperverletzung.