So hatten sich die EU und die USA den Beginn ihrer Freihandelsgespräche nicht vorgestellt. Die Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) sollte den transatlantischen Beziehungen eine neue Grundlage und frischen Schwung geben. Stattdessen starteten die Verhandlungen unter einer dunklen Wolke des Misstrauens.

Nach den Enthüllungen über die Spionageaktivitäten des US-Geheimdienstes NSA gegen europäische Bürger und Institutionen hatte es in Europa sogar Forderungen gegeben, die erste Verhandlungsrunde ganz abzusagen oder zumindest zu verschieben. Die Rufe kamen von Frankreichs Präsident François Hollande bis zu den deutschen Grünen.

Doch soweit kam es nicht: Der US-Handelsbeauftragte Michael Froman durfte am Montag verkünden, dass die USA und Europa sich anschickten, "eine der großartigsten Allianzen aller Zeiten um eine genauso überzeugende ökonomische Beziehung zu ergänzen". Die beiden Unterhändler, Dan Mullaney für die USA und Ignacio Garcia Bercero für die EU, schüttelten sich anschließend freundschaftlich die Hände – und die Verhandlungsgruppen begannen ihre Gespräche über Themen wie Investitionsregeln und den grenzüberschreitenden Handel mit Dienstleistungen.

Der Streit um den Datenschutz blieb einem anderen Gremium überlassen. Eine transatlantische Arbeitsgruppe soll eruieren, wie es um die Rechte europäischer Bürger steht, wenn US-Konzerne und die amerikanische Regierung ihre Daten im Internet abgreift. Diese Gruppe werde sich um "Klarstellung zu Themen bemühen, die den Datenschutz und die Privatsphäre europäischer Bürger betreffen", hatte der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso angekündigt.

Dabei war der Datenschutz schon vor dem NSA-Skandal ein Reizthema. Auch in den Handelsgesprächen wird er sich nicht ausklammern lassen: Das Thema spielt in den Wirtschaftsbeziehungen beider Kontinente eine zu große Rolle. Internetkonzerne wie Facebook, Google und Microsoft sehen in europäischen Datenschutzregelungen eine Bedrohung für ihre Geschäftsmodelle – etwa bei ihren Cloud-Dienstleistungen oder mobilen Applikationen.

In der EU dagegen wehrt sich die Öffentlichkeit gegen eine Aufweichung dieser Regeln – in der geplanten Europäischen Datenverordnung sollen sie eher noch verschärft werden. US-Unternehmen fürchten, dass die Übertragung von Daten aus der EU dadurch weiter erschwert würde.

Schon die geltende Datenschutzrichtlinie der Europäer untersagt den Datentransfer an Länder, die sich nicht an die europäischen Standards halten. Unternehmen können sich unter dem sogenannten Safe-Harbor-Abkommen freiwillig zertifizieren lassen, dass sie sich bei der Übertragung von Daten aus der EU den europäischen Regeln konform verhalten.