Während einer Protestveranstaltung Anfang Juli in Lahore zeigt ein pakistanischer Junge das Bild einer US-Drohne. © Arif Ali/AFP/Getty Images

Das Ausmaß des Drohnenkrieges in Pakistan ist verheerend – und verheerender als die offiziellen Verlautbarungen es glauben machen wollen. Diese These untermauert nun ein weiterer Bericht, in dem pakistanische Regierungsbehörden ihre Kenntnisse über die Drohnenangriffe in den sogenannten Federally Administered Tribal Areas (Fata), also den Stammesgebieten an der pakistanisch-afghanischen Grenze, zusammengetragen haben.

Wie die britische Journalistenorganisation Bureau of Investigative Journalism unter Berufung auf den Geheimreport berichtet, summieren die Regierungsbeamten die Zahl der Getöteten auf 746. Dabei sollen 147 davon glaubhaft als Zivilisten identifiziert worden sein, 94 der Opfer sollen demnach Kinder gewesen sein. Die Zahlen beziehen sich demnach auf Drohnenangriffe zwischen Januar 2006 und Oktober 2009. Ermittelt wurden 75 Attacken des US-Geheimdienstes CIA sowie fünf weitere der Nato. 

Die Angriffe mittels der ferngelenkten unbemannten Flugkörper sind für die USA ein versiertes Mittel im Kampf gegen den Terror. Eingesetzt werden die Fluggeräte vor allem über Pakistan und Afghanistan, aber auch über Somalia und dem Jemen. An dieser Art der Kriegsführung entzündet sich international Kritik, die Vereinten Nationen stuften sie unlängst als völkerrechtswidrig ein. Die US-Regierung hält Drohnenangriffe dagegen für ein legitimes Mittel, von dem Präsident Barack Obama weitaus mehr Gebrauch macht als sein als Kriegstreiber kritisierter Vorgänger George W. Bush.

Recherchen vor Ort

Mit offiziellen Angaben zu den Opfern halten sich sowohl die US-Regierung als auch ihre verbündeten Staaten zurück. Aus Regierungskreisen in Washington heißt es dazu nur, dass seit 2001 nicht mehr als 50 oder 60 "Nichtkombattanten" unter den Opfern sind. Viele halten diese Zahl für lächerlich untertrieben, CIA-Direktor John Brennan wiederum hält anderweitige Schätzungen für "vorsätzliche Falschdarstellungen". Und im Juni 2012 sagte Pakistans damaliger Präsident Pervez Musharraf: "All die Berichte über getötete Kinder sind absolut falsch."

Diese Aussagen werden nicht zuletzt durch den nun geleakten Bericht konterkariert. Im Gegensatz zu vielen anderen Opferschätzungen basiert dieser nicht auf Medienberichten, sondern auf Recherchen vor Ort. So sollen gleich mehrere Ermittler und Beamte sowie von der Regierung bezahlte Informanten in Dörfern der betroffenen Region Anzahl und Namen der Opfer sowie das Ausmaß der materiellen Schäden gelistet haben. Die Londoner Journalisten zitieren in ihrem Report mehrere Quellen, die den Fata-Geheimbericht für glaubwürdig halten.

Das gesamte Ausmaß dieser Kriegsführung wird durch weitere Recherchen des Investigativbüros deutlich: Demnach starben seit 2004 mindestens 2.566 Menschen im Drohnenkrieg der amerikanischen Geheimdienste in Pakistan. Andere Zählungen kommen demnach auf 3.570 Todesopfer. 411 bis 890 von ihnen seien demnach Zivilisten gewesen.