Rechtsextremismus : Italiens erste schwarze Ministerin rassistisch attackiert

Während einer Kundgebung wurde Cécile Kyenge mit Bananen beworfen. Die Integrationsministerin wurde selbst vom Vizepräsidenten des Senats schon rassistisch beleidigt.
Cécile Kyenge © Tony Gentile/Reuters

Italiens erste schwarze Ministerin, Cécile Kyenge, ist Ziel eines rassistisch motivierten Angriffs geworden. Während einer Rede auf einer Parteikundgebung in Cervia wurden Bananen in ihre Richtung geworfen. Die in der Demokratischen Republik Kongo geborene Politikerin nannte den Angriff einen traurigen Zwischenfall und eine Verschwendung von Lebensmitteln.

Die Ministerin für Integration plant, die Einwanderung in Italien zu erleichtern. Das kritisieren vor allem Rechtsextreme und Nationalisten. Die rechte Bewegung Forza Nuova protestiert etwa gegen Kyenges Forderung, dass alle in Italien geborenen Menschen automatisch die italienische Staatsbürgerschaft erhalten sollen.

Am Rande der Veranstaltung in Cervia drapierten Anhänger der Rechtsextremen mit Kunstblut beschmierte Schaufensterpuppen. Auf Flugblättern schrieben sie: "Einwanderung tötet". Die Forza Nuova hatte mit diesem Slogan bereits auf Verbrechen reagiert, für die Einwanderer in Italien verantwortlich sein sollen.

Seit Kyenge im April zur Ministerin ernannt wurde, ist sie mehrfach Ziel rassistischer Beleidigungen geworden. Vor wenigen Tagen hatte Senatsvizepräsident Roberto Calderoli gesagt, der Anblick Kyenges erinnere ihn an einen Orang-Utan.

Kyenge sollte besser "in ihrem eigenen Land" Ministerin sein, sagte Calderoli. Erst nachdem er für seine Äußerung öffentlich kritisiert worden war, entschuldigte sich der Politiker der nationalistischen Partei Lega Nord bei der Ministerin.

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Kommentare

96 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

„Italien hat immerhin eine Schwarze als Ministerin“

„Bevor der deutsche Michel sich empört, sollte er bedenken, dass Italien immerhin eine Schwarze als Ministerin hat. In Deutschland ist das auf Jahre nicht in Sicht.“

Das ist sicher richtig, aber dass es in Italien eine schwarze Ministerin gibt, ist auch eher Zufall und taugt nicht als Beleg für eine ausgeprägtere Toleranz gegenüber Minderheiten allgemein und Schwarzen insbesondere. Es gibt z.B. auch in Polen einen schwarzen Abgeordneten, und wer Polen kennt, wird bestätigen, dass Schwarze dort mit Sicherheit nicht stärker akzeptiert werden als in Deutschland. (Die Frage, ob der polnische Abgeordnete John Godson mit seinen fanatischen religiösen Ansichten den Interessen schwarzer Polen eher nutzt oder eher schadet, sei an dieser Stelle ausgeklammert.)