Japans Finanzminister Taro Aso © Issei Kato/Reuters

Der japanische Finanzminister Taro Aso hat mit einer positiven Äußerung zur Zeit der Nationalsozialisten international für Empörung gesorgt. Japan könne von Nazi-Deutschland lernen, wie eine Verfassung ohne großes Aufsehen geändert werden könne.

Aso, der zugleich stellvertretender Regierungschef ist, soll damit die pazifistisch geprägte Verfassung seines Landes gemeint haben. "Die Weimarer Verfassung wurde, ohne dass es bemerkt wurde, hin zur Nazi-Verfassung Deutschlands verändert. Warum lernen wir nicht von ihrer Taktik?", soll Aso Medien zufolge bei einem Vortrag Anfang der Woche vor einem konservativen Think Tank gesagt haben. Zudem bezeichnete er sie als eine der "fortschrittlichsten Verfassungen" damals. 

Sein Büro soll laut dem Wall Street Journal die Aussagen bestätigt haben. Allerdings wurde dementiert, dass Aso den Umgang der Nazis damit auf Japan anwenden wolle. Zudem seien die Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen, der Finanzminister habe die Nazis nicht loben wollen. 

Asos Aussagen wurden umgehend kritisiert. Ein Sprecher des südkoreanischen Außenministeriums sagte, dass die Aussagen "viele Menschen verletzen" würden. Sein Land habe unter dem militärischen Imperialismus Japans in der Vergangenheit besonders gelitten. Japans Politiker sollten vorsichtig sein mit ihren Worten und ihrem Verhalten. 

Das Simon Wiesenthal Center in Los Angeles forderte eine sofortige Klarstellung Asos. "Welche Techniken sollten wir von den Nazis lernen? Wie eine Demokratie heimlich verkrüppelt wird?", hieß es in einer Stellungnahme der jüdischen Menschenrechtsorganisation.

Die regierende Liberaldemokratische Partei von Ministerpräsident Shinzo Abe erwägt derzeit eine Änderung der Verfassung, die Japan auf Druck der USA seit dem Zweiten Weltkrieg auf eine pazifistische Außenpolitik festlegt. Angesichts aktueller Gebietsstreitigkeiten mit China und Südkorea sollen die japanischen Verteidigungskräfte nach dem Willen der Regierungspartei nun aber zu regulären Streitkräften aufgewertet werden.