ÄgyptenAl-Beblawi bietet Muslimbrüdern Kabinettsposten an – diese lehnen ab

Übergangspräsident Mansur hat eine Versöhnungsinitiative angekündigt. Regierungschef al-Beblawi stellte den Muslimbrüdern zudem Kabinettsposten in Aussicht.

Der neue ägyptische Regierungschef Hasem al-Beblawi will die Muslimbruderschaft des ehemaligen Präsidenten Mursi an der neuen Regierung beteiligen. Der vom Militär entmachteten Partei für Freiheit und Gerechtigkeit würden einige Kabinettsposten angeboten, sagte ein Sprecher des Präsidialamts. Übergangspräsident Adli Mansur kündigte eine Versöhnungsinitiative zur Beendigung der Gewalt an.

Die Muslimbruderschaft lehnte das Angebot al-Belblawis ab. "Wir machen keine gemeinsame Sache mit Putschisten", sagte ein Sprecher der Organisation. Die Muslimbrüder wiesen "alles zurück", was mit dem "Staatsstreich" zu tun habe.

Anzeige

In der kommenden Woche beabsichtigt Mansur, sich mit allen politischen Kräften zu treffen, um einen Plan zur Vermeidung des Blutvergießens aufzustellen, hieß es in einer Erklärung. Die Initiative mit dem Namen "Eine Nation" habe das Ziel, die Spaltung in der ägyptischen Gesellschaft zu überbrücken, schreibt die Zeitung Al-Ahram.

Anhänger der Muslimbrüder liefern sich seit der Entmachtung des islamistischen Präsidenten Mursi vor knapp einer Woche täglich gewaltsame Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften des Landes.

Wenige Stunden vor dem Angebot al-Beblawis an die Muslimbrüder hatte der ägyptische Übergangspräsident Adli Mansur einen Fahrplan für eine Verfassungsänderung und Neuwahlen vorgestellt. Anfang kommenden Jahres kann es laut Mansur Neuwahlen geben, Mitte Februar soll das Parlament gewählt werden. Mit einer überarbeiteten Verfassung soll Ägypten binnen weniger Monate aus der Krise geführt werden.

Unterdessen haben Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate der ägyptischen Regierung nach dem Sturz Mursis Hilfszahlungen in Höhe von insgesamt acht Milliarden Dollar versprochen. Die Golfstaaten gelten als die schärfsten Kritiker der Muslimbruderschaft. Das Geld ist dafür gedacht, die Wirtschaft des krisengeschüttelten Landes zu unterstützen, sagte al-Assaf. Saudi-Arabiens König Abdullah hatte die Entmachtung des ägyptischen Präsidenten Mursi begrüßt und als erstes Staatsoberhaupt Mansur zur Präsidentschaft gratuliert.

Ägypten hat seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Hosni Mubarak im Jahr 2011 mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und politischer Instabilität zu kämpfen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. warrum vorher putschen und dann den muslimbrüdern (psoido mäßig die hand reichen)? Da steckt mehr dahinter. Außerdem haben die saudis inklusieve der salafisten ihr wahres gesicht gezeigt. Das nenne ich verrat am ägyptischen volk. Mal sehen, ob innerhalb eines halben jahres die sogenannten neuwahlen stattfinden werden.

  2. darauf eingehen werden.

    Die werden nicht mit den Putschisten über Kabinettsposten verhandeln, während ihr gewählter Präsident an einem unbekannten Ort gefangen gehalten wird.
    Der Vorschlag ist daher nur für die Gallerie gedacht, wo die Moslembrüder doch schon die Berufung von Al-Beblawi zum Chef der "Übergangsregierung" als illegitim bewertet haben.

    Würde doch auch kein ausgeraubter Hausbesitzer auf die Idee kommen, die Einladung eines Einbrechers zu einem gemeinsamen Kaffee unter Verwendung seines gerade gestohlenen Kaffeeservice annehmen, nur damit er sich nicht mehr so bestohlen fühlen soll.

    Eine Leserempfehlung
  3. Die Muslimbrüder sind extrem konservativ und haben große Fehler begangen - keine Frage. Das steht nicht zur Diskussion. Verglichen mit den Salafisten, sind sie aber kleine, weiße Unschuldslämmer.

    Es ist sehr, sehr komisch, dass vor allem die Golfmonarchien sich über den Sturz Mursis freuen - wieder einmal unter mind. der Tolerierung des Westen.

    Die Muslimbrüder sind wenigstens bereit, zu reden und ein Minimum an Kompromissen einzugehen. Man kann sie irgendwie in die Gesellschaft integeriere. Das ist noch möglich.

    Was aber machen wir, wenn die von Saudi Arabien ferngesteuerten Salafisten das Zünglein an der Waage werden?

    Was wollen die USA und die EU dann machen? Sie werden die Sharia nach saudischem Vorbild einführen wollen und zum Jihad gegen Israel aufrufen.

    Die Muslimbrüder bleidigten zwar Juden, was schlimm genug ist, aber Mursi verhielt sich relativ zurückhaltend gegenüber Israel. Das würden die Salafisten niemals tun.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    lieber muslimbrüder als salafisten. Meiner meinung nach hätten saudiarabien und co viel zu verlieren, wenn mursi im amt geblieben währe. Obwohl er einige fehler gemacht hat, ist er mir lieber als ein salafistischer premyier minister, oder präsident oder was auch immer. Währen jetzt die salafisten an der macht, dann gute nacht ägypten.

  4. lieber muslimbrüder als salafisten. Meiner meinung nach hätten saudiarabien und co viel zu verlieren, wenn mursi im amt geblieben währe. Obwohl er einige fehler gemacht hat, ist er mir lieber als ein salafistischer premyier minister, oder präsident oder was auch immer. Währen jetzt die salafisten an der macht, dann gute nacht ägypten.

  5. Nachdem die Muslimbrüder das Angebot nunmehr abgelehnt haben, lese ich gerade in einer anderen Online-Zeitung, das schwudiwup die Führung der Muslimbruderschaft von der linientreuen Staatsanwaltschaft nunmehr per Haftbefehl gesucht wird.

    Sieht ganz danach aus, als wollen die Putschisten die Muslimbrüder wieder dahin treiben, wo sie schon unter Mubarak waren. Das wird dann zwangsläufig zu Widerstand und Gewalt führen.
    Man darf auf jedenfall gespannt sein, wie im Westen (dem vermeindlichen Hord demokratischer Werte) die Wortwahl gegenüber den Ägyptern ausfallen wird, die versuchen sollten durch Widerstand gegen die Putschisten ihren demokratisch gewählten Präsidenten wieder in das Amt zurück zu bringen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, kmi, mpi
  • Schlagworte Adli Mansur | Ägypten | Militär | Hosni Mubarak | Muslimbruderschaft | Präsident
Service