Der Protestmarsch am Fuß der Akropolis verläuft friedlich – bis Motorengeräusche zu hören sind. Männer mit schwarzen Helmen und in schwarzen Uniformen fahren auf Rollern mitten in die Gruppe hinein. Es ist eine Spezialeinheit der griechischen Polizei. Die Uniformierten springen von ihren Motorrädern, sie werfen einzelne Demonstranten zu Boden, schlagen auf sie ein.

Die Szenen sind zu sehen in einem verwackelten Video, das ein Teilnehmer des Protestzugs auf YouTube veröffentlicht hat. Am Mittwoch dieser Woche protestierten wie so häufig zuvor die Menschen in Griechenland für einen jungen Mann, der zu sterben drohte: Der 29-jährige Kostas Sakkas weigerte sich 38 Tage lang zu essen. Sein behandelnder Arzt sagte kürzlich, Sakkas befinde sich "im Endstadium" seines Lebens.

Den Hungerstreik hatte der junge Mann begonnen, weil er seit 31 Monaten in Untersuchungshaft saß. Verdächtige dürfen in Griechenland aber ohne Rechtsurteil laut Verfassung nur maximal 18 Monate festgehalten werden. In der Bevölkerung hat der Fall große Empörung ausgelöst. Am kommenden Montag wollte ein Bündnis aus Studenten, Akademikern, Juristen, Künstlern, Ärzten und Journalisten aus Solidarität ebenfalls in den Hungerstreik treten. 

Pistolen, Schnellfeuerwaffen und eine Handgranate

Festgenommen war Sakkas am 4. Dezember 2010 worden. Die Ermittler verdächtigten ihn, der anarchistischen Terrorgruppe "Verschwörung der Feuerzellen" angehört zu haben. Die Organisation war in Griechenland seit 2008 aktiv, bekannte sich zu Brandanschlägen auf Bankgebäude und Luxusautos. Mitglieder sollen außerdem Paketbomben unter anderem an die deutsche Botschaft in Athen verschickt und sich ein Feuergefecht mit der Polizei geliefert haben.

Bei der Festnahme fand die Polizei nach eigenen Angaben auch bei Sakkas mehrere Pistolen, Schnellfeuerwaffen und eine Handgranate. Der frühere Theologie-Student weißt die Anschuldigung zurück, Mitglied der Gruppe gewesen zu sein. Er bekennt sich lediglich dazu, ein Anarchist zu sein.

"Eine Schande für die Demokratie"

Das Bündnis der Unterstützer erklärte, dass es zwar der "Ideologie von Sakkas vollständig" widerspreche. Trotzdem forderten die Mitglieder dessen Freilassung aus der Haft, weil es gegen das griechische Recht verstoße, einen Verdächtigen ohne Verfahren derart lange festzuhalten. "Das ist eine Schande für die Demokratie und für uns alle", schrieben die Unterstützer in einer Stellungnahme. Sie sehen die Menschenrechte verletzt.

In den vergangenen Tagen verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Sakkas. Unter starker Polizeibewachung lag er in einem Athener Krankenhaus. 13 Kilogramm soll er seit Beginn des Hungerstreiks verloren haben. Die Ärzte befürchteten, dass er jeden Moment einen Herzstillstand erleiden könnte, oder dass lebenswichtige Organe ihre Funktion einstellen. Von einer Zwangsernährung war nichts bekannt.

Die griechische Justiz hat jetzt unerwartet eingelenkt – vielleicht auch wegen des öffentlichen Drucks. Allein unter dem Stichwort #kostassakkas gab es in den letzten Tagen mehr als 5.700 Twitter-Nachrichten – für Griechenland ein großer Wert. Auch Medien außerhalb Griechenlands berichteten. 

Sakkas wird nun freigelassen. Gegen eine Kaution von 30.000 Euro. Wann der Prozess gegen ihn eröffnet wird, ist noch unklar.