Die "Chong Chon Gang" in Colon City, Panama (16. Juli 2013) © REUTERS/Carlos Jass

Es ist nie ein Geheimnis gewesen: Kuba unterhält Beziehungen mit Nordkorea. Dabei geht es weniger um einen kulturellen Austausch, als vielmehr um wirtschaftliche und militärische Kontakte. Nordkorea ist international fast komplett isoliert und ist dankbar über jeden Kooperationspartner. Und auch das kommunistische Kuba ist trotz der wirtschaftlichen Lockerungen in seiner althergebrachten Staatswirtschaft durch Fidel Castros Bruder Raúl international nicht übermäßig stark integriert.

Nun ist aus Kuba ein Schiff namens Chong Chon Gang nach Nordkorea geschickt worden, das verschiedenes schweres Militärgerät aus der Sowjetzeit nach Nordkorea bringen sollte. Aus dem Westen erhält Havannas Militär keine Rüstungsgüter. Bis etwa 1990 wurde das Land noch von der Sowjetunion versorgt, nach deren Zusammenbruch war Kuba diesbezüglich mehr oder weniger auf sich allein gestellt.  

Laut dem US-Außenministerium war der unter nordkoreanischer Flagge fahrende Frachter zuvor bereits in Drogengeschäfte verwickelt, weshalb man die Behörden Panamas warnte. Die wurden prompt fündig und da Waffenlieferungen an Nordkorea wegen Pjöngjangs Atomprogramm nach der UN-Resolution 1874 verboten sind, wurde die 35-köpfige Crew festgesetzt. Die Resolution ermöglicht Mitgliedsstaaten, alle nordkoreanischen Frachten zu kontrollieren, die zu Lande, zu Wasser und zu Luft transportiert werden. In diesem Kontext ist es möglicherweise auch kein Zufall, dass Anfang Juli gerade eine hochrangige Militärdelegation aus Nordkorea in Havanna zu Besuch gewesen ist.

Kontrollradar für Boden-Luft-Raketen

Laut der panamaischen Polizei soll der Kapitän der Chong Chon Gang versucht haben, sich nach dem Stoppen des Frachters mit einem Messer die Kehle durchzuschneiden. Ben Rhode, ein Nordkorea-Experte der Harvard Kennedy School, vermutet, dass er damit einer harten Strafe in seiner Heimat entgehen wollte, die ihn wegen des Scheiterns des Waffentransportes hätte erwarten können.

Das militärische Gerät war unter Säcken mit braunem Zucker aus Kuba versteckt. Das Außenministerium in Havanna sagt, es handele sich um 240 Tonnen Waffen und Raketenteile, die in Nordkorea repariert und dann wieder nach Kuba zurückgebracht werden sollten. Es seien "veraltete Defensivwaffen" aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, darunter zwei sowjetische Wolga- und Petschora-Flugabwehrsysteme und 15 Flugzeugtriebwerke.

Zudem könnte das Schiff laut der britischen Expertengruppe IHS Jane's ein Kontrollradar für Boden-Luft-Raketen – ein SNR-75 Fan Song – an Bord gehabt haben. Dieses Radar stammt ebenfalls aus russischer Produktion und gilt als günstig und einfach. Es kam erstmals im Vietnamkrieg zum Einsatz, heute soll es noch in Nahost und Afrika zu finden sein.