Die Gefangenen flüchteten aus der Haftanstalt Kojfija. Libyens Ministerpräsident Ali Seidan bestätigte entsprechende Angaben aus Sicherheitskreisen. Es habe einen Aufstand der Gefangenen und einen Angriff von außen gegeben.

Die Anwohner hätten das Gefängnis angegriffen, weil sie nicht mehr in der Nähe einer Haftanstalt wohnen wollten, sagte Ministerpräsident Seidan. Grenzposten und Sicherheitskräfte seien angewiesen worden, die Entflohenen wieder festzunehmen und nicht auf sie zu schießen.

Bei den Flüchtigen handle es sich hauptsächlich um Verbrecher, die wegen normaler Vergehen im Gefängnis saßen, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. "Aber einige der Häftlinge wurden wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit dem ehemaligen Regime von Muammar al-Gaddafi festgehalten." Gaddafi war vor knapp zwei Jahren nach einem monatelangen Aufstand gestürzt und getötet worden.

Proteste nach Mord an Aktivisten

In Libyen ist es seit der Ermordung eines politischen Aktivisten am Freitag in Bengasi wiederholt zu gewalttätigen Protesten gekommen. Die Demonstrationen richteten sich vor allem gegen die islamistische Muslimbruderschaft, die für das Attentat auf den Anwalt Abdessalem al-Mesmari verantwortlich gemacht wurde.

In der Hauptstadt Tripolis verwüsteten Demonstranten die Büros der liberalen Allianz Nationaler Kräfte sowie der islamistischen Partei für Gerechtigkeit und Wiederaufbau. Die Regierung hat inzwischen eine Umbildung des Kabinetts angekündigt.