BengasiTausend Häftlinge fliehen aus libyschem Gefängnis

Bei einem Massenausbruch in der libyschen Stadt Bengasi sind mehr als 1.000 Häftlinge geflohen. Die Anwohner sollen aus Unzufriedenheit das Gefängnis angegriffen haben.

Die Gefangenen flüchteten aus der Haftanstalt Kojfija. Libyens Ministerpräsident Ali Seidan bestätigte entsprechende Angaben aus Sicherheitskreisen. Es habe einen Aufstand der Gefangenen und einen Angriff von außen gegeben.

Die Anwohner hätten das Gefängnis angegriffen, weil sie nicht mehr in der Nähe einer Haftanstalt wohnen wollten, sagte Ministerpräsident Seidan. Grenzposten und Sicherheitskräfte seien angewiesen worden, die Entflohenen wieder festzunehmen und nicht auf sie zu schießen.

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Bei den Flüchtigen handle es sich hauptsächlich um Verbrecher, die wegen normaler Vergehen im Gefängnis saßen, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. "Aber einige der Häftlinge wurden wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit dem ehemaligen Regime von Muammar al-Gaddafi festgehalten." Gaddafi war vor knapp zwei Jahren nach einem monatelangen Aufstand gestürzt und getötet worden.

Proteste nach Mord an Aktivisten

In Libyen ist es seit der Ermordung eines politischen Aktivisten am Freitag in Bengasi wiederholt zu gewalttätigen Protesten gekommen. Die Demonstrationen richteten sich vor allem gegen die islamistische Muslimbruderschaft, die für das Attentat auf den Anwalt Abdessalem al-Mesmari verantwortlich gemacht wurde.

In der Hauptstadt Tripolis verwüsteten Demonstranten die Büros der liberalen Allianz Nationaler Kräfte sowie der islamistischen Partei für Gerechtigkeit und Wiederaufbau. Die Regierung hat inzwischen eine Umbildung des Kabinetts angekündigt.

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Leserkommentare
  1. greifen die lieben Kerle den Knast an neben dem sie nicht wohnen wollen und - schwups - sind die Insassen alle draussen. Wer denken kann ist klar im Vorteil.

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    • dacapo
    • 28. Juli 2013 8:22 Uhr

    ........ mit den "hellsten Köpfe" bekommt man an dieser Stelle zu begutachten.

  2. in den arabischen Ländern. Libyen, Syrien und Ägypten. Ist nicht Israel hingegen ein Hort des Friedens? Ganz im Gegensatz zu dem, was uns Günter Grass da auftischen wollte?
    Man erkennt mit Bedauern, wohin Altersstarsinn führen kann. Nur gut, dass der Schlächter des eigenen Volkes Gaddafi durch das libysche Volk selbst gerichtet worden ist. Sonst würde wahrscheinlich die NATO dafür verantwortlich gemacht.

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    • Tubus
    • 28. Juli 2013 0:06 Uhr

    "in den arabischen Ländern. Libyen, Syrien und Ägypten. Ist nicht Israel hingegen ein Hort des Friedens? Ganz im Gegensatz zu dem, was uns Günter Grass da auftischen wollte?"

    Dafür gibt es in Deutschen, Persischen und Arabischen ein wunderschönes Sprichwort: Der Versuch im Trüben zu fischen!

    Gaddafi wurde keineswegs durch das libysche Volk gerichtet,sondern von einem Haufen Terroristen mit einer Eisenstange gepfählt. Zuvor hatten NATO-Flugzeuge seinen Fahrzeugkonvoi angegriffen und so erst die "Gefangennahme" ermöglicht.

  3. Es scheint ganz so, als wenn die Frucht des westlichen Eingreifens in Libyen langsam aufgeht. Den ersten Eindruck hatten wir am 12.9.2012 als der amerikanische Botschaft samt Mitarbeiternin Libyen einem Attentat zum Opfer fiel. Es zeigt sich jetzt, die damalige "Flugverbotszone", die eigentlich eine Flugangriffszone war, konnte Demokratie nicht herbei bomben. Es wird Zeit, dass Amerika und Europa sich auf ihr Friedenspotenzial besinnen und dies den arabischen Völkern demonstrieren: Mit Waffengewalt gibt es keine Frieden, keine Zukunft, keine Stabilität.

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  4. "Gaddafi war vor knapp zwei Jahren nach einem monatelangen Aufstand gestürzt und getötet worden."
    Geschichtsklitterung vom Feinsten.

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    Wollen sie wirklich bestreiten, das Ghaddafi nach monatelangem Aufstand gestürzt und getötet wurde? Merkwürdig, dass so ein Beitrag auch noch 3 Empfehlungen bekommt, Glauben Sie vielleicht, dass Ghaddafi noch lebt?
    War sein Tod keine Folge der Aufstände? Auch wenn die Nato da geholfen hat, ohne die Aufstände wäre Ghaddafi nicht gestürzt und getötet worden. Also Geschichtsklitterung sieht anders aus.

    Wikipedia:
    "Als Geschichtsklitterung bezeichnet man eine unkritische Geschichtsdarstellung, die den Sinn entstellt oder welche unvollständig respektive einseitig anmutet"

  5. "Die Anwohner hätten das Gefängnis angegriffen, weil sie nicht mehr in der Nähe einer Haftanstalt wohnen wollten, sagte Ministerpräsident Seidan."
    Wer hat denn DAS erfunden? So blöd kann kein Anwohner sein, tut mir leid, da wurde Ihnen sicher nur die halbe Wahrheit aufgetischt. Vielleicht könnte man in extrem unglaubwürdigen Fällen einfach mal nachhaken.
    Mindestens ebenso schwierig wie der Ausbruch, ist der Einbruch in eine Haftanstalt. Man riskiert dabei sein Leben. Man braucht auch ein paar ordentliche Waffen, um dies zu erreichen.
    Also entweder gab es einen von langer Hand organisierten Angriff, dann frage ich mich, wie sowas in einer Musterdemokratie sein kann. Wollte man Kriegswaffen nicht in wenigen Monaten eingesammelt haben?
    Oder das Gefängnis war einfach total sich selbst überlassen. Auch dann geht die Frage an die NATO, wie man ein Land in diesem Zustand zurück lassen kann.
    Oder beides, was wahrscheinlich der Fall ist. Diese NATO muss weg, was die in Libyen angerichtet haben ist gemeingefährlich. Sowas darf Rasmussen und co. NIE WIEDER ermöglicht werden.

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    leben möchten. Mindestens 90 % der Libyer sind froh, dass Ghaddafi weg ist,
    auch dank des Eingreifens der Nato. Die Situation unter Ghaddafi war um einiges schrecklicher als die Situation jetzt. Es braucht seine Zeit, bis die Milizen entwaffnet sind oder vollständig in die regulären Ordnungskräfte integriert werden, aber mit den Einnahmen aus dem Ölgeschäft dürfte dies eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis das gelingt.

    Andere Quellen berichten, dass es im Gefängnis zu einem massiven Aufstand gekommen ist, während es gleichzeitig von Bewaffneten gestürmt wurde.
    Ausserdem wurde die Grenze zu Ägypten dichtgemacht. Kann man als Wink verstehen, wohin die Reise für die Ausbrecher vielleicht gehen mag.

    http://news.xinhuanet.com/english/africa/2013-07/28/c_132579661.htm

    Ausserdem wird berichtet, dass die libyschen Sicherheitskräfte gerade einmal 18 Flüchtige verhaften konnten. Eine lächerlich geringe Anzahl angesichts der Gesamtzahl von fast 1.200.

    http://www.libyaherald.com/2013/07/27/massive-jailbreak-near-benghazi-12...

    Dass es sich bei dem Ausbruch um eine koordinierte Aktion gehandelt hat, der einige Planung und ganz gezieltes Handeln zugrunde gelegen haben muss, liegt mit einiger Deutlichkeit auf der Hand.
    Dass sich gut 98% der Flüchtigen trotz des Eingreifens der "Special Forces" der libyschen Armee erfolgreich absetzen konnten, gibt einigen Raum für Spekulationen. Insbesondere auch, weil Premierminister Ali Zeidan die Täterschaft offenbar auf die "lokale Anwohnerschaft" abwälzen möchte. Dieses Geschichtchen klingt in den Ohren jedes halbwegs vernünftig denkenden Menschen widersinnig und ist daher völlig unglaubwürdig.

    • Tubus
    • 28. Juli 2013 0:06 Uhr

    "in den arabischen Ländern. Libyen, Syrien und Ägypten. Ist nicht Israel hingegen ein Hort des Friedens? Ganz im Gegensatz zu dem, was uns Günter Grass da auftischen wollte?"

    Dafür gibt es in Deutschen, Persischen und Arabischen ein wunderschönes Sprichwort: Der Versuch im Trüben zu fischen!

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Seht was hier los ist"
  6. leben möchten. Mindestens 90 % der Libyer sind froh, dass Ghaddafi weg ist,
    auch dank des Eingreifens der Nato. Die Situation unter Ghaddafi war um einiges schrecklicher als die Situation jetzt. Es braucht seine Zeit, bis die Milizen entwaffnet sind oder vollständig in die regulären Ordnungskräfte integriert werden, aber mit den Einnahmen aus dem Ölgeschäft dürfte dies eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis das gelingt.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Fragen an die NATO"
  7. Wollen sie wirklich bestreiten, das Ghaddafi nach monatelangem Aufstand gestürzt und getötet wurde? Merkwürdig, dass so ein Beitrag auch noch 3 Empfehlungen bekommt, Glauben Sie vielleicht, dass Ghaddafi noch lebt?
    War sein Tod keine Folge der Aufstände? Auch wenn die Nato da geholfen hat, ohne die Aufstände wäre Ghaddafi nicht gestürzt und getötet worden. Also Geschichtsklitterung sieht anders aus.

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    Antwort auf "Zusammenfassung"

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  • Quelle AFP, Reuters, ap, fz
  • Schlagworte Gefängnis | Muammar al-Gaddafi | Muslimbruderschaft | Protest | Libyen | Regierung
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