WestafrikaMali wählt neuen Präsidenten

Fast sieben Millionen Malier sind aufgerufen, über einen neuen Präsidenten abzustimmen. Nach mehr als einem Jahr Chaos ist das ein erster Schritt zurück zur Normalität.

In Mali haben die Bürger fast eineinhalb Jahren nach dem Putsch und dem anschließenden Bürgerkrieg über einen neuen Präsidenten abgestimmt. "Ich glaube, in der Erinnerung der Malier ist das die beste Wahl, die wir seit 1960 organisiert haben", sagte Übergangspräsident Dioncounda Traoré, der selbst nicht kandidierte.

In der Hauptstadt Bamako standen Hunderte Menschen bereits vor der Öffnung der Wahllokale Schlange. Insgesamt waren 6,9 Millionen Stimmberechtigte dazu aufgerufen, über 27 Kandidaten abzustimmen. Als Favoriten gelten der Politiker Ibrahim Boubacar Keita und der frühere Finanzminister Soumaila Cissé. Das Ergebnis soll vermutlich am kommenden Freitag vorliegen. Erreicht keiner die absolute Mehrheit, wird am 11. August eine Stichwahl abgehalten. 

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Die Abstimmung soll die Rückkehr Malis zu demokratischer Normalität einleiten. Im Januar hatten französische Truppen mit malischer Unterstützung die Herrschaft islamistischer und separatistischer Rebellen in Nordmali beendet. Diese hatten das Machtvakuum nach einem Putsch im März 2012 ausgenutzt und den Norden des Landes eingenommen.

Aus Angst vor Anschlägen durch islamistische Gruppen sicherten Tausende Soldaten der UN-Truppe Afisma und französische Streitkräfte den Ablauf der Wahl. Am Samstag hatten Rebellen der Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (Mujao) mit Angriffen auf Wahllokale im Norden gedroht. Sie forderten die Muslime auf, den Urnen fernzubleiben.

Kaum Zwischenfälle

"Die Sicherheitskräfte durchsuchen alle Wähler systematisch, bevor sie zu den Urnen dürfen", sagte ein Beobachter der unabhängigen nationalen Wahlkommission (INEC). "Sie sind höflich, aber bestimmt." Bis zum frühen Abend kam es zu keinen nennenswerten Zwischenfällen. Unter anderem waren Wahlbeobachter der Europäischen und der Afrikanischen Union sowie der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas im Einsatz.

Kritik gab es aber an den neuen biometrischen Stimmzetteln. Sie seien für Teile der Bevölkerung nur schwer verständlich, sagte etwa der Wähler Bakary Touré: "Wir haben hier 90 Prozent Analphabeten, und für die ist das ein schlechtes System. Die Leute werden bei der Wahl Fehler machen."

Malische Medien schrieben, den künftigen Präsidenten erwarte "eine riesige Aufgabe", da das Land nach dem Militärputsch und Bürgerkrieg in Rezession und Armut gestürzt sei. Jedoch kann der Staatschef auf Hilfe aus dem Ausland zählen: Die Internationale Gemeinschaft hat Mali Hilfen von mehr als drei Milliarden Euro zugesagt, um das Land wiederaufzubauen. Bedingung für die Auszahlung war jedoch die Ausrichtung freier und fairer Wahlen.

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Leserkommentare
  1. es wird so schnell wie möglich frei gewählt.

    Hoffentlich geht das besser aus als in Ägypten...

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  • Quelle AFP, dpa, fz
  • Schlagworte Bürgerkrieg | Mali | Putsch | Rezession | Stichwahl | Streitkräfte
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