Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny © Sergei Karpukhin/Reuters

Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat überraschend Beschwerde gegen die Inhaftierung des verurteilten Oppositionellen Alexej Nawalny eingelegt. Es gebe keine Gründe für eine Haft, teilte die Behörde in Moskau mit. Das Urteil sei nicht rechtskräftig. Der Blogger solle bis zu einem Berufungsverfahren freigelassen werden.

Zuvor hatte ein Gericht den Kreml-Kritiker zu fünf Jahren Lagerhaft wegen Veruntreuung verurteilt und Nawalny sofort inhaftiert. Sein Anwalt will das Urteil anfechten. Der Richter begründete die hohe Strafe mit der "Schwere des Verbrechens". Das Gericht in Kirow befand den 37-Jährigen für schuldig, als Berater des Gouverneurs der gleichnamigen Region 2009 in einem Forstbetrieb umgerechnet 400.000 Euro unterschlagen zu haben.

Kurz nach der Verkündung des Urteils versammelten sich in mehreren russischen Städten Tausende Menschen, um gegen die Inhaftierung Nawalnys zu demonstrieren. Im Zentrum der Hauptstadt Moskau führten Beamte der Anti-Terroreinheit Omon mindestens 20 Demonstranten ab, berichtete das regierungskritische Internetportal kasparov.ru. Der Bürgermeisterkandidat Sergej Mitrochin von der Oppositionspartei Jabloko sagte, es seien 10.000 Demonstranten allein in Moskau.

Festnahmen auch in Sankt Petersburg

Beobachter sprachen von beispiellosen Protesten. Noch nie seien so viele Menschen zur Unterstützung eines einzelnen Oppositionsführers auf die Straße gegangen, hieß es. Auch in St. Petersburg gingen Hunderte auf die Straße, dort gab es ebenfalls Festnahmen. In anderen Großstädten wie Saratow, Kasan oder Wladiwostok kam es ebenfalls zu spontanen Kundgebungen. In sozialen Netzwerken hatten sich Tausende Teilnehmer zur "Volkswanderung" für Nawalny in Moskau angekündigt. 

Auch international löste das Urteil Bestürzung aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer "unverhältnismäßig hohen" Strafe. Es drängten sich Zweifel auf, "ob bei diesem Prozess strafrechtliche Motive im Vordergrund" gestanden hätten, ließ Merkel ihren Regierungssprecher mitteilen. 

Auch die US-Regierung kritisierte das Urteil. Jay Carney, der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, sagte, der Prozess sei politisch motiviert gewesen. Carney rief die russische Regierung auf, ein faires Berufungsverfahren zuzulassen und ihre "Kampagne des Drucks" gegen die Opposition zu beenden. US-Außenamtssprecherin Marie Harf sprach von einem beunruhigenden Trend in Russland. Der amerikanische Botschafter in Moskau, Michael McFaul, schrieb auf Twitter, sein Land sei "tief enttäuscht".