Einreiseverbot : Russland bestraft Ausländer wegen "Homosexuellen-Propaganda"

Vier Niederländer haben in Murmansk eine Dokumentation über Schwule und Lesben gedreht. Weil dabei Minderjährige interviewt worden seien, wurden sie des Landes verwiesen.

In Russland sind erstmals Ausländer wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das neu erlassene Verbot von "Homosexuellen-Propaganda" ausgewiesen worden. Vier Niederländer wurden mit einem dreijährigen Einreiseverbot bestraft. Ihnen werden Verstöße gegen die Visa-Vorschriften zur Last gelegt, teilte die zentrale Einwanderungsbehörde mit. Die Niederländer, zwei Frauen und zwei Männer, hätten ein Visum für kulturelle Aktivitäten erhalten, dann aber an einem Seminar teilgenommen, bei dem "Homosexuellen-Propaganda" verbreitet worden sei.

Die Gruppe der Homosexuellen-Aktivisten aus den Niederlanden war am Sonntag in der nordwestlichen Region um die Großstadt Murmansk festgenommen und nach achtstündiger Vernehmung wieder freigelassen worden. Ihre Ausweisung beruht auf dem im Juni verabschiedeten Gesetz gegen sogenannte Homosexuellen-Propaganda in Russland. Demnach sind positive Äußerungen über Homosexualität in Anwesenheit Minderjähriger oder in Medien strafbar. Deutschland warnt in einem Reisehinweis für Russland Schwule und Lesben vor dem Gesetz.

Die Niederländer um Kris van der Veen, den Leiter der Nichtregierungsorganisation LGBT Groningen, drehte in der vergangenen Woche in Murmansk eine Dokumentation über die schwul-lesbische Gemeinschaft in Russland. Eine Interviewpartnerin soll minderjährig gewesen sein und wurde laut Polizei zum "Propaganda"-Opfer.

Nach Angaben der Menschenrechtsaktivistin Tatjana Kulbakina gab das vermeintliche Opfer im Gespräch mit den Interviewern an, volljährig zu sein. Die Minderjährige habe sich offen zu ihrer Homosexualität bekannt. Sie habe auch keine Anzeige gegen die Niederländer erstattet. Dennoch sei deren Filmmaterial beschlagnahmt worden.

Van der Veen teilte über Facebook mit, dass er auf dem Heimweg sei. Ob die drei anderen Niederländer ebenfalls das Land verlassen haben, ist noch unklar.

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Kommentare

45 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Es ist erfreulich, dass Sie ähnlich wie ich denken.

..."der Neue" (Hassan Rohani) ist meines Wissens bisher nur designierter Nachfolger und wird erst am 3. August Ahmadinedschad ablösen.

- Wird er also nicht Präsident?
- War die Berichterstattung und die Lobhuldelei nicht zur Person des neuen (designierten) Präsidenten, der wann auch immer intronisiert wird?
- Hilft Ihre Spitzfindigkeit diesen staatlich getöteten Menschen oder deren Familien?
- Sind diese 103 Personen "leider" nur der letzten Aufräumarbeit des noch amtierenden Präsidenten geschuldet und können vernachlässigt werden? Sollte desshalb das Ausland vorerst schweigen?
- Wenn der Neue so moderat ist, hätte er dann nicht um Aufschiebungen der Tötungen bitten können, so zu sagen als Wahlgeschenk (Ironie)?
- Wird er es wiklich anders machen und Tötungen, auch und vorrangig von Homosexuellen, einstellen? (Das wäre zumind. eine berechtigte Frage in den Lobhudelei-Artikeln gewesen.)
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Thema sind russische Gesetze und wie Menschenrechte mit Füssen getreten werden, ok. Dennoch kennen wir diese System eben auch von anderen Staaten, wie dem Iran. Bei beiden (nicht nur denen) hält sich unsere Politik erstaunlich zurück (siehe Posts zu Westerwelle). Das war der Aufhänger bei meinem angebrachten P.S.

Da braucht es keine Studie

"Alles zwar Off Topic, aber der virulente Antiamerikanismus deutscher Prägung wäre wirklich eine Studie wert."

Da reicht ein Blick in die Presse, die Kommentarspalten im Internet und eine normale Partykonservation.
In den Medien wird sich immer auf die Amerkaner eingeschossen. Beispiel NSA-Skandal. Dass die Briten (immerhin ein EU-Partner) im gleichen Umfang Daten abfangen, ist zu 100% aus der Berichterstattung verschwunden. Alle stürzen sich auf PRISM, Tempora spielt keine Rolle mehr. Ein bisschen Antiamerikanismus hat übrigens im Wahlkampft noch nie geschadet.
In den Kommentaren haben sie zu jeden Thema, das sich mit Amerika oder deren vermeintlichen Gegnern beschäfftigen, immer 20-30% antiamerikanische Kommentare, auch wenn das Thema es eigentlich gar nicht hergibt. Der Anlass reicht meistens.
Und auf jeder Party können Sie mir ein paar plumpen anti-amerikanischen Statements Zustimmung erhaschen, Widerspruch erfahren nichtmals die dämlichsten Pauschalisierungen. Beliebt ist hierbei besonders die vermeintliche interlektuelle und kulturelle Rückständigkeit der Amis.