Russlands Präsident Wladimir Putin © Yuri Kochetkov/AFP/GettyImages

Russland hat kein Interesse daran, dem früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden Asyl zu gewähren. Dies sagte der Menschenrechtsberater von Präsident Wladimir Putin, Michail Fedotow, dem Magazin Focus. Demnach wolle sein Land die wichtigen Beziehungen zu den USA nicht belasten. Um das Schicksal von Snowden sollten sich stattdessen das Rote Kreuz oder das UN-Flüchtlingshilfswerk kümmern: "Sie könnten ihn legalisieren und dann in das Land bringen, das ihm Asyl anbietet."

Dem per US-Haftbefehl gesuchten Amerikaner müsse allerdings aus humanitären Gründen Schutz gewährt werden, so Fedotow weiter. Der Grund: "In den USA droht ihm die Todesstrafe." Snowden auszuliefern würde die Europäische Menschenrechtskonvention verletzen. Für Moskau sei es deshalb keine Option, Snowden gegen in den USA inhaftierte Russen auszutauschen.

Über das von Snowden beantragte Bleiberecht in Russland werde Präsident Putin persönlich entscheiden, kündigte Fedotow an. Moskau halte Snowden trotz der "Show um den Asylantrag" für seriös und erkenne seine Verdienste an: "Er hat die Öffentlichkeit auf diesen abscheulichen Missbrauch aufmerksam gemacht und im Interesse der internationalen Zivilgesellschaft gehandelt."

Auch Parlamentssprecher Sergej Naryschkin zollte Snowden Respekt. "Ich halte ihn für einen Bürgerrechtler, der für die Rechte von Millionen Menschen auf der ganzen Welt eintritt", sagte er und forderte, dessen Asylgesuch stattzugeben. Er sehe ein "sehr großes Risiko", dass Snowden in den USA die Todesstrafe drohe. Russland "habe einfach nicht das Recht, das zuzulassen". Der Whistleblower müsse sich dann aber "natürlich strikt an die Bedingungen halten, die Russlands Präsident gestellt hat". Putin hatte gesagt, Snowden solle den USA nicht länger schaden und keine weiteren Geheimnisse verraten.

Putin bleibt hart

Snowden hatte durch die Enthüllung geheimer US-Programme zur Überwachung der globalen Telefon- und Internetkommunikation weltweit für Aufsehen gesorgt. Der frühere Geheimdienstmitarbeiter war nach seiner Flucht aus den USA zunächst nach Hongkong gereist. Schließlich strandete er auf einem Flughafen in Moskau, wo er sich nun seit Wochen um Asyl in mehreren Staaten bemüht. Am Freitag dann hatte der 30-Jährige verkündet, nun doch Asyl in Russland zu beantragen. Dies gelte aber nur so lange, bis er nach Lateinamerika ausreisen könne.

Den russischen Behörden liegt noch kein offizieller Asylantrag von Snowden vor. Auch am Samstag sei bislang kein solches Gesuch eingegangen, sagte der Leiter der zuständigen Migrationsbehörde, Konstantin Romodanowski.

Derweil verlangen die USA unbeirrt die Auslieferung Snowdens. Dem verweigert sich die russische Regierung aber hartnäckig. Auch in einem Telefonat konnte US-Präsident Barack Obama seinen Amtskollegen Putin nicht überzeugen. Die Verlautbarungen des Weißen Hauses nach dem Gespräch waren denn auch recht allgemein. Man habe "eine Reihe von Sicherheits- und bilateralen Themen besprochen, darunter den Status von Herrn Edward Snowden", hieß es.

Zuvor war Obamas Sprecher deutlicher geworden. Politisches Asyl für Snowden sei "unvereinbar mit der russischen Versicherung, keine Verschlechterung der Beziehungen zu wollen", hatte Jay Carney gesagt. Snowden dürfe nicht zu einer "Propaganda-Plattform" verholfen werden.