Whistleblower : Snowden hält offenbar Geheimnisse als Lebensversicherung zurück

Sollte Snowden etwas zustoßen, könnten neue Enthüllungen zum Albtraum der US-Regierung werden, sagt ein Journalist des "Guardian". Dafür habe der Whistleblower gesorgt.

Der US-Geheimdienstenthüller Edward Snowden hat offenbar zu seinem Schutz Informationen an verschiedenen Orten deponiert. Sie sollen veröffentlicht werden, falls ihm etwas zustößt. Es handele sich um Material, das zum Albtraum für die USA werden könnte, sagte der Guardian-Journalist Glenn Greenwald der argentinischen Zeitung La Nación

Greenwald hatte Snowdens erste Enthüllungen über das US-Programm Prism zur umfassenden Überwachung der Telefon- und Internetkommunikation veröffentlicht.

Snowden, der als Spezialist für IT-Sicherheit Zugang zu diversen geheimen Informationen von CIA und NSA hatte, könne der Regierung in Washington "in einer einzigen Minute" mehr Schaden zufügen als jede Person zuvor. "Die US-Regierung sollte sich jeden Tag hinknien und flehen, dass Snowden nichts passiert, denn wenn ihm irgendetwas zustoßen sollte, würden alle Informationen enthüllt." Das könne ihr "schlimmster Albtraum" werden.  

Es sei jedoch nicht das Ziel Snowdens, diese brisanten Informationen zu veröffentlichen. Vielmehr gehe es ihm darum, die Risiken der Internetprogramme aufzuzeigen. Menschen weltweit benutzten diese, ohne "bewusst akzeptiert zu haben, ihr Recht auf Schutz des Privatlebens aufzugeben".

Informationen über Bespitzelungen in Lateinamerika

Snowden habe auch detaillierte Informationen darüber, wie der US-Geheimdienst NSA Lateinamerika ausspäht, sagte Greenwald. Ein Weg sei das Abgreifen von Daten bei einem US-Kommunikationsunternehmen, das Verträge mit den meisten südamerikanischen Ländern habe. Um welches Unternehmen es sich handelt, sagte der Journalist nicht.

Der inzwischen 30-jährige Snowden hält sich seit dem 23. Juni auf einem Moskauer Flughafen im Transitbereich auf. Die Regierung von Präsident Barack Obama verlangt seine Auslieferung. Mehrere Staaten in Lateinamerika haben ihm Asyl angeboten. Unklar ist, auf welchem Wege er dorthin gelangen könnte.   

Am Freitag hatte der von den USA wegen Hochverrats gesuchte ehemalige Geheimdienstmitarbeiter gegenüber Menschenrechtlern und Abgeordneten in Moskau angekündigt, er wolle vorübergehend Asyl in Russland beantragen. Sein Ziel sei aber Südamerika. Russland teilte allerdings am Samstag mit, ein Asylantrag liege noch nicht vor.

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Kommentare

177 Kommentare Seite 1 von 18 Kommentieren

Zurückhalten......

wäre angebracht.

"Even Greenwald, who urged me rather strongly in 2010 to publish Bradley Manning’s personal chats, is taking a more conservative view of the NSA’s PowerPoint. “I’m not going to discuss our legal advice with you,” Greenwald wrote on Twitter, “but we’re not publishing NSA tech methods.”

To us geeks, the tech methods, of course, are the most interesting part. Snowden evidently wanted the entire presentation published, at least at one point in his discussions with the Post’s Gellman. On May 24, “Snowden asked for a guarantee that the Washington Post would publish — within 72 hours — the full text of [the] PowerPoint presentation,” Gellman wrote Sunday, in a fascinating account of his interactions with the whistleblower. “I told him we would not make any guarantee about what we published or when.”"
http://www.wired.com/thre...

An dem Interview stört mich, was Reuters berichtet

Ich finde das nicht so sehr verkürzt. Greenwalds Publicitygeilheit schadet im Moment Snowden mehr, als dass sie ihm nützt. In dem Interview übertreibt er doch maßlos. Was sollte das sein, was Snowden/Greenwald noch in petto haben und was wir nicht längst vermuten? Wenn das so schrecklich ist (echte Verbrechen), warum dann nicht gleich raus damit?

sie spekulieren

Ich zumindest weiß nicht, ob das, was der Reporter gesagt hat stimmt.
Es handelt sich nicht um eine von Snowden autorisierte Äußerung.

Falls das, was der Reporter gesagt hat, stimmt, weiß ich zumindest nicht, um was für Geheimnisse es sich handelt.

Wäre Europa dazu bereit gewesen, Snowden aufzunehmen, dann hätte er es nicht nötig gehabt, in der Sowjetunion und in Venezuela um politisches Asyl zu bitten.

Bei dem riesigen Aufwand, den der NSA und die Regierung der USA treiben, ist es nicht unmöglich, dass sie den zitierten Journalisten und vielleicht vorher zur Verfolgung von Wikileaks schon eine Frau in Schweden für ihre Zwecke benutzen.

Aufklärung vs. Schaden/Richtigstellung

"das zurückhalten solcher dinge macht ihn mir innerhalb einer sekunde unsympathisch,und lässt mich stark an seiner glaubwürdigkeit zweifeln."

Snowden hat von Anfang an klar gemacht, dass er den USA nicht schaden, sondern sich für die Freiheit ihrer Bürger einsetzen will. Nicht Umsonst war seine Veröffentlichung (bzw. die von Greenwald) so vorsichtig und scheibchenweise.

Viel unglaubwürdiger würde er werden, wenn er nun Geheimnisse veröffentlich, die Menschen in den USA (oder Amerikaner im Ausland) in Gefahr bringen könnten.

Zudem stellt Glenn Greenwald das ganze im Guardian nochmal richtig (http://www.guardian.co.uk...).

Ich finde es ein wenig schade, dass die ZEIT die Argenturmeldung so unreflektiert kopiert und nicht einmal die Meinung von Greenwald mit einbezieht. Natürlich muss man ihm nicht glauben. Eine neutrale Darstellung wäre dennoch schön.

Catch 22?

"Given the extraordinary amount of documents he has and their sensitivity, ... it is incredibly foolish for the US government to force him to remain in Russia. From the perspective of the US government and the purported concerns about him being in Russia, that makes zero sense given the documents he has."

Das heißt er lässt es darauf ankommen, dass Russland eventuell an die Dokumente herankommt, falls Amerika nicht auf seine Bedingungen eingeht? Ich hoffe sehr, dass die Sache gut ausgeht, denn das klingt gefährlich...

Snowden und die EU

es verwundert, denn:
-er stellt in mehreren Europäischen Ländern Asyl - wenn er wirklich davon ausgehen würde, dass die EU ihn ausliefert hätte er dies nicht gemacht.

Gerade die Erfahrungen von Assange zeigen ja, dass selbst Großbritannien nicht einfach so in die USA ausliefern. Dass ausgerechnet Schweden eher an die USA ausliefern soll als GB - naja, wer's glauben mag soll's glauben.
Evtl. ist Assange einfach nicht der Held, den sie und andere in ihn hineininterpretiert haben.