Russlands Präsident Putin © Mark Ralston/Reuters

Die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den USA und Russland werden durch den Fall des früheren Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden zusätzlich belastet. Nun hat der russische Präsident beteuert, wie wichtig ihm enge Bande auch zu Washington sind. "Bilaterale Beziehungen sind meiner Meinung nach viel wichtiger als das Gezänk über Aktivitäten von Geheimdiensten", zitiert die Nachrichtenagentur Ria Nowosti Wladimir Putin bei einem Besuch in Sibirien.

Der Kreml-Chef war gefragt worden, ob die Affäre den für September in Moskau geplanten USA-Russland-Gipfel gefährde. Genau damit hatte die US-Regierung vor zwei Wochen gedroht. Sollte sich Snowden dann immer noch in Moskau aufhalten, würde Präsident Barack Obama weder in die russische Hauptstadt noch zum G-20-Gipfel nach St. Petersburg reisen.

Einen solchen Eklat will die russische Führung offenbar verhindern. So sagte ein enger Berater des Putins, Russland habe kein Interesse daran, Snowden Asyl zu gewähren. Sein Land wolle die wichtigen Beziehungen zu den USA nicht belasten, zitiert der Focus Putins Menschenrechtsberater Michail Fedotow.

Neue Warnungen an Snowden

Gleichzeitig wiederholte Putin, man wolle sich von den Protestnoten der US-Regierung nicht einschüchtern lassen. Die USA hatten die Auslieferung Snowdens beantragt, um ihm einen Prozess wegen Geheimnisverrats zu machen – was Putin ablehnt. "Russland hat eine unabhängige Außenpolitik und wird diese weiter verfolgen", wurde Putin zitiert. "Ich hoffe, unsere Partner verstehen dies und werden dies ruhig und mit Verständnis bewerten."

Der Computerspezialist Snowden hatte Anfang Juni mit der Enthüllung eines geheimen US-Programms zur Überwachung der weltweiten Internet- und Telefonkommunikation für Aufsehen gesorgt. Er sitzt seit drei Wochen im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo fest, wo er am Dienstag an Russland offiziell einen Antrag auf vorübergehendes Aysl gestellt hat.

Hierzu wollte sich Putin nicht näher äußern. Er wiederholte lediglich seine Bedingungen für eine vorübergehende Aufnahme Snowdens: "Wir haben ihm gesagt, dass jegliche Aktion, die den Beziehungen zwischen Russland und den USA schaden könnte, inakzeptabel sei."