Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hat in Venezuela einen Asylantrag eingereicht. Der venezolanische Staatschef Nicolás Maduro sagte, Snowden müsse jetzt "entscheiden, wenn er ein Flugzeug nimmt, ob er letztendlich herkommen will". Das Angebot seines Landes bestehe weiter.

Der 30-jährige Snowden sitzt seit etwa zwei Wochen auf einem Flughafen in Moskau fest. Maduro hatte in Aussicht gestellt, dass sein Land aus humanitären Gründen den Asylantrag positiv entscheiden werde. "Wir haben diesem jungen Mann gesagt: 'Sie werden vom Imperialismus verfolgt, kommen Sie her'", sagte Maduro.

Die USA hatten Venezuela davor gewarnt, Snowden Asyl zu gewähren. Im Falle eine Einreise Snowdens sollte das Land ihn an die USA ausliefern. Eine Weigerung dürfte die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen dem südamerikanischen Land und den USA weiter verschlechtern. Auch Nicaragua und Bolivien hatten Snowden Asyl angeboten. Er selbst hatte laut WikiLeaks in etwa 18 Ländern Asyl erbeten, darunter auch in europäischen Staaten wie etwa Deutschland. Viele Staaten lehnten ab.

Die USA versuchen, Snowdens habhaft zu werden. Man sei weiterhin mit allen Ländern in Kontakt, in die er flüchten könnte oder die er auf einer Flucht überfliegen könnte, sagte Regierungssprecher Jay Carney. Erneut forderte er Russland auf, Snowden auszuliefern. Vor wenigen Tagen hatte ein Flugzeug mit Boliviens Präsident Evo Morales in Wien notlanden müssen, weil Frankreich der Maschine den Überflug verweigerte. Man vermutete Snowden an Bord, was sich als Irrtum herausstellte. 

US-Sprecher Carney äußerte sich nicht zu russischen Zeitungsberichten, wonach Präsident Barack Obama auf eine Teilnahme am G-20-Gipfel Anfang September verzichten würde, falls Snowden dann noch immer in Moskau ist. Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, Bernadette Meehan, sagte, Obama wolle im September nach Russland reisen. Die Vorbereitungen für den Besuch liefen auf Hochtouren, sagte auch Putins Sprecher Dmitri Peskow. Der US-Botschafter in Moskau, Michael McFaul, teilte mit, er sei mit den Vorbereitungen beschäftigt. Die Europäische Union macht die Überwachung auch am Rande der Verhandlungen über das geplante Freihandelsabkommen mit den USA zum Thema.

Snowden hatte in Interviews unter anderem öffentlich gemacht, dass der US-Nachrichtendienst NSA mit seinem Spähprogramm Prism weltweit in ungeahntem Ausmaß Kommunikation per E-Mail und Telefon ausspähe. Die Behörde schöpft laut Spiegel demnach auch EU-Behörden ab. Die USA suchen den IT-Spezialisten wegen Geheimnisverrats. Russland lehnt mit Verweis auf die in den USA mögliche Todesstrafe eine Auslieferung ab.