Syrien-KonfliktSyrische Opposition wählt Al-Dscharba zum Vorsitzenden

Die Nationale Koalition wird fortan von Ahmed Al-Dscharba geführt. Er leistete bei westlichen und arabischen Ländern Überzeugungsarbeit, Waffen an Rebellen zu liefern.

Die größte Oppositionsgruppe Syriens, die Nationale Koalition, hat sich auf eine neue Führung geeinigt und den von Saudi-Arabien unterstützten sunnitischen Stammesführer Ahmed Assi Al-Dscharba zum Chef gewählt. Das teilte ein Sprecher der Gruppe nach der Abstimmung in Istanbul mit.

Es war der zweite Versuch der Nationalen Koalition, ihre internen Differenzen beizulegen und sich auf einen neuen Präsidenten zu verständigen. Ende Mai war ein erster Versuch trotz einwöchiger Beratungen gescheitert. Im März ist der damalige Oppositionsführer Moas Al-Chatib aus Protest gegen die Untätigkeit der Staatengemeinschaft zurückgetreten. Als Interimspräsident hatte seitdem der Oppositionspolitiker George Sabra fungiert.

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Laut Nationaler Koalition stimmten 55 der 114 Mitglieder des Ratsgremiums für Al-Dscharba. Zudem berief das Gremium drei Vizepräsidenten, darunter einen ranghohen Vertreter der Muslimbruderschaft, Mohammed Faruk Taifur.  

Al-Dscharba gehört zur liberalen Gruppe des Dissidenten Michel Kilo. Er wird von Saudi-Arabien unterstützt und ist entfernt verwandt mit einer Ehefrau des saudischen Königs Abdullah. Nach Angaben der Nationalen Koalition wurde Al-Dscharba zu Beginn des Aufstandes in Syrien, im März 2011, vom syrischen Geheimdienst festgenommen und verhört.

In den vergangenen Monaten spielte er eine zentrale Rolle bei dem Versuch, westliche und arabische Staaten davon zu überzeugen, die Rebellen mit Waffen zu beliefern.

Die Oppositionsgruppe Nationale Koalition besteht vor allem aus Gegnern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, die im Exil leben. Sie werden von der internationalen Gemeinschaft unterstützt, haben allerdings nicht viel Rückhalt in der syrischen Bevölkerung.  

Syrische Armee setzt Offensive fort

Unterdessen setzte die syrische Armee ihre vor einer Woche begonnene Offensive gegen die Stadt Homs mit Luftangriffen und Bombardierungen fort. Homs wird seit mehr als einem Jahr von Rebellen gehalten und ist eine strategisch wichtige Stadt. Sie liegt zwischen der Hauptstadt Damaskus und der syrischen Küste, wo viele Anhänger des Assad-Regimes leben. Aktivisten berichteten, die Armee habe das Viertel Chaldije mit Artillerie heftig unter Beschuss genommen und Rebellen vertrieben.

Nach Angaben des Aktivisten Tarik Badrachan setzten die Regierungssoldaten bei ihrem Vorstoß Raketen, Granatwerfer und Kanonen ein, um die Verteidigungslinie der Rebellen zu durchbrechen. Die Kämpfe begannen den Angaben zufolge am Freitag und dauerten am Samstag an. Acht Rebellen seien ums Leben gekommen, berichtete ein anderer Aktivist.

Unterstützung von ausländischen Kämpfern

Auch in der nordsyrischen Stadt Aleppo und in der gleichnamigen Provinz sowie in der Hauptstadt Damaskus gingen die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Regierungsgegnern weiter. In der Provinz Aleppo beschossen Rebellen zwei von Regierungssoldaten besetzte schiitische Städte. Das in London ansässige und der Opposition nahestehende Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte sagte am Sonntag, um die Städte Nubul und Sahra sei es zu Gefechten gekommen.

Beobachtern zufolge unterstreichen die dortigen Kämpfe die wachsende religiöse Natur des seit gut zwei Jahren währenden Aufstandes gegen das Assad-Regime: Libanesische und irakische Schiiten haben sich in jüngerer Zeit den Assad-Truppen angeschlossen. Ausländische Sunniten unterstützen immer öfter die vorwiegend sunnitischen syrischen Rebellen.

Am Freitag war am Widerstand Russlands im UN-Sicherheitsrat eine Aufforderung an Assad gescheitert, Hilfsorganisationen sofortigen Zugang zu rund 2.500 Zivilisten zu gewähren, die in Homs eingeschlossen sind. Seit Ausbruch des Bürgerkrieges im März 2011 sind nach Schätzung der Vereinten Nationen (UN) mehr als 93.000 Menschen ums Leben gekommen.

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Leserkommentare
  1. 'Die größte Oppositionsgruppe Syriens, die Nationale Koalition...'

    Wikipedia schreibt dazu:
    'However, among the expatriated opposition, the Syrian Muslim Brotherhood has come to be seen by some as the "dominant group"[3] or "dominant force"[2] in the opposition during the Syrian uprising as of spring 2012'

    Traditionell ist diese von Katar unterstuetzte Bewegung die Speerspitze der Opposition zur syrischen Regierung, auch historisch.

    Wobei es immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt zwischen den Anhaengern der Moslembruderschaft und den Anhaengern der von Saudi-Arabien finanzierten Gruppen.
    http://www.washingtonpost.com/world/middle_east/syrian-opposition-choose...

    Sollte es nach Jahren des Buergerkrieges zu einer Spaltung Syriens kommen, oder gar einem Sieg der Opposition, dann wuerde es mich nicht weiter ueberraschen, wenn der Buergerkrieg gleich weiterginge,zwischen den Anhaengern der rivalisierenden Oppositionsgruppen.

    3 Leserempfehlungen
  2. Meine ja bloss. Von den Plünderungen in Syrien durch seine Banden alleine kann der doch nicht leben.

    Merkwürdig, Ria novosti meldet sogar Tagungsort und Ablauf, was diesem Bericht fehlt. "Wer, was, wann, wo, wie, warum" braucht man als Journalist bei der Zeit nicht beherrschen?

    12 Leserempfehlungen
  3. ein BeobachtungsZENTRUM geworden? Hat sich Abdulrahman selbst befördert, oder einen Praktikanten eingestellt? Zu viel Polemik?

    Zur Nachricht selbst. Solange diese oppositionelle Koalition nicht zu realistischen Verhandlungen bereit ist, solange der Krieg immer weiter von allen Seiten angeheizt wird, ist es völlig egal, wer diese Gruppe nun anführt. Spannend ist nur ein weiterer Begriff: Stammesführer.Das Trifft einen sehr wichtigen Punkt, der bei dem Konflikt gern übersehen, oder unbeleuchtet gelassen wird. Die Stammeskultur in arabischen und nordafrikanischen Ländern. Diese werden sowohl einen Friedens, wie auch einen in weiter Ferne stehenden Demokratisierungsprozess massiv erschweren.

    4 Leserempfehlungen
  4. 4. Waffen

    " Er leistete bei westlichen und arabischen Ländern Überzeugungsarbeit, Waffen an Rebellen zu liefern."

    Ein Waffenlobbyist wird Oppositionsvorsitzender? Dann geht's ja endlich wieder aufwärts in Syrien.

    3 Leserempfehlungen
  5. <em>Al-Dscharba gehört zur liberalen Gruppe des Dissidenten Michel Kilo. Er wird von Saudi-Arabien unterstützt und ist entfernt verwandt mit einer Ehefrau des saudischen Königs Abdullah.</em>

    Und nun führt er die Revolution des syrischen Volkes durch...prust!

    5 Leserempfehlungen
  6. Nun, wenn dieser Herr die Unterstützung Saudi Wahabiens hat, dann bin ich mir ABSOLUT SICHER, dass er eine Demokratie in Syrien einleiten wird!
    Wenn nicht, dann zumindest einen amerikanischen Satelitenstaat mit Islamismus/Wahabismus als Staatsdoktrin so wie er in Saudi Wahabien existiert...Hauptsache beide Kriegsinvestoren kommen zu ihrem Ziel!

    via ZEIT ONLINE plus App

    2 Leserempfehlungen
  7. Zitat: "Am Freitag war am Widerstand Russlands im UN-Sicherheitsrat eine Aufforderung an Assad gescheitert, Hilfsorganisationen sofortigen Zugang zu rund 2.500 Zivilisten zu gewähren, die in Homs eingeschlossen sind."

    Es ist ungeheuerlich wie hier die Tatsachen verdreht werden. Russland wollte Zugang für Hilfsorganisationen zu insgesamt drei Städten. Also ging der Vorschlag von Russland noch weiter als der vom Westen. Die westlichen Terroristenunterstützer wollten natürlich nur Zugang zu Homs bewirken, weil das direkt den dort eingekesselten Rebellen geholfen hätte.
    Liebe Zeit, erkennt doch einfach die Tatsachen an. Der Westen hat in diesem Falle mit den "Bösen" angebandelt und sieht vor Schreck erstarrt darauf, dass sich der angerichtete Schlammassel mehr und mehr zum Schittstorm entwickelt.
    Die Einschätzung der Lage in Syrien durch das syrische Militär, Iran, Russland und China ist bisher immer wieder bestätigt worden. Die westlichen Medien machen sich lächerlich weiterhin zu behaupten dass die Unterstützer der syrischen Regierung einer friedlichen Lösung im Wege stehen.

    Eine Leserempfehlung
  8. http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-07/nato-libyen-zerfall

    Und auch die, die den sooo freundlichen "Rebellen" Waffen liefern wollen.

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