Die inhaftierte Exregierungschefin der Ukraine, Julija Timoschenko, muss aus Sicht deutscher Ärzte operiert werden. Das teilte eine Sprecherin der Berliner Charité mit. Timoschenko lehne einen solchen Eingriff in der Ukraine aber weiterhin ab.

Die Sprecherin sagte, bei Timoschenko sei es während körperlicher Betätigung zu akuten Schmerzen gekommen, die im Zusammenhang mit dem bekannten Bandscheibenleiden zu sehen sind. Außerdem stagnierten die Behandlungsfortschritte in den vergangenen Wochen. Die Charité-Ärzte hatten Timoschenko am 21. Juni besucht.

Auch Timoschenkos Tochter Jewgenija wendete sich mit diesen Informationen an die Öffentlichkeit. Die Folgen der Krankheit ihrer Mutter seien ohne Operation nicht absehbar, sagte sie. Der "schon jetzt kritische Zustand könnte in der Invalidität" enden.

Julija Timoschenko wurde im August 2011 in Untersuchungshaft genommen und zwei Monate später wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Die EU bezeichnete dies als "selektive Justiz", der Europäische Gerichtshof verurteilte die Ukraine wegen des Urteils. Der Verdacht ist, dass Präsident Viktor Janukowitsch seine Widersacherinnen politisch ausschalten wollte. Timoschenko wird seit Mai 2012 in einer Klinik im ostukrainischen Charkow behandelt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte sich vor zehn Tagen in Kiew für eine Behandlung Timoschenkos in Deutschland eingesetzt. Am morgigen Dienstag empfängt er seinen ukrainischen Kollegen Leonid Koschara in Berlin.