NSA-Skandal : Mehrheit der Deutschen befürwortet Snowdens Taten

Mehr als 60 Prozent finden die NSA-Enthüllungen richtig, auch wenn Snowden Gesetze gebrochen hat. Fast jeder Zweite wünscht zudem eine schärfere Reaktion der Regierung.
Aktivisten von Edward Snowden demonstrieren vor dem Eiffelturm in Paris ihre Unterstützung für den Whistleblower. © Kenzo Tribouillard/AFP/Getty Images

Eine Mehrheit der Deutschen hält es für richtig, dass Edward Snowden trotz des Verstoßes gegen bestimmte Gesetze die umfassende Überwachung durch den amerikanischen Geheimdienst NSA öffentlich gemacht hat. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, die ZEIT ONLINE exklusiv vorliegt, sagten 61 Prozent der Befragten, dass sie es unabhängig von gesetzlichen Regelungen gut finden, was Snowden getan hat. Nur 17 Prozent halten es für falsch. 

In Deutschland war teils heftig über den richtigen Umgang mit Edward Snowden diskutiert worden. Bundespräsident Joachim Gauck etwa hatte den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter kritisiert. Er habe kein Verständnis für den "puren Verrat" eingegangener Verpflichtungen, so Gauck. Auf der anderen Seite forderte Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin die Aufnahme Snowdens in Deutschland, weil dieser Europa einen Dienst erwiesen habe. Die Bundesregierung hatte einen Asylantrag Snowdens zurückgewiesen.

Der 30-Jährige wird von den USA wegen Spionage per Haftbefehl gesucht. Snowden hatte von Hongkong aus Dokumente über geheime Überwachungsprogramme des Geheimdienstes NSA sowie des britischen Geheimdienstes GHCQ an Medien weitergegeben. Hongkong ließ Snowden nach Moskau weiterreisen, wo er seit zwei Wochen festsitzt. Bislang hat er sich in mehr als 20 Ländern vergeblich um Asyl bemüht. Inzwischen haben ihm Venezuela, Nicaragua und Bolivien eine Aufnahme angeboten.

Eine Mehrheit der Deutschen meint der YouGov-Umfrage zufolge, dass im Zuge der Überwachung auch ihre persönlichen Daten wie Telefonate, E-Mails und Social-Media-Kommunikation abgehört wurden. 54 Prozent der Befragten halten es für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich, dass die NSA auf ihre Daten zugegriffen hat. 36 Prozent halten das für eher oder sehr unwahrscheinlich.

Reagierte Bundesregierung angemessen?

Kurz nach Bekanntwerden des NSA-Skandals hatten in einer Umfrage 49 Prozent der Deutschen gesagt, sich trotz der Enthüllung nicht von den USA überwacht zu fühlen. Zudem fanden es damals 40 Prozent der Befragten richtig, dass Staaten die Kommunikation im Internet überwachen, wenn es ihrer Sicherheit dient.

Die Bundesregierung hatte nach Bekanntwerden des Überwachungsskandals umfassende Informationen von den USA angefordert. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die NSA-Praktiken zudem als inakzeptabel, Konsequenzen drohte sie aber nicht an. Diese Reaktion halten zwar 43 Prozent der Befragten für angemessen. Mit 42 Prozent hätten sich aber fast ebenso viele eine stärkere Reaktion der Bundesregierung gewünscht. Lediglich 5 Prozent sprachen sich für eine schwächere Reaktion aus. Auffällig dabei ist, dass mit 50 Prozent weitaus mehr Männer für eine schärfere Reaktion wären. Unter den weiblichen Befragten beträgt der Anteil nur 34 Prozent.

Diese Umfrage wurde vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt. Sie basiert auf Online-Interviews mit Teilnehmern des YouGov-Panels, das weltweit bereits 2,5 Millionen Mitglieder zählt. Für die vorliegende Umfrage befragte YouGov vom 03. bis 05. Juli 1.049 Menschen.

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Kommentare

122 Kommentare Seite 1 von 20 Kommentieren

Nein keine Ironie.

Zum einem kontroliert nicht das Kanzleramt oder der Bund die Kita oder den Kindergarten um die Ecke und erst recht nicht die Mitarbeiter in diesen Erziehungseinrichtungen, im gegensatz zu den Geheimdiensten wie z.B. den BND.
Zum anderen gehöhrt die NSA und der GCHQ sicher nicht zu diesem (!) starken Staat, sondern zu einem anderen.

Ihre besondere "Ironie" hat einen gewaltigen Logik fehler.

Hinzu kommt das nach dieser Logik der Staat für die Sicherheit der Bürger jedwedes Gesetz brechen darf.

Sie haben im übrigen nicht das Recht, von mir oder anderen zu fordern auf Grundrechte zu verzichten. Auch sollten sie sich nicht darüber lustig machen und das ganze als ironische Bagatelle abtun.

hm...

Naja, schön wäre das.

Doch auch jetzt werden den veröffentlichten "Beweisen" von führenden Politikern die Beweislast abgesprochen, da sie ihnen ja nicht physisch im Original vorliegen und auch wenn das der Fall wäre, nicht mit den Originalen der NSA vergleicht werden könnten. Somit werden die Friedrichs, Merkels und ähnliches Gesindel für immer und ewig einen Grund und eine Möglichkeit haben alles abzuwiegeln und zu leugnen. Und solang der gemeine Bürger das mit sich machen lässt, wird sich wohl nichts zum Positiven ändern.

Grandiose Politsatire: Die Bundesregierung schickt zur Aufklärung der unbestätigten Vorwürfe ein "Expertenteam", bestehend aus (hochqualifizierten?) Unterabteilungsleitern des Innenministeriums, unter der Aufsicht von Hans-Peter "schei** auf die Verfassung" Friedrich. yey.

Bewußte Fehlinformation, Herr Autor?

Warum ist Ihr Institut besser als die Organisation YouGov?

Und die von Ihnen verlinkte Umfrage haben Sie scheinbar auch nur überflogen, denn sie widerspricht teils deutlich Ihrer "Interpretation".

"Die Bundesregierung hatte nach Bekanntwerden des Überwachungsskandals umfassende Informationen von den USA angefordert. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die NSA-Praktiken zudem als inakzeptabel"

Eigentlich hat Angela Merkel erstmal nur gesagt, dass wäre Neuland. Das kann ich unmöglich derart uminterpretieren, dass die im Artikel kolportierte Reaktion daraus entsteht. Und unser Innenminister fand die Überwachungsmaßnahmen eher begrüßenswert, er war bloß etwas angesäuert, weil er nicht mitspielen durfte.