Eine Mehrheit der Deutschen hält es für richtig, dass Edward Snowden trotz des Verstoßes gegen bestimmte Gesetze die umfassende Überwachung durch den amerikanischen Geheimdienst NSA öffentlich gemacht hat. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, die ZEIT ONLINE exklusiv vorliegt, sagten 61 Prozent der Befragten, dass sie es unabhängig von gesetzlichen Regelungen gut finden, was Snowden getan hat. Nur 17 Prozent halten es für falsch. 

In Deutschland war teils heftig über den richtigen Umgang mit Edward Snowden diskutiert worden. Bundespräsident Joachim Gauck etwa hatte den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter kritisiert. Er habe kein Verständnis für den "puren Verrat" eingegangener Verpflichtungen, so Gauck. Auf der anderen Seite forderte Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin die Aufnahme Snowdens in Deutschland, weil dieser Europa einen Dienst erwiesen habe. Die Bundesregierung hatte einen Asylantrag Snowdens zurückgewiesen.

Der 30-Jährige wird von den USA wegen Spionage per Haftbefehl gesucht. Snowden hatte von Hongkong aus Dokumente über geheime Überwachungsprogramme des Geheimdienstes NSA sowie des britischen Geheimdienstes GHCQ an Medien weitergegeben. Hongkong ließ Snowden nach Moskau weiterreisen, wo er seit zwei Wochen festsitzt. Bislang hat er sich in mehr als 20 Ländern vergeblich um Asyl bemüht. Inzwischen haben ihm Venezuela, Nicaragua und Bolivien eine Aufnahme angeboten.

Eine Mehrheit der Deutschen meint der YouGov-Umfrage zufolge, dass im Zuge der Überwachung auch ihre persönlichen Daten wie Telefonate, E-Mails und Social-Media-Kommunikation abgehört wurden. 54 Prozent der Befragten halten es für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich, dass die NSA auf ihre Daten zugegriffen hat. 36 Prozent halten das für eher oder sehr unwahrscheinlich.

Reagierte Bundesregierung angemessen?

Kurz nach Bekanntwerden des NSA-Skandals hatten in einer Umfrage 49 Prozent der Deutschen gesagt, sich trotz der Enthüllung nicht von den USA überwacht zu fühlen. Zudem fanden es damals 40 Prozent der Befragten richtig, dass Staaten die Kommunikation im Internet überwachen, wenn es ihrer Sicherheit dient.

Die Bundesregierung hatte nach Bekanntwerden des Überwachungsskandals umfassende Informationen von den USA angefordert. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die NSA-Praktiken zudem als inakzeptabel, Konsequenzen drohte sie aber nicht an. Diese Reaktion halten zwar 43 Prozent der Befragten für angemessen. Mit 42 Prozent hätten sich aber fast ebenso viele eine stärkere Reaktion der Bundesregierung gewünscht. Lediglich 5 Prozent sprachen sich für eine schwächere Reaktion aus. Auffällig dabei ist, dass mit 50 Prozent weitaus mehr Männer für eine schärfere Reaktion wären. Unter den weiblichen Befragten beträgt der Anteil nur 34 Prozent.

Diese Umfrage wurde vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt. Sie basiert auf Online-Interviews mit Teilnehmern des YouGov-Panels, das weltweit bereits 2,5 Millionen Mitglieder zählt. Für die vorliegende Umfrage befragte YouGov vom 03. bis 05. Juli 1.049 Menschen.