Bürgerkrieg : Russland blockiert humanitäre Hilfe für Syrien

Der UN-Sicherheitsrat wollte Hilfsorganisationen Zugang in die von Truppen eingeschlossene Stadt Homs ermöglichen. Doch das Papier scheiterte am Widerstand Russlands.
Zerstörte Häuser in der von Assad-Truppen eingeschlossenen Stadt Homs ©Yazan Homsy/Reuters

Der UN-Sicherheitsrat hat sich nach tagelangen Verhandlungen erneut nicht auf eine Stellungnahme zur Lage in Syrien einigen können. Russland, der wichtigste Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, blockierte einen Textentwurf Australiens und Luxemburgs, die die Suche nach einem Kompromiss am Freitag aufgaben, wie Diplomaten in New York sagten.

Die beiden Länder hatten erreichen wollen, dass der Sicherheitsrat zur Hilfe für die Zivilisten in der heftig umkämpften Stadt Homs aufruft. Dort sind bis zu 4.000 Zivilisten eingeschlossen.

Der britische UN-Botschafter Mark Lyall Grant sagte via Twitter, es sei "sehr enttäuschend", dass die Forderung nach Zugang humanitärer Hilfsorganisationen "blockiert" worden sei. Das Viertel al Chaldija sei seit dem frühen Freitagmorgen unter heftigem Beschuss, sagte UN-Sprecher Farhan Haq. UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay sei "extrem besorgt" über das Schicksal der Menschen angesichts der Ende Juni begonnenen Offensive der Regierungstruppen gegen die Rebellen in Homs.

Ein Sprecher Russlands sagte dagegen, die Vorschläge Moskaus seien "vollständig ignoriert" worden. In einem russischen Entwurf war die Forderung nach Zugang zu Homs sowie den Städten Nubul und Sahra erhoben worden. Zudem hieß es, allen Zivilisten müsse erlaubt werden, diese Städte zu verlassen.

Der Sprecher Russlands sagte weiter, die Zivilisten in Homs würden von "terroristischen Gruppen" festgehalten, die sie als menschliche Schutzschilde missbrauchten. Durch seine Unterstützung für Assad hat Moskau wiederholt die Verabschiedung von Erklärungen des Sicherheitsrates zu Syrien verhindert.

Regierungssoldaten rücken nach Homs vor

Unterdessen sind syrische Regierungssoldaten in eine von Rebellen gehaltene Gegend in der umkämpften Stadt Homs vorgerückt. Der örtliche Aktivist Tarik Badrachan sagte, die Truppen hätten Gebäude im Bezirk Chaldije unter ihre Kontrolle gebracht. Syrische Staatsmedien bestätigten das Vorrücken der Soldaten, das laut Badrachan am Freitagabend begann. Den Medienberichten zufolge töteten die Soldaten mehrere Rebellen in der Gegend.

Badrachan sagte, Regierungstruppen hätten die Gegend von Homs am Samstag mit Mörsergranaten und Raketen unter Beschuss genommen. Der Angriff ist Teil einer groß angelegten Offensive der Truppen von Präsident Baschar al-Assad um Gebiete zurückzugewinnen, die sie an die Rebellen verloren haben.

Die jüngste Offensive in Homs begann vor einer Woche. Die strategisch wichtige Stadt liegt zwischen der Hauptstadt Damaskus und der syrischen Küste, wo viele Anhänger des Assad-Regimes leben.

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