Krise in Ägypten USA verlangen Mursis Freilassung

Freiheit für Ägyptens Ex-Präsidenten: Dieser deutschen Forderung hat sich die US-Regierung angeschlossen und kritisierte das Militär für seine willkürlichen Festnahmen.

Anhänger der Muslimbruderschaft protestieren in Kairo mit Mursi-Masken für die Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten.

Anhänger der Muslimbruderschaft protestieren in Kairo mit Mursi-Masken für die Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten.  |  © Mohamed Abd El Ghany/Reuters

Erstmals hat die US-Regierung zur Freilassung des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi aufgerufen. Einer entsprechenden Forderung des Auswärtigen Amts in Berlin schließe man sich an, teilte das Außenministerium in Washington mit. Sprecherin Jennifer Psaki sagte, sie fordere "heute öffentlich" die Freilassung des islamistischen Politikers.

Mursi war Anfang Juli in Folge von tagelangen Massendemonstration gegen ihn vom ägyptischen Militär seines Amtes enthoben worden. Seither wird er an einem unbekannten Ort festgehalten. Seine Anhänger, vor allem die Muslimbrüder, sind erbost und demonstrieren zu Zehntausenden für seine Wiedereinsetzung als Präsident.

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Auch das Auswärtige Amt in Berlin hatte Mursis Freilassung gefordert. Die "aufenthaltsbeschränkenden Maßnahmen" für Mursi müssten beendet werden, sagte Sprecher Martin Schäfer. Es dürfe keine politische Verfolgung geben, "jeder Anschein von selektiver Justiz" müsse vermieden werden. Eine unabhängige internationale Organisation wie das Internationale Rote Kreuz müsse unverzüglich Zugang zu Mursi bekommen.

Zuvor hatten sowohl Deutschland als auch die USA die willkürlichen Festnahmen insbesondere von ägyptischen Islamisten kritisiert. "Wir haben von Anbeginn Sorge über diese Festnahmen, diese politisch motivierten willkürlichen Festnahmen von Mitgliedern der Muslimbruderschaft", sagte Jen Psaki. Ihre Regierung fordere deshalb die gute Behandlung der Inhaftierten und denke, dass die aus politischen Gründen Festgenommenen freigelassen werden sollten.

Mursis Anhänger protestieren friedlich

Dieser Forderung vertreten auch die Anhänger Mursis, die sich in der Nacht zum Samstag erneut zu Zehntausenden versammelt hatten, um für den Geschassten zu demonstrieren. "Wir sind hier, um dem Militär zu zeigen, dass wir auf Legitimität bestehen", sagte ein islamistischer Demonstrant. "Wir werden Mursi mit unserem Blut verteidigen."

Auch die Gegenseite zeigte Präsenz: Auf dem Tahrir-Platz und vor dem Präsidentenpalast in Kairo feierten Hunderte Gegner der Muslimbruderschaft den Machtwechsel. Anders als in den vergangenen Tagen blieben die Kundgebungen der beiden Lager aber friedlich. Blutige Zusammenstöße zwischen Mursi-Gegnern mit staatlichen Sicherheitskräften wurden nicht gemeldet.

Derweil lässt die Bildung einer neuen Regierung auf sich warten. Der geschäftsführende Ministerpräsident Hasem al-Beblawi will am Sonntag mit den Gesprächen zur Bildung eines Kabinetts beginnen. Ihm zufolge sollen die neuen Minister bis Ende kommender Woche vereidigt werden. 

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen und differenzierten Kommentarstil. Der Kommentarbereich soll einer überlegten und argumentativen Diskussion dienen. Die Redaktion/mak

    6 Leserempfehlungen
  2. "Wir haben von Anbeginn Sorge über diese Festnahmen, diese politisch motivierten willkürlichen Festnahmen von Mitgliedern der Muslimbruderschaft"

    Bedenkt man, welche Sprüche und welche Brandreden vom Stapel gelassen wurden. Wie öffentlich zu Mord und Totschlag aufgerufen wurde. Dies zudem auch gegenüber ganzen Volksgruppen wie Christen und Juden.

    Dann halte ich die Verhaftungen weder für willkürlich noch politisch motiviert und es gibt eine Menge andere Länder in denen dies ebenfalls der Fall wäre.

    Bevor die USA und der Vorredner Westerwelle ihre Meinung hierzu äußern, sollte der Leser erst einmal über die Verhaftungsgründe wirklich informiert werden.

    Für mich zeigt auch dieser Vorfall wieder, wie weit die US-Führung und Andere sich von jedweder Menschlichkeit entfernt haben. Wegen billiger monetärer Interessen haben diese keine Bedenken die Kopten Ägyptens zu opfern und den Rest der Bevölkerung unter die Knute der Islamofaschisten der Muslimbrüder und Salafisten zu zwingen. Dies ist mehr als erbärmlich und würdelos.

    [...]

    Gekürzt. Bitte bemühen Sie sich um einen weniger polemischen Kommentarstil. Die Redaktion/mak

    4 Leserempfehlungen
  3. Nicht die USA hat sich der deutschen Forderung angeschlossen, sondern Westerwelle hat nur eher ausposaunt, was ihm aus Washington vorgegeben wurde. Man hört sonst sehr wenig vom deutschen Außenminister. Gegen die immer undemokratischere Herrschaft Mursis hat er nichts gesagt, nach dessen Sturz macht er sich plötzlich Sorgen um die Demokratie in Ägypten. Er sollte den Anschein selektiver Wahrnehmung vermeiden.

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  4. In einem Verfassungszusatz, den er (Mursi) seinen Sprecher Jassir Ali im staatlichen Fernsehen vorlesen ließ, heißt es: "Alle Verfassungszusätze, Entscheidungen und Gesetze des Präsidenten sind endgültig, gegen sie kann keine Rechtsmittel mehr eingelegt werden." http://www.spiegel.de/pol...

    Dafür und dass er Ägypten an den Rand eines Bürgerkriegs geführt hat sollte er sich erst einmal vor Gericht verantworten. Deshalb: Keine Freilassung von Mursi!

    6 Leserempfehlungen
  5. Mir geht's da ähnlich wie Ihnen. Zu der ganzen Unentschiedenheit kommt für die Amerikaner noch dazu, dass sie dem Militär für den Putsch (der nicht Putsch genannt werden darf) grünes Licht gegeben haben. Und wie das so ist, haben die Amerikaner einmal die Finger im Spiel (schließlich geben sie Ägypten Jahr für Jahr über 1 Mrd $ Militärhilfe), können/wollen sie sie nicht mehr raus nehmen. Vielleicht ist es einfach ein hilfloser Versuch der Amerikaner, sich bei den ägyptischen Muslimbrüdern wieder ein bisschen besser zu positionieren. Die Reklamation von Rechtsprinzipien ausgerechnet vom den Amerikaner ist natürlich geradezu lächerlich.

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    Antwort auf "Zwiespältig"
  6. Beweisen sie wann und wie soll die Partei Mursis zum Totschlag und Mord aufgerufen haben?
    Ich weis nicht was Sie lesen, hört sich aber nach WO an. Hat mit der Realität wenig zu tun...

    via ZEIT ONLINE plus App

    Eine Leserempfehlung
  7. 8. [...]

    [...]

    Gegen Mursi und führende Mitglieder der Mubslimbruderschaft wurde Anklage erhoben wegen eines Gefängnisausbruchs zu Beginn der Revolution mit Hilfe von bewaffneten Milizen der Hamas. Dabei wurden mehrere Gefängnisbeamte getötet und Hunderte Schwerkrimineller befreit.

    Gekürzt. Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen mit konkreten Quellen. Danke, die Redaktion/jk

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    Ermittler verhören Mursi zu Gefängnisausbruch http://www.spiegel.de/pol... stk/AFP/Reuters

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, AP, ff
  • Schlagworte Mohammed Mursi | Auswärtiges Amt | Bildung | Muslimbruderschaft | US-Regierung | Gespräch
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