Machtkampf : Ägyptens Regierung geht auf die Muslimbrüder zu

Kehrtwende in Ägypten: Ministerpräsident al-Beblawi will die islamistische Muslimbruderschaft doch nicht verbieten lassen. Die Vereinigung darf sich politisch beteiligen.

Die ägyptische Übergangsregierung will die islamistische Muslimbruderschaft doch nicht auflösen. Auch ein Ausschluss der Organisation aus der Politik werde nicht länger angestrebt, sagte Ministerpräsident Hasim al-Beblawi der staatlichen Nachrichtenagentur Mena. Es sei besser, Parteien und Gruppierungen im Rahmen ihrer politischen Aktivitäten zu beurteilen, als sie aufzulösen und im Verborgenen handeln zu lassen, sagte al-Beblawi.

Eine Einbeziehung der Vereinigung von Expräsident Mohammed Mursi in die Politik käme einem Kurswechsel der Regierung gleich, nachdem al-Beblawi selbst ein Verbot der Muslimbruderschaft ins Spiel gebracht hatte. Die Europäische Union und die USA hatten die Übergangsregierung dafür kritisiert, die Muslimbrüder entgegen ihrer Zusagen politisch zu benachteiligen.

Am heutigen Mittwoch wurden nach Angaben der Behörden indes erneut 60 Islamisten festgenommen, darunter ranghohe Muslimbrüder. Demnach wurden unter anderem der Sohn des inhaftierten stellvertretenden Muslimbruders Chairat al-Schater und der Schwiegersohn des untergetauchten Mohammed al-Beltagi in Gewahrsam genommen.

Armee und Polizei greifen seit der Absetzung Mursis Anfang Juli resolut gegen die Bruderschaft durch. Sie werfen den Mitgliedern vor, zur Gewalt angestachelt und zur Tötung von Gegendemonstranten aufgerufen zu haben. Seither kommt es zu gewaltsamen Zusammenstößen von Anhängern und Gegnern des Machtwechsels. Mehr als 1.000 Menschen wurden in dem Konflikt getötet.

Trotz der Ankündigung al-Beblawis wollen Mursis Unterstützer, die nicht nur die Muslimbruderschaft umfassen, am Freitag erneut demonstrieren. In der vergangenen Woche waren die Kundgebungen des Lagers allerdings kleiner ausgefallen als zuvor.

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Kommentare

12 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Seltsames Verständnis von Demokratie

Die MB sind die stärkste politische Macht in Ägypten. Da man gegen diese über freie Wahlen nicht ankommt, hat man sich zur Lösung über Repression entschieden, alle Kader werden verhaftet, die Medien werden komplett gleichgeschaltet, friedliche Demonstrationen werden verboten und mit aller Härte niedergeschlagen und man spricht von MB als mordende Terroristen, die mit allen Mitteln bekämpft werden müssen.
Sollte in Zukunft geplant sein Wahlen durchzuführen wird man alles unternehmen, um Argumente zu finden, diesen Teil (bisher eine Mehrheit) aus diesen auszuschliessen.
Demokratisch ist das nicht!