Demonstranten am Ramses-Platz in Kairo © Amr Abdallah Dalsh/Reuters

Bei den Protesten in Ägypten sind mindestens 80 Menschen getötet worden, die Zahl der Toten steigt ständig. Etwa 300 Menschen wurden verletzt, hieß es aus Sicherheitskreisen. Die meisten Opfer gab es am Rande der zentralen Kundgebung am Ramses-Platz in der Innenstadt von Kairo.

Der Ramses-Platz ist das Zentrum der Proteste in Kairo. Tausende Demonstranten zogen von den Moscheen nach dem Freitagsgebet dorthin. Die Polizei schoss mit Tränengas und scharfer Munition, Augenzeugen sahen Steine und Brandsätze fliegen. Ein Reporter des Guardian sagte, er werde "Augenzeuge eines Massakers". 

Der Muslimbruderschaft zufolge erschoss die Polizei auf dem Ramses-Platz 45 Demonstranten. Beamte des Innenministeriums erklärten, Dutzende Demonstranten hätten die nahe gelegene Ezbekija-Polizeistation attackiert. Daraufhin sein ein Feuergefecht entbrannt, bei dem mehrere unbeteiligte Zivilisten getötet worden. 

Trotz Ausgangssperre, die um 19 Uhr begann, demonstrieren die Menschen weiter. Die Armee sperrte Straßen und Plätze ab und beobachtete mit Helikoptern das Geschehen. Ein zweites Zentrum der Gewalt war die wenige Kilometer vom zentral gelegenen Ramses-Platz entfernt 15.-Mai-Brücke, wo Beobachter anhaltendes Gewehrfeuer hörten. Menschen sprangen in Panik von der Brücke, wohl, um sich in Sicherheit zu bringen. 

Tote auch in weiteren Städten 

Unter anderem starben in der nordwestägyptischen Stadt Ismailia nach Angaben von Rettungskräften vier Menschen. Zehn weitere Menschen starben, als sich die Polizei in der Provinz Kafr al-Scheich Islamisten entgegenstellte, die das Gouverneursgebäude und eine Polizeistation stürmen wollten.  In der Hafenstadt Damietta wurden Sanitätern zufolge acht Demonstranten getötet. In der im Süden gelegenen Stadt Fajum kamen einem Krankenhausmitarbeiter zufolge fünf Menschen ums Leben. Ein Korrespondent von Al-Arabija sagte, auch Polizisten seien bei Auseinandersetzungen mit gewalttätigen Demonstranten ums Leben gekommen. 

In der Hafenstadt Alexandria kamen bei Zusammenstößen fünf Menschen ums Leben, wie Rettungskräfte berichteten. In der nördlich gelegenen Stadt Tantra füllten Demonstranten ebenfalls die Straßen wo laut Al Jazeera mit Tränengas geschossen wurde.

Anhänger des vom Militär gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi hatten zum "Freitag der Wut" auf den Straßen großer Städte aufgerufen. Die Muslimbrüder demonstrieren gegen den Militärputsch, durch den der von ihnen unterstützte Präsident seines Amtes enthoben wurde. Aber auch die Gegenseite mobilisierte: Das Protestbündnis Pro Demokratie Allianz rief die Menschen zu einem "Eine-Million-Männer-Marsch" auf die Straßen. 

Reporter berichteten, in den Demonstrationszügen seien im Unterschied zu bisherigen Protesten auch Frauen dabei, jedoch keine Kinder. Sprechchöre wie "Tötet Sissi" – den Chef des Militärs – waren laut Augenzeugen zu hören. (TV-Livestream aus Kairo hier

Auch in anderen Städten des Landes waren die Gläubigen aufgerufen, sich zu zentralen Versammlungsorten zu bewegen. Angehörige trugen am Freitag viele der Opfer zu Grabe, die während der Ausschreitungen am Mittwoch und Donnerstag ums Leben gekommen waren. Mancherorts schlossen sich die Trauernden den Protestzügen an. 

Wegen der seit Tagen andauernden Zusammenstöße von Polizei, Militär und Demonstranten ist die Lage sehr angespannt. Deutschland rät von Reisen nach Ägypten ab. TUI und Thomas Cook sagten sämtliche Reisen in das Land ab. Großbritannien forderte seine in dem Badeort Hurghada urlaubenden Staatsbürger auf, in den Hotels zu bleiben. Dort war am Donnerstag ein Angehöriger der Muslimbrüder ums Leben gekommen.

Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei sind laut offiziellen Angaben mindestens 638 Menschen gestorben, Tausende erlitten Verletzungen. Die Polizei hat seit Donnerstag die Erlaubnis, Angriffe auf Regierungsgebäude oder eigene Kräfte mit scharfen Schüssen abzuwehren.

Mindestens 35 Kirchen und christliche Einrichtungen wurden bei Angriffen von Islamisten beschädigt, mancherorts brannten sie sogar. International herrscht Besorgnis. Die USA sagten aus Protest ein geplantes Militärmanöver mit den Ägyptern ab.

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