Bei dem Versuch, festgenommene Mitglieder der Muslimbruderschaft zu befreien, sind mindestens 36 Menschen getötet worden. "Unbekannte Bewaffnete" hätten am Sonntagabend im Norden von Kairo eine Wagenkolonne mit festgenommenen Muslim-Brüdern angegriffen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Mena.

Unter den Angreifern sollen demnach Mitglieder der Muslimbruderschaft gewesen sein. Sie wollten mehr als 600 Kameraden befreien, die in das Gefängnis Abu Saabal transportiert werden sollten.

Das Innenministerium bestätigte die Totenzahl zunächst nicht. Ein Sprecher sagte, dass mehrere Insassen einen Polizisten als Geisel genommen hätten. Sie seien anschließend auf dem Weg zum Gefängnis an Tränengas erstickt.

Gleichzeitig drohte das Militär den Islamisten, weiter hart gegen die Mursi-Unterstützer vorzugehen. Die Armee werde Gewalt, Brandschatzung und Terror nicht tatenlos mit ansehen, sagte Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sissi. Es war seine erste Stellungnahme, seit die Gewalt am Mittwoch eskalierte.

Die ägyptische Regierung verbot am Sonntag Bürgerwehren, die sich gebildet hatten, um die Stadtviertel zu sichern. Diese würden vielfach benutzt, um illegale Handlungen zu begehen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. In vielen Vierteln haben die Bürgerwehren Straßensperren errichtet. Viele der Mitglieder sind bewaffnet.   

Am Samstag sind bei den Zusammenstößen zwischen Islamisten und der ägyptischen Polizei 79 Menschen getötet worden. Das berichtete die Nachrichtenagentur Mena. Damit sind bei den Unruhen in Ägypten in den vergangenen vier Tagen mindestens 888 Menschen ums Leben gekommen. 

Merkel will Waffenexporte an Ägypten prüfen lassen

Angesichts der Ereignisse in Ägypten will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Stopp der Waffenexporte in das Land prüfen. "Wir werden die Situation neu bewerten müssen", sagte sie dem ZDF. Möglich sei, die Waffenexporte in das Land zu beschränken, um der Regierung deutlich zu machen, "dass Gewalt nicht akzeptabel ist".

Im US-Kongress wird darüber gestritten, ob die Militär- und Wirtschaftshilfe in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar gestrichen werden sollte. Die USA sollten die Gelder einbehalten, sagte der republikanische Senator John McCain in einem Interview mit CNN. Der demokratische Senator Jack Reed sagte, der Kongress sollte beschließen, die Zahlung der Gelder zu unterbrechen.

In Brüssel beraten am Montag die Botschafter der 28 EU-Staaten über eine europäische Reaktion auf die Eskalation der Gewalt in Ägypten. "Die Gewalt und das Töten in den vergangenen Tagen können weder gerechtfertigt noch stillschweigend geduldet werden", hieß es in einer Erklärung des EU-Ratsvorsitzenden Herman Van Rompuy und des EU-Kommissionschefs José Manuel Barroso.

Der saudi-arabische Außenminister Prinz Saud al-Faisal warnte die westlichen Staaten davor, zu viel politischen Druck auf die ägyptische Regierung auszuüben. "Wir erreichen nichts durch Drohungen", sagte Al-Faisal. Saudi-Arabien war ein enger Verbündeter des 2011 aus dem Amt verdrängten ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak. Die saudische Regierung fürchtet, dass sich die Ideologie der Muslimbrüder in der Golfregion ausbreiten könnte.