Ausschreitungen in ÄgyptenIslamisten attackieren mindestens 30 Kirchen

Die Gewalt der Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi entlädt sich auch gegen Kirchen. Die Vereinten Nationen nennen die Angriffe besorgniserregend.

Die Gewalt der Islamisten in Ägypten richtet sich nicht allein gegen öffentliche Gebäude und Polizeiwachen. Auch Kirchen wurden Ziel der Angriffe. Aus Sicherheitskreisen hieß es, in Abanub in der Provinz Assiut sei eine koptische Kirche niedergebrannt. Nach Angaben der christlichen Zeitung Watani attackierten die Islamisten insgesamt 35 Kirchen oder andere Einrichtungen der Kopten.

In Alexandria gerieten Muslimbrüder und Anwohner aneinander. Das Nachrichtenportal Al-Ahram berichtete, die Anwohner hätten einen Protestmarsch gestoppt, als sich die Demonstranten auf eine koptische Kirche zubewegten. In der daraus resultierenden Massenschlägerei starben vier Menschen.

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Die Muslimbrüder übernahmen für die Gewalt gegen Kirchen keine Verantwortung. "Wir werden immer gewaltfrei und friedlich sein", sagte Sprecher Gehad al-Haddad. "Wir werden so lange Druck machen, bis wir diesen Militärputsch zu Fall bringen." 

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay bezeichnete die Angriffe auf öffentliche Gebäude und Kirchen "sehr besorgniserregend". Auch die Verantwortlichen dieser Verbrechen müssten vor Gericht gestellt werden, verlangte sie.

Islamisten hatten in der nahe Kairo gelegenen Stadt Gizeh ein Regierungsgebäude gestürmt und angezündet. In Al-Arisch setzten Unbekannte die Stadtverwaltung in Brand. Das Innenministerium wies daraufhin die Polizei an, bei solchen Angriffen nur noch scharf zu schießen.

Anlass der Gewalt war die gewaltsame Räumung zweier Protestlager der islamistischen Muslimbrüder am Mittwoch in Kairo gewesen. Die hatte dort und in anderen Teilen des Landes Unruhen ausgelöst, in denen offiziellen Angaben zufolge mindestens 525 Menschen starben. Die Muslimbrüder sprechen sogar von mehr als 2.000 Toten. International gab es Kritik an dem Vorgehen. Die USA sagten ein Militärmanöver mit den Ägyptern ab.

Sicherheitskräfte überstellten allein am Donnerstag staatlichen Medien zufolge 84 Menschen an das Militär. Ihnen wird vorgeworfen, in Sues gemordet und Kirchen niedergebrannt zu haben.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche Kommentation des Artikelthemas. Nur eine differenzierte und konstruktive Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Artikels kann auch zu einer entsprechenden Diskussion führen. Die Redaktion/mak

    2 Leserempfehlungen
    • R.Heyer
    • 15. August 2013 20:07 Uhr

    Die Christliche Minderheit in Ägypten ist schon seit langem Übergriffen der Moslems ausgesetzt, auch sind die Kopten per Gesetz Menschen zweiter Klasse.
    Sie haben per Gesetz nicht die gleichen Rechte wie die Moslems und sind vielfältigen Repressalien ausgesetzt.
    Die Moslembrüder lügen wenn sie behaupten damit nichts zu tun zu haben.
    Gruß

    29 Leserempfehlungen
  2. "Sicherheitskräfte überstellten allein am Donnerstag staatlichen Medien zufolge 84 Menschen an das Militär. Ihnen wird vorgeworfen, in Sues gemordet und Kirchen niedergebrannt zu haben."

    ... wünschenswerten Revolution sprechen.
    Man kann denjenigen auch verachten.

    Eine Leserempfehlung
  3. merken die Verantwortlichen im Westen, was da vorgeht, und unterstützt nicht wie gewöhnlich in der Vergangenheit wieder die Falschen.

    Westerwelle und seine EU-Kollegen machen einem heute ja diesbezüglich wieder mal Sorgen und bei Obama kann man sich auch nicht sicher sein.

    13 Leserempfehlungen
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    Ja, die Außenpolitik der EU und USA machen einem Sorgen. Das kommt doch immer gut, weil sie so oft die Falschen unterstützten. Das wünschen wir alle, dass sie wenigstens jetzt die Richtigen unterstützen.

    Allein fragt man sich, wer jetzt die „Richtigen“ sind. Und vor allem, warum.

    Das Problem der letzten Tage ist doch, das man nicht erahnen kann, was in den nächsten Tagen passiert.

    Seit dem Sturz Mubaraks wünschen viele Menschen, den Ägyptern Demokratie und Menschenrechte. Man weiß aber nicht, wer die letztlich bringen wird. Die Muslimbrüder wohl nicht. Den Salafisten traut man es noch weniger zu. Wird Tamarod erfolgreich sein? Oder bevorzugen sie eine neue Militärdiktatur?

    Wen würdest du denn empfehlen?

    Die Sorgen sind leider allzu begründet.
    "Westliche" Politiker und Medien unterstützen unisono wieder die Falschen, wie auch in Libyen, Syrien, Tunesien und vor 20/30 Jahren in Afghanistan.
    Ein Erkenntnisfortschritt findet nicht statt.
    Man fragt sich nur: Cui bono?

    So, wie ich das sehe, sind beide Seiten mörderisch und rücksichtslos. Man kann es nur falsch damit machen, sie auf eine der beiden Seiten zu stellen, egal welche.

  4. Ja, die Außenpolitik der EU und USA machen einem Sorgen. Das kommt doch immer gut, weil sie so oft die Falschen unterstützten. Das wünschen wir alle, dass sie wenigstens jetzt die Richtigen unterstützen.

    Allein fragt man sich, wer jetzt die „Richtigen“ sind. Und vor allem, warum.

    Das Problem der letzten Tage ist doch, das man nicht erahnen kann, was in den nächsten Tagen passiert.

    Seit dem Sturz Mubaraks wünschen viele Menschen, den Ägyptern Demokratie und Menschenrechte. Man weiß aber nicht, wer die letztlich bringen wird. Die Muslimbrüder wohl nicht. Den Salafisten traut man es noch weniger zu. Wird Tamarod erfolgreich sein? Oder bevorzugen sie eine neue Militärdiktatur?

    Wen würdest du denn empfehlen?

    Antwort auf "hoffentlich"
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    wenn ein Land im Bürgerkireg steckt (und das dürfte in Ägypten längst der Fall sein), dann sollte der möglichst schnell beendet werden, um die Bürger zu schonen. Ein Grossteil der Bürger ist doch immer nur Opfer und an den Auseinandersetzungen gar nicht beteiligt oder interessiert.

    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass in einem solchen Fall tatsächlich das Militär am ehesten dazu geeignet ist. Es hat erstmal für Ruhe zu sorgen, auch mit Gewalt, so paradox das klingt. Kampfhähne wird man nicht durch Reden trennen.

    Eigentlich war das schon im Juli passiert; dass jetzt wieder Gewalt aufflammt, dafür scheint mir die ambivalente Haltung des 'westlichen' Auslandes mit verantwortlich. Es war ein Putsch - aber was hätte sonst passieren sollen?

  5. Die Sorgen sind leider allzu begründet.
    "Westliche" Politiker und Medien unterstützen unisono wieder die Falschen, wie auch in Libyen, Syrien, Tunesien und vor 20/30 Jahren in Afghanistan.
    Ein Erkenntnisfortschritt findet nicht statt.
    Man fragt sich nur: Cui bono?

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "hoffentlich"
  6. Bei allem Zorn auf den Militärputsch darf man nicht vergessen, dass Gewalt gegen Minderheiten keine Lösung darstellen kann.

    In Ägypten kann man sich auch nicht sicher sein, ob die Militärs nicht vielleicht 30 Kirchen abfackeln ließen um es den Islamisten in die Schuhe zu schieben und auf die Islamisten gehen 5 Kirchen - was natürlich immer noch 5 zu viele sind.

    Man weiß wirklich nicht mehr was da vor sich geht. Ich bin von allen Akteuren zutiefst enttäuscht und sehe für die Zukunft Ägyptens schwarz..

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    dass die Muslimbrüder, die keine Minderheit ist, über Jahre unter Mubarak klein gehalten wurden...

    Da unten kommt so einiges zusammen, was sich entläd und eine Menge Frust.

    Beste Grüße
    FSonntag

  7. als christlich begreift umso schutloser sind die Christen den Angriffen radikaler
    Islamisten ausgeliefert.

    6 Leserempfehlungen
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    • sjdv
    • 15. August 2013 21:22 Uhr

    Also sind wir im Westen Schuld, dass der islamistische Mob Kirchen niederbrennt ? Da fällt mir nichts mehr zu ein.

    sind also Ihrer Meinung nach keine richtigen Westler, und insofern haben Sie genau dieselbe Haltung wie die Muslimbrueder.

    Es brennen Kirchen, Moscheen, es werden über 1000 Muslime an einem Wochenende vom Militär ermordet.

    Es ist traurig, aber derzeit leiden alle unter der Gewalt des Militärs und dem daraus resultierenden Chaos!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, AP, tst
  • Schlagworte Militär | Vereinte Nationen | Gericht | Gewalt | Kirche | Polizei
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