Die Gewalt der Islamisten in Ägypten richtet sich nicht allein gegen öffentliche Gebäude und Polizeiwachen. Auch Kirchen wurden Ziel der Angriffe. Aus Sicherheitskreisen hieß es, in Abanub in der Provinz Assiut sei eine koptische Kirche niedergebrannt. Nach Angaben der christlichen Zeitung Watani attackierten die Islamisten insgesamt 35 Kirchen oder andere Einrichtungen der Kopten.

In Alexandria gerieten Muslimbrüder und Anwohner aneinander. Das Nachrichtenportal Al-Ahram berichtete, die Anwohner hätten einen Protestmarsch gestoppt, als sich die Demonstranten auf eine koptische Kirche zubewegten. In der daraus resultierenden Massenschlägerei starben vier Menschen.

Die Muslimbrüder übernahmen für die Gewalt gegen Kirchen keine Verantwortung. "Wir werden immer gewaltfrei und friedlich sein", sagte Sprecher Gehad al-Haddad. "Wir werden so lange Druck machen, bis wir diesen Militärputsch zu Fall bringen." 

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay bezeichnete die Angriffe auf öffentliche Gebäude und Kirchen "sehr besorgniserregend". Auch die Verantwortlichen dieser Verbrechen müssten vor Gericht gestellt werden, verlangte sie.

Islamisten hatten in der nahe Kairo gelegenen Stadt Gizeh ein Regierungsgebäude gestürmt und angezündet. In Al-Arisch setzten Unbekannte die Stadtverwaltung in Brand. Das Innenministerium wies daraufhin die Polizei an, bei solchen Angriffen nur noch scharf zu schießen.

Anlass der Gewalt war die gewaltsame Räumung zweier Protestlager der islamistischen Muslimbrüder am Mittwoch in Kairo gewesen. Die hatte dort und in anderen Teilen des Landes Unruhen ausgelöst, in denen offiziellen Angaben zufolge mindestens 525 Menschen starben. Die Muslimbrüder sprechen sogar von mehr als 2.000 Toten. International gab es Kritik an dem Vorgehen. Die USA sagten ein Militärmanöver mit den Ägyptern ab.

Sicherheitskräfte überstellten allein am Donnerstag staatlichen Medien zufolge 84 Menschen an das Militär. Ihnen wird vorgeworfen, in Sues gemordet und Kirchen niedergebrannt zu haben.