Der Hauptsitz der Arabischen Liga in Kairo © AFP/Getty Images

Nach Einschätzung der Arabischen Liga ist die syrische Regierung für den mutmaßlichen Giftgasangriff nahe Damaskus verantwortlich. Das teilte der Staatenbund nach einem Treffen der Delegierten in Kairo mit.

Der Rat der Liga verurteilte "dieses abscheuliche Verbrechen". Gleichzeitig forderte er die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates auf, "ihre Differenzen beizulegen, damit eindeutige Maßnahmen ergriffen werden können, die den Menschenrechtsverletzungen und dem Völkermord durch das syrische Regime ein Ende setzen".

Der Irak und Algerien meldeten allerdings "Bedenken" gegen die Erklärung an. Der Libanon enthielt sich bei der Abstimmung über das Dokument.

Das Urteil der Vereinten Nationen zu den Vorwürfen, dass im syrischen Bürgerkrieg Giftgas zum Einsatz kam, wird sich noch verzögern. Wegen Sicherheitsbedenken wurde der zweite Besuch der UN-Inspekteure in den östlichen Vororten von Damaskus verschoben. Am Montag war das Team von Scharfschützen beschossen worden. Nach einem Wagenwechsel kam das Team dann im westlichen Vorort Moadamije an. Die Experten sprachen dort mit Ärzten und Verletzten in einem Behelfskrankenhaus und nahmen Blut-, Haar und Stoffproben.

Unterdessen treiben die USA und Großbritannien ihre Pläne für einen möglichen Militärschlag gegen die syrische Führung weiter voran. Die USA ziehen laut Medienberichten einen zeitlich und räumlich eng begrenzten Einsatz ihrer Armee in Betracht. Das Militär habe alles vorbereitet, um entsprechend reagieren zu können, sollte sich Präsident Barack Obama dafür entscheiden, sagte Verteidigungsminister Chuck Hagel. Der Sender NBC berichtete, die USA könnten bereits ab Donnerstag mit Raketenangriffen beginnen. Sie würden drei Tage dauern. Sie sollten laut NBC eher als "Warnung an das Regime von Machthaber Baschar al-Assad" dienen und nicht seine militärischen Kapazitäten dezimieren.

Syrischer Oppositionschef reist nach Europa

Russland warnte die USA vor einem Militärschlag ohne UN-Mandat. Auch Jordanien reagierte zurückhaltend. "Jordanisches Gebiet wird nicht als Ausgangsbasis für Militäreinsätze gegen Syrien dienen", sagte ein Regierungsvertreter. Auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle verwies auf die zentrale Rolle der UN.

Israel droht der syrischen Regierung, im Falle eines Angriffs "heftig zurückzuschlagen". Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte: "Wir ergreifen im syrischen Bürgerkrieg nicht Partei. Aber wenn wir feindliche Attacken auf uns feststellen, werden wir reagieren und heftig zurückschlagen." Sein Land sei auf alle Szenarien vorbereitet.

Die syrische Exil-Opposition will in den kommenden Tagen Gespräche mit den Regierungen wichtiger EU-Staaten, darunter auch Deutschland, führen. Nach Angaben aus Oppositionskreisen flog eine Delegation unter Leitung des Vorsitzenden der Nationalen Syrischen Allianz, Ahmed al-Dscharba, nach Frankreich. In Berlin soll es unter anderem um Hilfsgelder gehen, die von Staaten der Kontaktgruppe der Freunde Syriens zugesagt worden waren.