AsylpolitikGewaltsamer Aufstand in griechischem Flüchtlingslager

Die Insassen eines Auffanglagers bei Athen protestieren gegen die Verlängerung ihrer Abschiebehaft. Auch Menschenrechtler kritisieren die Zustände in den Lagern.

Die griechische Polizei hat gewaltsame Proteste in einem Abschiebelager für illegal eingereiste Flüchtlinge beendet. Der Aufstand war nach Polizeiangaben am Samstagabend während der Essensausgabe ausgebrochen. Die Insassen hatten Gefängniswärter angegriffen und einige ihrer Betten und Wohncontainer in Brand gesetzt. In dem überfüllten Auffanglager Amigdalesa nordöstlich von Athen leben etwa 1.700 Menschen, ausgelegt ist es für 820 Bewohner. 

Anlass für die Proteste war die Nachricht, die maximale Dauer der Abschiebehaft im Lager von zwölf auf 18 Monate zu erhöhen. Zudem funktionierten die Klimaanlagen in den Containern nicht, weil der Strom wegen Wartungsarbeiten abgestellt worden war.

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Kurz nach Mitternacht rückte die Bereitschaftspolizei an und löste die Revolte auf; dabei kamen auch Blendgranaten und Tränengas zum Einsatz. "Ohne dass es eine Provokation gegeben hätte, wurden Polizisten mit Steinen, geröllbefüllten Wasserflaschen und anderen Gegenständen beworfen", teilte die Polizei mit. Beteiligt hätten sich rund 40 Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan, Bangladesch und Marokko. Die Insassen kehrten etwa eine Stunde später in ihre Räume zurück, wie die Polizei mitteilte. Zehn Polizisten seien verletzt worden, aber keine Insassen des Lagers.

Die Polizei nahm 41 Flüchtlinge wegen der Beteiligung an den Unruhen in Gewahrsam. Weitere 14 Insassen wurden festgenommen, als sie versuchten aus dem Lager auszubrechen. Acht Pakistanern und zwei Afghanen gelang die Flucht, sie werden von der Polizei gesucht.

Menschenrechtler berichten von Übergriffen der Wärter

Insassen hatten sich in der Vergangenheit mehrmals über die Bedingungen in dem Lager beschwert. Anfang des Monats waren einige deswegen in den Hungerstreik getreten. Insgesamt kamen in Griechenland im vergangenen Jahr etwa 5.000 Einwanderer in Abschiebehaft.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Zustände in griechischen Flüchtlingslagern immer wieder. In der vergangenen Woche gab die linke Gruppierung Keerfa an, muslimische Insassen eines Camps seien von Wachleuten während eines Gebets geschlagen worden. Bereits im Juli berichtete die Gruppe von einem Afghanen, der an einer unbehandelten Lungenentzündung gestorben sei.

Die Organisation Human Rights Watch wirft der konservativen Regierung in Athen vor, gegen die Flüchtlinge vorzugehen, um angesichts der Wirtschaftskrise von Problemen abzulenken und sich vor rechtsradikaler Konkurrenz zu schützen. Nach dem Aufstand vom Samstag teilte die Polizei mit, die Beteiligten sollten unter anderem wegen schwerer Körperverletzung und Sachbeschädigung strafrechtlich verfolgt werden.

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Leserkommentare
  1. --
    Das einzige, womit die EU wenigstens ein paar Pluspunkte sammeln könnte, wäre der Kampf gegen unkontrollierte Einwanderung.

    Es werden Millionen kommen, wenn man nicht wie Australien einen Riegel vorschiebt. Die Papua-Neuguinea Lösung ist einfach genial: die, die wirklich Asyl brauchen, kriegen es dort. Allerdings wollte niemand nur Asyl, sondern ein Leben im Westen. Was für Europa den Platz von Papua-Neuguinea einnehmen soll (das dafür übrigens fürstlich entlohnt wurde) muss noch geklärt werden. Mit Lybien hatte man ja schonmal ähnliche Vereinbarungen, die dann aber mit den Bomben und dem Chaos starben.

    Wir sind nicht für die Bevölkerungsexplosion jenseits des BIP-Wachstums verantwortlich und auch nicht für ihre Religionskonflikte im Orient oder Afrika.

    Die Zeit der linken Bereicherungsideologen ist vorbei, ansonsten wird Europa bald genauso aussehen, wie die Länder aus denen die Immigranten kommen.

    Allerdings würde ich mich in einer Volksabstimmung der Mehrheit des Deutschen Volkes geschlagen geben. Aber an die Zeiten von "Wir wollen mehr Demokratie" will man sich lieber nicht mehr erinnern.

    9 Leserempfehlungen
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    um die Meinungen nicht zu stören, ich versuch's trotzdem: von der griechischen Küstenwache wird mittlerweile regelmäßig bekannt, daß sie u.a. syrische und afghanische Kriegsflüchtlinge an der Teilnahme am europäischen Asylverfahren hindert, ihre Boote manövrierunfähig macht und sie in türkische Gewässer zurückschickt, zwei Beispiele: http://www.theguardian.co... https://www.amnesty.de/20...

    Aus meiner Sicht ist das etwas zwischen unterlassener Hilfeleistung, unterlassener Rettung aus Seenot und Mordversuch, in jedem Fall ist es ein Bruch der Genfer Flüchtlingskonvention.

    Solche Praktiken europäischer Grenzer beschränken sich nicht auf Griechenland, sondern sind auch aus dem westlichen Mittelmeer bekannt, ein Beispiel zu Land oberhalb der spanischen Enklave Melilla in Marokko https://www.youtube.com/w... von spanischer und italienischer Küstenwache ist ebenfalls Überrennen von Booten, Abzapfen von Benzin, Beschädigung von Steuerrudern etc. bekannt. Insgesamt kann man die Frontex-Gesetzes-Brüche hier http://www.amnesty.org/en... nachlesen.

    In Italien ist man da besonders: das Verfahren gegen die Cap Anamur wegen Schlepperei und Menschenhandel, als sie 37 Menschen aus einem die Luft verlierenden Schlauchboot gerettet hatten ... ff.

    nebst Beschlagnahmung der Cap Anamur und fünfjährigem Verfahren sendete trotz des Freispruchs erster Klasse eine deutliche Botschaft an die Fischer im Mittelmeer: Laßt Flüchtlinge ersaufen! Andernfalls beschlagnahmen wir Eure Boote und zerstören Eure Existenz!

    Ich möchte nicht wissen, wie viele Ertrunkene auf das Konto dieses Verfahrens gehen, der italienische Flüchtlingsrat schätzt, daß jeder 4. Bootsflüchtling ertrinkt. Das Mittelmeer ist ein Massengrab.

    Auch die von Ihnen erwähnte italienisch-libysche Freundschaft ist nicht die einzige für Flüchtlinge tödliche (sie wurde übrigens im vergangenen Jahr erneuert), hier ein knapper Überblick über die Ausdehnung der europäischen Flüchtlingsabwehr in nicht-europäischen Ländern http://www.heise.de/tp/ar...

    Falls Sie speziell die frühere Italienisch-libysche Freundschaft interessiert, empfehle ich Ihnen das Buch 'Bilal' von Fabrizio Gatti http://www.faz.net/aktuel...

    Und nun? Fühlen Sie sich auch wohl in der Festung Europa, an deren Grenzen mehr Menschen sterben als irgendwo sonst auf der Welt mitten im Frieden?

    Wundert sich wirklich irgendjemand darüber, daß Flüchtlinge in Hungerstreik treten, sich die Münder zunähen, Feuer legen, mit ALLEN ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln protestieren?

    Solches Wundern geht wirklich nur dann, wenn man die Fakten ignoriert, um die Meinungen nicht zu stören.

  2. "Die Insassen hatten Gefängniswärter angegriffen und einige ihrer Betten und Wohncontainer in Brand gesetz"

    Und wieso? Ein Flüchtlingslager ist ein geschlossenes System, da ist nichts mit Fluchtwegen bei einem Feuer, da haben sie sich selbst geschadet.
    Und mit Gewalt erzwingt man kein Asyl, das ist in Griechenland nicht anders als die Aktionen hierzulande oder in Österreich.

    "Zudem funktionierten die Klimaanlagen in den Containern nicht"

    Diese Menschen kommen aus Afghanistan, Irak, Äthopien, Pakistan, Bangladesh und co. ich bezweifle das es dort Klimaanlagen die rund um die Uhr laufen, geschweige denn ein 24-Stunden Reperaturservice gibt, und im Flüchtlingslager ist das ein Makel?

    Sie haben 3 Mahlzeiten pro Tag, Betten, ein Dach über dem Kopf (wenn man's denn nicht in Brand steckt), Sanitäreinrichtungen und ärztliche Versorgung, was davon gibt es in Pakistan, Afghanistan etc.?

    Die haben die Aufständischen den anderen Insassen keinen Gefallen getan, da jetzt sicher in Amigdalesa härtere Maßnahmen greifen.

    Desweiteren haben Flüchtlinge aus Bangladesch und Marokko kein Recht auf Asyl lt. UNHCR-Begründung des Asyl-Begriffs.

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  3. wieso werden die Flüchtlinge alle gleich behandelt?

    In Deutschland muss man juristisch alle gleich behandeln,und sowohl dem Bangladeshi als auch dem US-Bürger ein jahrelanges Asyverfahren ermöglichen.
    Aber in Griechenland,Italien etcpp eben nicht.Hier muss Deutschland intelligent helfen,die "Flüchtlinge" aus Bangladesh ,Marokko etcp schnell abzuschieben,dann wird der Rest auch entlastet.
    Mittelfristig kann Deutschland sich auf die Altfälle konzentrieren,aber an den EU-Aussengrenzen kann man im Schnellverfahren aufgrund anderer Rechtslage bei Leuten aus Bangladesh (wo sich angesichts der syrischen Katastrophe mein Verständnis bei Null bewegt) schnell handeln.

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  4. um die Meinungen nicht zu stören, ich versuch's trotzdem: von der griechischen Küstenwache wird mittlerweile regelmäßig bekannt, daß sie u.a. syrische und afghanische Kriegsflüchtlinge an der Teilnahme am europäischen Asylverfahren hindert, ihre Boote manövrierunfähig macht und sie in türkische Gewässer zurückschickt, zwei Beispiele: http://www.theguardian.co... https://www.amnesty.de/20...

    Aus meiner Sicht ist das etwas zwischen unterlassener Hilfeleistung, unterlassener Rettung aus Seenot und Mordversuch, in jedem Fall ist es ein Bruch der Genfer Flüchtlingskonvention.

    Solche Praktiken europäischer Grenzer beschränken sich nicht auf Griechenland, sondern sind auch aus dem westlichen Mittelmeer bekannt, ein Beispiel zu Land oberhalb der spanischen Enklave Melilla in Marokko https://www.youtube.com/w... von spanischer und italienischer Küstenwache ist ebenfalls Überrennen von Booten, Abzapfen von Benzin, Beschädigung von Steuerrudern etc. bekannt. Insgesamt kann man die Frontex-Gesetzes-Brüche hier http://www.amnesty.org/en... nachlesen.

    In Italien ist man da besonders: das Verfahren gegen die Cap Anamur wegen Schlepperei und Menschenhandel, als sie 37 Menschen aus einem die Luft verlierenden Schlauchboot gerettet hatten ... ff.

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  5. nebst Beschlagnahmung der Cap Anamur und fünfjährigem Verfahren sendete trotz des Freispruchs erster Klasse eine deutliche Botschaft an die Fischer im Mittelmeer: Laßt Flüchtlinge ersaufen! Andernfalls beschlagnahmen wir Eure Boote und zerstören Eure Existenz!

    Ich möchte nicht wissen, wie viele Ertrunkene auf das Konto dieses Verfahrens gehen, der italienische Flüchtlingsrat schätzt, daß jeder 4. Bootsflüchtling ertrinkt. Das Mittelmeer ist ein Massengrab.

    Auch die von Ihnen erwähnte italienisch-libysche Freundschaft ist nicht die einzige für Flüchtlinge tödliche (sie wurde übrigens im vergangenen Jahr erneuert), hier ein knapper Überblick über die Ausdehnung der europäischen Flüchtlingsabwehr in nicht-europäischen Ländern http://www.heise.de/tp/ar...

    Falls Sie speziell die frühere Italienisch-libysche Freundschaft interessiert, empfehle ich Ihnen das Buch 'Bilal' von Fabrizio Gatti http://www.faz.net/aktuel...

    Und nun? Fühlen Sie sich auch wohl in der Festung Europa, an deren Grenzen mehr Menschen sterben als irgendwo sonst auf der Welt mitten im Frieden?

    Wundert sich wirklich irgendjemand darüber, daß Flüchtlinge in Hungerstreik treten, sich die Münder zunähen, Feuer legen, mit ALLEN ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln protestieren?

    Solches Wundern geht wirklich nur dann, wenn man die Fakten ignoriert, um die Meinungen nicht zu stören.

    Eine Leserempfehlung
  6. aber eine grosse Anzahl der Menschen ---eben zum Beispiel die Asiaten--müssen nach internationalem Recht wieder abgeschoben werden,und zwar konsequent.
    Oftmals sind es verzweifelte menschen,die keine Lust haben in Armut wie Milliarden andere menschen zu leben.
    Nur kann Europa hier nichts tun,zumal es Hunderte Millionen Flüchtlinge aus krisengebieten gibt,die ein Recht haben in Europa zu leben.
    Es sind doch zum teil verzweiflungstaten,und die Leute würden vielleicht alles tun um nicht arm zu sein,offenbar wollen sie es nicht.Aber damit hat Europa nichts zu tun.Helfen mus man den Ländern ja,aber Individuuen die sich im Promillebereich bewegen und als Minderheit ohne Rechtsgrundlage ein deutlich beseres Leben möchten als ihre Landsleute muss man eben nicht helfen.Es wäre auch unfair.

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    Laut UNHCR gibt es aktuell rund 45 Millionen Flüchtlinge auf der Welt, 80% von ihnen flieht in Entwicklungsländer(n). Der größte Teil der Flüchtlinge sind Binnenflüchtlinge, der nächstgrößere flieht in Anrainerstaaten, nach Europa kann und will nur ein kleiner Bruchteil.

    Flucht wirkt sich im Libanon so aus, daß derzeit ein Viertel der Bevölkerung aus syrischen Kriegsflüchtlingen besteht, in Jordanien werden in einem Lager pro Tag 5000 Syrer aufgenommen. Während man in Deutschland der Meinung ist, sich bei der Aufnahme von 5000 syrischen Kriegsflüchtlingen pro Jahr die Christen und Akademiker unter ihnen aussuchen zu können.

    Und im Forum einer renommierten deutschen Wochenzeitung wird sich über konsequente Abschiebung von Asiaten (nach welchem 'internationalen Recht müssen' die bitte genau abgeschoben werden?) der Kopf zerbrochen und ein Popanz von 'Hunderte Millionen Flüchtlinge aus krisengebieten' gehäkelt.

    Wie gesagt: 'Es wird darum gebeten, die Fakten zu unterdrücken, um die Meinungen nicht zu stören.' (Marco Travaglio)

  7. Laut UNHCR gibt es aktuell rund 45 Millionen Flüchtlinge auf der Welt, 80% von ihnen flieht in Entwicklungsländer(n). Der größte Teil der Flüchtlinge sind Binnenflüchtlinge, der nächstgrößere flieht in Anrainerstaaten, nach Europa kann und will nur ein kleiner Bruchteil.

    Flucht wirkt sich im Libanon so aus, daß derzeit ein Viertel der Bevölkerung aus syrischen Kriegsflüchtlingen besteht, in Jordanien werden in einem Lager pro Tag 5000 Syrer aufgenommen. Während man in Deutschland der Meinung ist, sich bei der Aufnahme von 5000 syrischen Kriegsflüchtlingen pro Jahr die Christen und Akademiker unter ihnen aussuchen zu können.

    Und im Forum einer renommierten deutschen Wochenzeitung wird sich über konsequente Abschiebung von Asiaten (nach welchem 'internationalen Recht müssen' die bitte genau abgeschoben werden?) der Kopf zerbrochen und ein Popanz von 'Hunderte Millionen Flüchtlinge aus krisengebieten' gehäkelt.

    Wie gesagt: 'Es wird darum gebeten, die Fakten zu unterdrücken, um die Meinungen nicht zu stören.' (Marco Travaglio)

    Eine Leserempfehlung
  8. liegt dabei doch klar auf der Hand: Gibt es nicht genügend ZEIT-Leser, die diese Flüchtlinge in ihren ja so bescheidenen Unterkünften in Deutschland aufnehmen wollen, sie hegen und umpflegen wollen? Die Hilfsbereitschaft dieser guten Menschen dürfte keine Grenzen kennen - oder etwa doch nicht, wenn es ans eigene Portemonnaie geht? Verstehe einfach nicht, dass die Griechen das Problem nicht längst nach D weitergeleitet haben wie die Italiener das bekanntlich praktizieren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, afp, dpa, mm
  • Schlagworte Flüchtlingslager | Brand | Flüchtling | Körperverletzung | Polizei | Protest
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