Schmiergeldprozess : Inhaftierte Ehefrau belastet ihren Mann Bo Xilai

Im Prozess gegen den Expolitkader Bo Xilai hat dessen Frau die Vorwürfe gegen ihn verstärkt. Ihr Mann nannte sie daraufhin "verrückt" und berichtete von enormem Druck.
Aussage per Video: Die inhaftierte Gu Kailai macht ihre Aussage vor Gericht © Jinanzhongyuan/Reuters

Im aufsehenerregenden Prozess gegen den gefallenen chinesischen Politstar Bo Xilai hat dessen Ehefrau Gu Kailai eine Aussage gemacht. Die selbst wegen Mordes verurteilte Anwältin sagte in einem im Gericht abgespielten Video, sie habe ihren Mann über Bestechungszahlungen eines Geschäftsmanns informiert. Bo, der sich bereits am Vortag überraschend vehement zu Wehr gesetzt hatte, bezeichnete seine Frau daraufhin als "verrückt".

Gu sagte in dem Video zunächst, ihr Mann hätte über Zahlungen und Geschenke des Geschäftsmanns Xu Ming "Bescheid wissen müssen". Auf Nachfrage sagte die nervös und blass aussehende Gefangene: "Ich habe es ihm gesagt."

Dem 64-jährigen früheren Politbüromitglied werden Korruption, Veruntreuung und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Dem einst aufsteigenden Stern der Kommunistischen Partei wirft die Anklage vor, insgesamt 21 Millionen Yuan, umgerechnet 2,5 Millionen Euro, Bestechungsgeld angenommen zu haben. Als Kronzeuge trat der Milliardär Xu Ming auf, der im Zuge des Skandals im April 2012 selbst festgenommen worden war. Er berichtete, rund 20 Millionen Yuan zum Kauf einer Villa in Südfrankreich durch Gu Kailai beigetragen und den Sohn Bo Guagua finanziell unterstützt zu haben.

Das Verfahren war ausgelöst worden durch den Mord an dem britischen Geschäftsmann Neil Heywood. Der Freund der Familie Bos war 2011 in einem Hotelzimmer der Metropole Chongqing vergiftet aufgefunden worden. Bo war dort Vorsitzender der regierenden Kommunistischen Partei, seine Frau wurde später wegen des Mordes verurteilt.

Sicherheitsmaßnahmen verstärkt

Beobachter erwarten einen kurzen Schauprozess, mit dem die Staatsführung ein Exempel für ihren verschärften Kampf gegen Korruption statuieren will. Der charismatische und ehrgeizige Bo galt lange als aufstrebender Politiker und Kandidat für die höchsten Führungsposten. Doch durch sein hartes Vorgehen gegen Korruption, das er laut Kritikern auch zur Ausschaltung von Gegnern nutze, und seine Wiederbelebung maoistischer Traditionen, brachte er Teile der Parteiführung gegen sich auf.

In China stößt der Prozess gegen den einstigen Politstar auf großes Interesse, was die Behörden zumindest am ersten Verhandlungstag am gestrigen Donnerstag offenbar unterschätzt hatten. Vor dem Justizgebäude in Jinan in der Provinz Shandong war es zu Pro-Bo-Demonstrationen gekommen, die Polizei hatte mehrere Protestler festgenommen. Inzwischen wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt und zusätzliche Straßenzüge abgesperrt. Auch am zweiten Tag waren nur ausgesuchte inländische und keine ausländischen Reporter im Gerichtssaal zugelassen.

"Sie ist verrückt"

Allerdings wurde das Video mit der Aussage von Bos Frau inzwischen im Internet veröffentlicht – wo es innerhalb einer Stunde mehr als eine Million Mal angeklickt wurde. Auch Bos Entgegnungen blieben der Öffentlichkeit nicht verborgen. So bezeichnete der frühere Politiker seine Frau als geistig instabil, nahm sie zugleich aber auch vor den Anklägern in Schutz. "Sie ist nun verrückt und erzählt oft Lügen", sagte Bo. "Die Ermittler haben riesigen Druck auf sie ausgeübt, um mich bloßzustellen."

Bo hatte bereits den ersten Verhandlungstag in der ostchinesischen Stadt Jinan zur Abrechnung mit seinen Anklägern genutzt. Er wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und bezeichnete belastende Zeugenaussagen vor Gericht als "lächerlich". Den als Zeugen geladenen Geschäftsmann Tang Xiaolin nannte er einen "tollwütigen Hund", der "seine Seele verkauft" habe. In seiner Stellungnahme hieß es, er habe in den vergangenen Jahren nur wenig Kontakt zu seiner zeitweise im Ausland lebenden Frau gehabt.

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