WikiLeaks-EnthüllerUS-Soldat Manning entschuldigt sich bei seinem Land

Der Whistleblower bedauert, den USA geschadet zu haben. In der Anhörung zur Festsetzung des Strafmaßes attestiert ihm ein Psychiater Persönlichkeitsstörungen.

Bradley Manning verlässt am 14. August den Gerichtssaal.

Bradley Manning verlässt am 14. August den Gerichtssaal.   |  © James Lawler Duggan/Reuters

Der WikiLeaks-Enthüller Bradley Manning hat sich vor Gericht erstmals dafür entschuldigt, Hunderttausende Geheimdokumente an die Enthüllungsplattform weitergegeben zu haben. Er bedaure, dass seine Taten Menschen verletzt und den Vereinigten Staaten geschadet hätten, sagte der Soldat vor einem Militärgericht in Fort Meade. "Es tut mir leid", sagte er.

In der Anhörung zur Festsetzung des Strafmaßes attestierten Psychologen dem 25-Jährigen Persönlichkeitsstörungen und extremen Stress zum Tatzeitpunkt.

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Manning drohen bis zu 90 Jahre Haft, weil der Soldat im Jahr 2010 im Irak  rund 700.000 vertrauliche Dokumente aus Armeedatenbanken an WikiLeaks weitergegeben hatte. Auf ihn geht die Veröffentlichung eines Videos zurück, das zeigt, wie eine US-Hubschrauberbesatzung in Bagdad Menschen erschießt. Weitere Dokumente zeigten, dass 150 Häftlinge grundlos in dem US-Gefangenenlager Guantánamo festgehalten wurden.

Das Militärgericht in Maryland hatte Manning vor knapp zwei Wochen unter anderem der Spionage und des Diebstahls für schuldig befunden, ihn allerdings freigesprochen vom Hauptvorwurf der Unterstützung des Feindes. Die Beratungen über das Strafmaß sollen noch bis zum 23. August dauern.  

"Ich will ein besserer Mensch werden"

Manning zeigte sich in der Anhörung bereit, jede Strafe zu akzeptieren. "Ich weiß, dass ich den Preis zahlen muss", sagte er. "Ich will ein besserer Mensch werden, die Uni besuchen, um einen Abschluss zu machen."

Der Psychiater David Moulton sagte in einer Anhörung, Manning habe zum Tatzeitpunkt unter Hyper-Stress gestanden. Manning habe darüber nachgedacht, als Frau zu leben, was großen emotionalen Stress verursacht habe. Eine am Mittwoch öffentlich gemachte Selbstaufnahme zeigt ihn mit geschminktem Gesicht und einer Perücke langer, blonder Haare. Manning sagte, viele Schwierigkeiten gehabt zu haben. Sie seien aber keine Entschuldigung für seine Taten.

Militärpsychologe: Störung der Geschlechtsidentität

Ein weiterer Experte, der Militärpsychologe Michael Worsley, attestierte Manning eine Persönlichkeitsstörung und eine Störung der Geschlechteridentität. Für den homosexuellen Manning sei das Militär damals eine feindliche Umgebung gewesen. Während Mannings Stationierung im Irak war offene Homosexualität in den US-Streitkräften noch tabu.

In der Anhörung äußerten sich auch Mannings ältere Schwester Casey Major und eine Tante. Sie beschrieben die traumatische Kindheit des Angeklagten. Seine Eltern seien Alkoholiker gewesen, die ihn oft allein gelassen hätten. Insbesondere die Mutter sei bösartig gewesen und habe zudem Selbstmordgedanken gehabt. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr hätten die Eltern dem Jungen noch Babynahrung zu essen gegeben.

Assange spricht von erzwungener Entschuldigung

Mannings Anwälte erklärten, ihr Mandant zeige eindeutige Zeichen einer geschädigten psychischen Verfassung. Seine Vorgesetzten hätten ihn unter diesen Umständen nicht in ein Kriegsgebiet schicken und dort mit vertraulichen Informationen betrauen dürfen.

Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange teilte mit, seiner Ansicht nach sei die Aussage des Informanten unter Druck zustande gekommen. Es handele sich um "eine erzwungene Entscheidung, sich bei der US-Regierung zu entschuldigen in der Hoffnung, die Haftstrafe um ein Jahrzehnt oder mehr zu reduzieren", erklärte Assange.

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Leserkommentare
  1. 1. Stress

    Mehr Stress als bei der jahrelangen Folter? Wohl kaum. Wenn er wirklich psychische Probleme gehabt hätte, hätten die gerade bei der Folter ihn komplett zerstört.
    Ich verstehe aber, dass Manning jetzt langsam alle Möglichkeiten nutzen will. Reumütig würde ich mich nun auch langsam zeigen, wenn ich mit lebenslanger Haft zu rechnen hätte. Was ist da besser als psychische Probleme in den Raum zu werfen?
    Er versucht den Staat nun mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, und ich hoffe er hat Erfolg.
    Er ist und bleibt aber nunmal ein Held, auch wenn das die "Elite" nicht wahrhaben will. Jede Verurteilung die mit Gefängnis zu tun hat, sollte in in einer Revolution enden, und den "Eliten" mal zeigen was sie da abziehen.

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  2. ... fleissig weiter "wer trifft den Schawchkopf" spielen dürfen, müssen andere versuchen, die Luft lange genug anzuhalten, damit nicht zuviel Wasser beim spaßigen Foltern in die Lungen kommt.

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  3. "Auf ihn geht die Veröffentlichung eines Videos zurück, das zeigt, wie eine US-Hubschrauberbesatzung in Bagdad Menschen erschießt. Weitere Dokumente zeigten, dass 150 Häftlinge grundlos in dem US-Gefangenenlager Guantánamo festgehalten wurden. "

    Hier wird das Rechtsverständnis wohl auf den Kopf gestellt.

    13 Leserempfehlungen
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    • Moika
    • 15. August 2013 11:09 Uhr

    Das Manning vielen Menschen in der Welt die Augen über die amerikanische Realpolitik geöffnet hat ist unbestritten - und sein Verdienst, der ihm in meinen Augen zur Ehre gereicht.

    Tatsache ist aber auch: Diese für die Regierung höchst brisanten und zum Teil peinlichen Unterlagen gehörten nun mal nicht Manning persönlich - sondern der Administration. Manning hat eindeutig Diebstahl begangen, das dürfen wir nicht vergessen. Und wenn ein großer Teil dieser Dokumente auch noch als Geheim klassifiziert waren, beging er Verrat - auch wenn uns das noch so ärgert.

    Manning hat der Welt einen großen Gefallen getan, soviel ist klar. Nach der Verkündigung des Urteils, wenn eine gewisse Zeit vergangen ist, wird er wohl begnadigt werden. Er hat nicht nur uns sondern vor allem auch Obama eine großen Gefallen getan.

  4. Schauprozesse in Moskau der 30er Jahre. Samt der Entschuldigung. Über die Art und Weise wie Manning behandelt wurde, kann man sich leicht informieren (Schlafentzug usw.) Warum wird das nicht thematisiert?

    15 Leserempfehlungen
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    • an-i
    • 15. August 2013 8:42 Uhr

    die Historiker. Was in den USA (großer Bruder, Demokratie Export, Krieg mit Lüge begründen, Geheime Folter Gefängnisse, Weltpolizist spielen usw....) geschieht, ist Gegenwart!

    • an-i
    • 15. August 2013 8:42 Uhr

    die Historiker. Was in den USA (großer Bruder, Demokratie Export, Krieg mit Lüge begründen, Geheime Folter Gefängnisse, Weltpolizist spielen usw....) geschieht, ist Gegenwart!

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    Antwort auf "Erinnert an die"
  5. ...dass ein Whistleblower nun offiziell geistesgestört ist und bereut seinem Land Schaden zugefügt zu haben - dann wäre das Urteil über das was mit dem Mann in der Haft passiert ist auch in der Presse schnell gefällt.

    Die unangenehme Erkenntnis dass sich unser großer Vebündeter in manchen Punkten gar nicht so sehr von seinen politischen Gegenspielern unterscheidet, reift erst langsam heran.

    12 Leserempfehlungen
  6. Die Dinge nehmen meist tragische Züge an, wenn junge, unerfahrene Menschen wie Mr. Manning, die nicht wirklich viel von der Welt wissen und deren Urteilsvermögen daher beschränkt sein muss, plötzlich meinen, sie seien dazu berufen, die Welt zu retten. Man nennt sowas auch Hybris.

    Auf der anderen Seite steht das Problem der Mitverantwortung. Wie kann es sein, dass ein junger amerikanischer Soldat im Rang eines Obergefreiten überhaupt massenhaften Zugriff auf derlei sensible Unterlagen hat? Hierin liegt ein schweres Organisationsverschulden der amerikanischen Streitkräfte, das im Strafprozess gegen Manning hinreichend berücksichtigt werden sollte.

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    2 Leserempfehlungen
  7. Manning ist ein Held, der Kriegsverbrechen an die Öffentlichkeit brachte.

    Die USA haben denke ichkein großes Interesse dran, ihn lebenslänglich einzusperren. Eine Verleugnung von ihm und die Bestätigung, dass er damit der USA geschadet hätte (gibts da überhaupt ein konkretes Beispiel?), ist da viel hilfreicher.

    Und warum sollte Manning bei seinen Überzeugungen bleiben, wenn lange Haft ansteht? Warum sollten sich Helden aufopfern? Ich würde auch wie Manning handeln. Bzw wie Snowden mich gleich in Sicherheit bringen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, AP, mpi
  • Schlagworte Babynahrung | Diebstahl | Homosexualität | Spionage | Stress | US-Regierung
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