Der WikiLeaks-Enthüller Bradley Manning hat sich vor Gericht erstmals dafür entschuldigt, Hunderttausende Geheimdokumente an die Enthüllungsplattform weitergegeben zu haben. Er bedaure, dass seine Taten Menschen verletzt und den Vereinigten Staaten geschadet hätten, sagte der Soldat vor einem Militärgericht in Fort Meade. "Es tut mir leid", sagte er.

In der Anhörung zur Festsetzung des Strafmaßes attestierten Psychologen dem 25-Jährigen Persönlichkeitsstörungen und extremen Stress zum Tatzeitpunkt.

Manning drohen bis zu 90 Jahre Haft, weil der Soldat im Jahr 2010 im Irak  rund 700.000 vertrauliche Dokumente aus Armeedatenbanken an WikiLeaks weitergegeben hatte. Auf ihn geht die Veröffentlichung eines Videos zurück, das zeigt, wie eine US-Hubschrauberbesatzung in Bagdad Menschen erschießt. Weitere Dokumente zeigten, dass 150 Häftlinge grundlos in dem US-Gefangenenlager Guantánamo festgehalten wurden.

Das Militärgericht in Maryland hatte Manning vor knapp zwei Wochen unter anderem der Spionage und des Diebstahls für schuldig befunden, ihn allerdings freigesprochen vom Hauptvorwurf der Unterstützung des Feindes. Die Beratungen über das Strafmaß sollen noch bis zum 23. August dauern.  

"Ich will ein besserer Mensch werden"

Manning zeigte sich in der Anhörung bereit, jede Strafe zu akzeptieren. "Ich weiß, dass ich den Preis zahlen muss", sagte er. "Ich will ein besserer Mensch werden, die Uni besuchen, um einen Abschluss zu machen."

Der Psychiater David Moulton sagte in einer Anhörung, Manning habe zum Tatzeitpunkt unter Hyper-Stress gestanden. Manning habe darüber nachgedacht, als Frau zu leben, was großen emotionalen Stress verursacht habe. Eine am Mittwoch öffentlich gemachte Selbstaufnahme zeigt ihn mit geschminktem Gesicht und einer Perücke langer, blonder Haare. Manning sagte, viele Schwierigkeiten gehabt zu haben. Sie seien aber keine Entschuldigung für seine Taten.

Militärpsychologe: Störung der Geschlechtsidentität

Ein weiterer Experte, der Militärpsychologe Michael Worsley, attestierte Manning eine Persönlichkeitsstörung und eine Störung der Geschlechteridentität. Für den homosexuellen Manning sei das Militär damals eine feindliche Umgebung gewesen. Während Mannings Stationierung im Irak war offene Homosexualität in den US-Streitkräften noch tabu.

In der Anhörung äußerten sich auch Mannings ältere Schwester Casey Major und eine Tante. Sie beschrieben die traumatische Kindheit des Angeklagten. Seine Eltern seien Alkoholiker gewesen, die ihn oft allein gelassen hätten. Insbesondere die Mutter sei bösartig gewesen und habe zudem Selbstmordgedanken gehabt. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr hätten die Eltern dem Jungen noch Babynahrung zu essen gegeben.

Assange spricht von erzwungener Entschuldigung

Mannings Anwälte erklärten, ihr Mandant zeige eindeutige Zeichen einer geschädigten psychischen Verfassung. Seine Vorgesetzten hätten ihn unter diesen Umständen nicht in ein Kriegsgebiet schicken und dort mit vertraulichen Informationen betrauen dürfen.

Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange teilte mit, seiner Ansicht nach sei die Aussage des Informanten unter Druck zustande gekommen. Es handele sich um "eine erzwungene Entscheidung, sich bei der US-Regierung zu entschuldigen in der Hoffnung, die Haftstrafe um ein Jahrzehnt oder mehr zu reduzieren", erklärte Assange.