Türkei Erdoğan beschuldigt Israel des Putsches in Ägypten

Der türkische Ministerpräsident macht die Regierung in Jerusalem für den Sturz von Mohammed Mursi mitverantwortlich. Die Entmachtung sei lange im Voraus geplant gewesen.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hat Israel beschuldigt, den Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi mitverursacht zu haben. "Israel steckt hinter dem Putsch in Ägypten. Wir haben dafür Beweise", zitierten türkische Medien den Regierungschef. Erdoğan sprach bei einem Treffen seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP.

Als Beleg habe Erdoğan angeführt, es sei bereits 2011 bei einem Treffen eines israelischen Regierungsmitglieds mit einem französischen Intellektuellen besprochen worden, dass die ägyptischen Muslimbrüder auch bei einem Wahlsieg nicht an die Macht kommen dürften. Namen nannte Erdoğan nicht.

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Nach Angaben der türkischen Zeitung Hürriyet handelt es sich bei dem Beleg um ein Video, das die heutige Justizministerin Zipi Livni bei einer Podiumsdiskussion an der Seite des Philosophen Bernard-Henri Lévy zeigt. Während Lévy über Demokratie und Wahlen spricht, nickt Livni gelegentlich mit dem Kopf.

Der Philosoph Lévy hatte sich einst für eine französische Intervention gegen Staatschef Muammar al-Gaddafi in Libyen engagiert und gesagt, er habe den damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy zu den ersten Angriffen der französischen Luftwaffe bewegen können. 

"Wenn uns die gleiche Falle gestellt wird"

Erdoğan forderte, angesichts der Entmachtung Mursis nicht zu schweigen, "sonst haben wir kein Recht, etwas zu sagen, wenn uns in der Zukunft die gleiche Falle gestellt wird".

Die USA verurteilten die Äußerungen Erdoğans. "Die Andeutung, dass Israel in irgendeiner Weise für die jüngsten Ereignisse in Ägypten verantwortlich ist, ist anstößig, unbegründet und falsch", sagte der Sprecher des US-Präsidialamtes, Josh Earnest. In Israel erklärte Außenamtssprecher Jigal Palmor, Erdoğans jüngste Äußerungen seien keiner Reaktion wert.

Der türkische Regierungschef hat Israel in den vergangenen Jahren immer wieder kritisiert, vor allem wegen der israelischen Militäreinsätze gegen die Palästinenser. Die einst guten Beziehungen der Türkei zu Israel sind vor allem seit dem israelischen Einsatz gegen einen türkischen Hilfskonvoi für den Gazastreifen äußerst angespannt.

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Leserkommentare
  1. ... ist sicherlich nicht falsch. Paranoia ist behandelbar.

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    die Täter - Paranoia. Die mordet immer weiter.

  2. ... dass ihn keiner ernst nimmt und nicht zuhört, was er sagt. Genau wie andere selbstverliebten Despoten handelt er nicht taktisch oder gar strategisch klug, sondern sagt, was er denkt. Genug schauderhafte Beispiele hat er ja gegeben.

    Das könnte den Umgang mit ihm einfach machen ... wenn, ja wenn man ihn überhaupt ernst nähme. So scheint man zu denken, dass ein heißblütiger Orientale wie er gerne mal über die Stränge schlägt und dass mit ihm schnell die Pferde durchgehen. Und so ein bisschen antijüdische Paranoia - wer kennt das nicht aus dem Orient? Die meinen das doch gar nicht so, diese temperamentvollen Südländer.

    DAS ist Rassismus. Zu glauben, dass Menschen aus dem Orient nicht meinen, was sie sagen und dass sie keinen Plan haben.

    Ich höre genauso zu, was Erdogan sagt. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unangebrachte Vergleiche. Die Redaktion/mak

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    Tja, wenn er wirklich das denkt, was er sagt, dann hat die Türkei ein Problem. Ein ziemlich Großes.

  3. "Während Lévy über Demokratie und Wahlen spricht, nickt Livni gelegentlich mit dem Kopf."

    Ja, das wars.

    :-)

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    • Moika
    • 20. August 2013 22:36 Uhr

    Sie können eben nicht zwischen den Zeilen lesen.

    Erdogan kann's, selbst wenn da nix steht. Bedenklich ist für mich vor allem, daß es wohl keinen Berater gibt der ihm sagt, er solle besser mal für eine Weile die Klappe halten.

    Aber es ist in der Türkei wohl so wie bei uns: Jeder hat die Regierung, die er verdient - oder gewählt hat - oder wie auch immer...

    • welll
    • 20. August 2013 20:07 Uhr

    Das ägyptische Militär lässt sich also von Israel sagen wann es zu putschen hat.

    Verschworungstheorie die 1276534ste.

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    Kein Problem, kommt sofort:

    "Al-Jazeera Commentator, Former MB Official, Gamal Nassar: Al-Sisi Is Jewish, Implementing Protocols of Elders of Zion in Egypt"

    http://www.memri.org/clip...

    Es wird im Augenblick aber auch recht wahllos ausgeteilt:

    "What happened in Bosnia could be seen as a micro-genocide.
    This was the first step for Germany's Fourth Reich. "

    http://todayszaman.com/co...

    So abwegig ist das nicht. Israel ist derzeit tasächlich der einzige der profitiert von dem ganzen Murks. Muslimbrüder = Hamas = Unterstützer der Palästinenser = Grenzübergangöffner = FEIND.

    Dann die Sache mit dem Friedensvertrag und dem Sinai. Dass Israel Einsätze fliegt im ägyptischen Luftraum.

    Nein, das Militär ist schon auf Israels Seite. Ganz klar.

    Israel ist hier ganz sicher nicht untätig. Viel zu wichtig die Entwicklungen in Ägypten für das eigene Wohlergehen.

  4. Tja, wenn er wirklich das denkt, was er sagt, dann hat die Türkei ein Problem. Ein ziemlich Großes.

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    • Matz27
    • 20. August 2013 20:14 Uhr

    sind die menschen dauernd auf den Strassen in der Türkei?
    Aber wenn wir bei beweisen sind ! Soll Erdogan doch lieber beweisen das er keine konten in der Schweiz besitzt .....

    Ich möchte nicht wissen, wie viele das Gleiche denken.

  5. Er wird nicht aufhören Krieg zu schüren, bis er ihn hat.
    Gegen den Erzfeind. Gegen Israel. Wohlgemerkt: Nicht der Erzfeind der Türken. Sein eigener auserkorener Erzfeind Israel.
    Er hat Israel versprochen, er kommt wieder mit Kriegsschiffen.

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    • Matz27
    • 20. August 2013 20:20 Uhr

    sondern der Erzfeind der Rechtglaeubigen ! [...]
    Hier hat Erdogan allerdings das Problem das Saudi Arabien ausdrücklich die Militaers in Aegypten unterstützt .. (interessante Konstellation da der Putsch ja aus Israel angezettelt wurde ...
    Über den Erd[ogan] kann mann nur noch lachen - könnte man wenn er nicht so viele Unschuldige Journalisten und Offiziere hinter Gittern halten würde!

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/sam

  6. "The Islamic world is like the brothers of the Prophet Yusuf, who threw him down the well. As in the case of the brothers of the Prophet Yusuf, Allah will shame those in the Islamic world betraying their brothers and sisters in Egypt.”

    http://todayszaman.com/ne...

    Kairo knöpft sich derweil vom Journalisten bis zum Archäologen alles aus der Türkei vor:

    http://todayszaman.com/ne...

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    Gab es den im Islam?
    Was mich angeht, dachte ich auch darüber nach, das es so etwas wie eine Konterrevolution geben könnte. Das dies nun so in etwa eintraf ist ein komischer Zufall.
    Ich glaube nicht das der Umbruch von Israel ausgeht, das wäre schon etwas komisch, solche Behauptungen finde ich nicht so gut.
    Ich kann es irgendwo verstehen, wenn Erdogan da seit den Gezi Protesten etwas Misstrauen hat, da er ja auch dem politischen Islam angehört und bei ihm auch ein Putsch vorbereitet wurde, aber ich denke das die Türken das schon per Wahlen abstimmen werden und diese Geduld aufbringen wenn sie eine andere Politik wünschen. In Ägypten stand man vor einer ganz anderen Ausgangslage und da Mursi die Wahlen nicht vor verschoben hat, hat sich die Armee zu diesen Schritt entschlossen, damit der Volkswillen erfüllt wird und Wahlen vorgezogen werden. Die Muslimbrüder haben sich mit ihrer fehlenden Kompromissbereitschaft selbst ins Abseits gebracht.
    Jetzt wäre es vor allem wichtig, das die Muslimbrüder den Übergang aktzeptieren und zu den Neuwahlen mit antreten dürfen. Solange es aber Unruhen gibt und die Proteste ausarten in Gewalt und es Übergriffe auf Minderheiten und Christen gibt, kann man die Muslimbrüder auch nicht decken, da sie für das tun ihrer Anhänger auch Verantwortung tragen und das eine friedliche Lösung gefunden wird, nicht nur die Armee.

  7. Dass seine guten arabischen Freunde das ägyptische Militär unterstützen, wird dann einfach mal unter den Teppich gekehrt.

    Erdogans Rhetorik erlaubt nur:
    "Die Israelis waren's. Denn Muslime sind friedlich und halten zusammen."

    Sonst müsste er seinen Anhängern noch eine differenzierte Sichtweise beibringen.

    Seine Innenpolitik besteht auch nur aus "Divide et impera"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, hs
  • Schlagworte Israel | Mohammed Mursi | Ägypten | Muammar al-Gaddafi | Putsch | Türkei
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