SyrienFrankreich macht Assad-Regime für Giftgasangriff verantwortlich

Das Assad-Regime habe ein "chemisches Massaker" verübt, sagt Frankreichs Außenminister. Auch die USA erwägen einen Militärschlag und bringen ihr Militär in Stellung.

Ein Assad-Gegner sucht nach Beweisen für einen Giftgasangriff.

Ein Assad-Gegner sucht nach Beweisen für einen Giftgasangriff.  |  © Bassam Khabieh/Reuters

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius hat Syriens Regierung beschuldigt, für den mutmaßlichen Giftgasangriff in der Nähe von Damaskus verantwortlich zu sein. Er sprach von einem "chemischen Massaker", berichtete die BBC. Alle Hinweise deuteten darauf hin, dass das Regime von Baschar al-Assad dafür verantwortlich sei.

Zuvor hatte Fabius eine "Reaktion der Stärke" angekündigt, sollte Syriens Regierung hinter dem Angriff stecken. Am Freitag hatte auch sein britischer Amtskollege William Hague das Assad-Regime dafür verantwortlich gemacht.

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Die syrische Armee hatte am Mittwoch Stellungen der Rebellen in Vororten von Damaskus angegriffen. Dabei sei nach Rebellenangaben Giftgas eingesetzt worden, es habe zwischen 500 und 1.300 Tote gegeben. Syriens Regierung bestritt umgehend den Einsatz von Chemiewaffen.

Staatsfernsehen berichtet von Chemiewaffen der Rebellen

Das syrische Staatsfernsehen berichtete nun, dass Soldaten in einem Tunnel der Rebellen in einem Vorort von Damaskus chemische Substanzen gefunden hätten. Die Militärs hätten dabei Erstickungsanfälle erlitten.

Die deutsche UN-Diplomatin Angela Kane ist unterdessen in Syrien eingetroffen. Ziel ihres Besuches sei es, den UN-Chemiewaffenexperten Zugang zu dem Gebiet zu verschaffen, in dem die mutmaßlichen Giftgasangriffe stattgefunden haben sollen. Bislang wurde den Experten, die sich bereits seit dem vergangenen Sonntag in Syrien aufhalten, mit Hinweis auf die andauernden Kämpfe nicht erlaubt, die betroffenen Bezirke zu besuchen.  

Das Team hatte nach langwierigen Verhandlungen der Vereinten Nationen mit der syrischen Regierung lediglich die Erlaubnis erhalten, drei Orte zu untersuchen, in denen bereits zuvor Giftgas eingesetzt worden sein soll: Chan al-Asal in der Provinz Aleppo, Al-Ateibe in der Provinz Damaskus-Land und die Stadt Homs.  

USA bringen Militär in Stellung

Als Reaktion auf den Giftgas-Einsatz erwägen die USA einen Militärschlag gegen Syrien. Derzeit berät sich Präsident Barack Obama dazu mit seinen Sicherheitsberatern. Ein Hindernis ist, dass ein solcher Einsatz voraussichtlich ohne UN-Mandat stattfände, da Russland wohl ein Veto dagegen einlegen würde.  

Nun prüften Obamas Berater, ob der Kosovo-Einsatz zum Vorbild genommen werden könnte, berichtete die New York Times. Im Jahr 1999 hatte die Nato Serbien ohne UN-Mandat bombardiert. Die Begründung war damals, dass die Bevölkerung im Kosovo vor serbischen Angriffen beschützt werden müsse.

Obwohl eine Entscheidung von Obama noch aussteht, bringt sich das US-Militär bereits in Stellung für einen Einsatz in Syrien. Ein hoher Beamter des US-Verteidigungsministeriums sagte dem Sender CNN, die Liste für Ziele von möglichen Luftangriffen sei auf den neusten Stand gebracht worden. Auch sei der Einsatz von Marschflugkörpern geplant. Zudem solle die US-Flotte im Mittelmeer verstärkt werden.

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Leserkommentare
  1. würde nur zu gern gegen Syrien losschlagen. Fakten spielen dabei offensichtlich keine Rolle. Gilt es doch das nationale Selbstbewusstsein zu stärken, wozu die Bombardierung aus sicherer Entfernung wie schon in Libyen ein probates Mittel darstellt. So kann man gleichzeitig das wirtschaftliche Versagen der Regierung überspielen und die sunnitischen Migranten im Lande hofieren.

    Es ist einfach nur widerwärtig.

    Anmerkung: Spekulative, diffamierende und unbelegte Behauptungen sind in dieser Diskussion nicht erwünscht. Weitere Kommentare dieser Art werden von der Moderation entfernt. Danke, die Redaktion/jp

    25 Leserempfehlungen
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    " einfach nur widerwärtig " ist Ihr Frankreich-Baesching.
    Es gibt noch Menschen auf dieser Welt, denen es was ausmacht, wenn kleine Kinder mit Giftgas brutal ermordet werden. Ihnen ist es offensichtlich egal. Einfach nur widerwärtig.

    • Rend
    • 24. August 2013 14:32 Uhr

    Wissen die alle mehr als der Rest der Welt? Waren die live dabei?
    Nicht falsch verstehen, ich halte Assad sehr wohl für einen skrupellosen Verbrecher. Aber sich hinzustellen und zu behaupten "Das ist so und so, es hat zwar noch keiner kontrolliert, aber es ist so und so, weil... weil wir das halt sagen!" Das ist schon mehr als skurril

    9 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte belegen Sie ihre Thesen mit entsprechenden Quellen. Danke, die Redaktion/jp

    was haben Sie dann gegen eine Intervention?

    Keiner weiß es etwas.
    Aber eins weiße ich ganz genau: Die Opfer spielen hier ABSOLUT keine Rolle. Es geht nicht darum, de wahren Verantwortlichen dieses Massakers zu finden. Es geht den Drahtziehern dieses Stellvertreterkrieges lediglich nur darum, dieses Massakers für die ganz eigenen Zwecke zu missbrauchen!

    Keiner hat hier irgendwelche Beweise, jeder hat -je nach Ideologie- einen eindeutigen Täter!

  2. wie die des Nahost-Experten Günter Meyer verhallen im Kriegsgeschrei von Politik und Medien ungehört. Einzig die Schweiz bildet eine rühmliche Ausnahme:

    http://www.tagesanzeiger....

    Zitat: Nach Ihrer Ansicht stecken also Aufständische hinter den mutmasslichen Giftgasangriffen in der Region Ghuta.
    Ja. Denn nur die Aufständischen könnten davon profitieren. Umso mehr, als das Giftgas dieses Mal, im Vergleich zu den ersten Fällen, anscheinend als Massenvernichtungswaffe eingesetzt worden ist, wenn die oppositionellen Behauptungen von Hunderten von Toten tatsächlich zutreffen sollten. Die Aufständischen versuchen, die USA zu einem militärischen Eingreifen zu bewegen. Dabei nutzen sie den Umstand aus, dass sich Inspektoren der UNO in Syrien aufhalten. Das alles passt ins Schema, das wir bereits von den ersten Giftgasangriffen im vergangenen März her kennen.

    24 Leserempfehlungen
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    und China und Russland weiterhin blockieren - was dann? Einfach nur tatenlos zuschauen wie wehrlose und unschuldige Menschen, darunter viele Kinder, durch Granaten oder im jüngsten Fall, Giftgas, ihr Leben lassen? Hat der Westen nicht die Pflicht diesem Morden - von beiden Seiten - Einhalt zu gebieten? Machen wir uns nicht mitschuldig im Angesicht der sinnlosen Massaker? Nur weil geistig verwirrte, religiös besessene und verantwortungslose Machtmenschen sich nicht einigen können bzw. wollen? Der Westen sollte mit Hilfe von China und Russland beide Parteien an den Tisch zwingen um eine Lösung herbeizuführen und wenn dies nicht gelingt - zum Wohle des syrischen Volkes - eine konzertierte Aktion, notfalls mit Waffen, gegen die Aggressoren einleiten.

  3. 4. […]

    Entfernt. Bitte belegen Sie ihre Thesen mit entsprechenden Quellen. Danke, die Redaktion/jp

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wissen die alle mehr?"
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    • Rend
    • 24. August 2013 14:50 Uhr

    Wie gut, dass alle die Wahrheit kennen. Und jeder seine eigene.

    Denn jetzt kommen sie, und wissen es sogar noch genauer. Woher auch immer...
    Das ist doch dann nicht weniger skurril und ebenso aus der Luft gegriffen wie die Behauptungen mancher Politiker.
    Ich glaube, irgendwie gibt es nur entweder das eine Extrem oder das Andere...

  4. Bis jetzt gibt es keine klaren Beweise für ein Angriff mit Chemiewaffen, wieso also macht man schon jemand für etwas verantwortlich wofür es kaum Beweise gibt, was hat der französische Außenminister für eine Rechtsauffassung?

    Ebenso könnte ich Frankreich und die restliche NATO verantwortlich machen für die Verfolgung von Minderheiten und die Massaker an Christen und Juden, durch ihre honorierung und unterstützung der Rebellen, die in ihren Reihen Steinzeit-Fundamentalisten haben, und das wieß man auch.
    Unterstützung für die Hintermänner von 9/11 und die Londoner U-Bahn Bombe, bitte, aber denn sollen sie nicht wieder den weltweiten Terrorismus verwurteilen wenn wieder NATO-Soldaten mit NATO Waffen getötet werden.

    16 Leserempfehlungen
  5. Mich würde auch interessieren, ob Frankreich und USA ein Militärschlag auch in Frage käme gegen Rebellen, wenn sich herausstellt dass die Rebellen den Angriff verübt haben. Es ist schon lange kein Kampf mehr von Gut gegen Böse.

    via ZEIT ONLINE plus App

    10 Leserempfehlungen
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    Er hat ganze Städte vernichtet und führt Krieg gegen das eigene Volk.
    Er hätte es schon längst verdient, aus seinem Sessel gejagt zu werden.

    Wenn nun der Giftgasangriff als Vorwand genommen nun gut . Schon gar nicht will ich im Angesicht des Kriegsterrors mich im bürokratischen Kleinklein verlieren.

    • Rend
    • 24. August 2013 14:50 Uhr

    Wie gut, dass alle die Wahrheit kennen. Und jeder seine eigene.

    Denn jetzt kommen sie, und wissen es sogar noch genauer. Woher auch immer...
    Das ist doch dann nicht weniger skurril und ebenso aus der Luft gegriffen wie die Behauptungen mancher Politiker.
    Ich glaube, irgendwie gibt es nur entweder das eine Extrem oder das Andere...

    Antwort auf "[…]"
  6. ...dass der französische Geheimdienst bereits Erkenntnisse hat, oder bessere Quellen, als selbsternannte Nahost-Experten, die in Deutschland im Sessel sitzen, entscheidend ist, dass es voran geht, und endlich Druck ausgeübt wird, auf Assad.

    6 Leserempfehlungen
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    die "Erkenntnisse" irgendwelcher Nachrichtendienste sind den Probenbehälter nicht wert in dem diese übergeben werden.

    Entweder die OPCW kann durch direkte Probenahme am Ereignisort Erkenntnisse gewinnen oder alles bleibt Spekulation.

    @ Redaktion

    Eine Probenahme auf Phosphororganik erfolgt überlicherweise im Vollschutz mit sichergestelltem Arbeitsschutz in geeignete Probenbehälter.

    Irgendein Kasper in Räuberzivil mit Filtermaske führt bestenfalls ein Theaterstück auf.

    Peter

    "entscheidend ist, dass es voran geht, und endlich Druck ausgeübt wird, auf Assad."

    Besser kann man es kaum formulieren. Danke für die klare Stellungnahme.

    Vermutlich ähnliche "Fakten" wie beim letzten angeblichen Gaseinsatz Assads - die waren auch angeblich sehr eindeutig und überzeugend, aber irgendwie dann doch nicht überzeugend genug, sie der Öffentlichkeit zu präsentieren...

    Honi soit...

    Aber, wie Sie ja schon festgestellt haben: die Fakten sind gar nicht soo wichtig, hauptsache "Druck ausüben auf Assad" - der ist ja schließlich der Bösewicht, und der Westen , das sind natürlich die Guten.
    Und selbstverständlich haben die keine eigenen Machtinteressen, denen geht es nur um Freiheit und Demokratie für die Syrer!

    ---

    "Das Brett vor der Stirn, schafft ein zufried'nes Gehirn!"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Barack Obama | BBC | CNN | Laurent Fabius | Militär | Vereinte Nationen
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