Der Streit über Fischgründe zwischen Spanien und dem zu Großbritannien gehörenden Gibraltar verschärft sich. Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo warf Spanien eine aggressive Politik vor. "Was wir dieses Wochenende gesehen haben, ist ein Säbelrasseln, wie wir es lange Zeit nicht erlebt haben", sagte Picardo im BBC Radio 4 zu Vorschlägen des spanischen Außenministers José Manuel García-Margallo.

Am Sonntag hatte García-Margallo in einem Interview der Zeitung ABCangeregt, eine Gebühr von 50 Euro zu erheben auf jedes Fahrzeug, das von Gibraltar nach Spanien fährt. Solch eine Gebühr würde vor allem Touristen und in Spanien arbeitende Einwohner Gibraltars treffen.

Der aktuelle Streit fand vor zehn Tagen seinen Anfang. Schiffe hatten vor Gibraltar Betonblöcke ins Wasser gelassen, um ein künstliches Riff zu errichten. Spanien reagierte verärgert, weil damit die eigenen Fischerboote ferngehalten würden. In einer ersten Reaktion wurden die Kontrollen an der Grenze nach Gibraltar verschärft, was dort zu langen Warteschlangen führte. Großbritanniens Außenministerium bestellte daraufhin den spanischen Botschafter ein, Gibraltar beschwerte sich bei der EU-Kommission.

García-Margallo rechtfertigte seinen Vorschlag zur Gebühr damit, dass mit dem Geld spanischen Fischern geholfen werden könnte, die wegen der Beschädigung der Fischfanggebiete weniger Ertrag hätten. Weiter schlug er vor, Steuerprüfungen bei den Einwohnern Gibraltars durchzuführen, wenn sie Grund und Boden in Spanien besitzen. Auch eine Schließung des Luftraums für Maschinen, die den Flughafen in Gibraltar ansteuern, sei eine Möglichkeit. Picardo bezeichnete eine solche Politik als wahnsinnig. Ihn würden die Vorschläge mehr an Aussagen von Nordkorea erinnern als an die eines EU-Partners.

Das britische Außenministerium zeigte sich am Sonntag über die Äußerungen von García-Margallo besorgt, berichtete die britische Zeitung Guardian. Großbritannien werde seine Hoheit über Gibraltar nicht aufs Spiel setzen, hieß es. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, Großbritannien erwarte von Spanien, sich gemäß der Übereinkunft von Córdoba von 2006 zu verhalten, die etwa den Grenzübergang, Flugzugänge und den regelmäßigen Dialog zwischen Großbritannien, Spanien und Gibraltar regelt. Seit 300 Jahren steht das Gebiet am Südzipfel der Iberischen Halbinsel unter britischer Souveränität, Spanien erhebt jedoch Anspruch auf die Landzunge.