FriedensgesprächeIsrael lässt palästinensische Häftlinge frei

Kurz vor Beginn der Nahost-Friedensverhandlungen hat Israel 26 palästinensische Langzeithäftlinge freigelassen – und einen Luftangriff auf den Gazastreifen geflogen.

Der palästinensische Exgefangene Ateya Abu Moussa wird von seinem Vater umarmt

Der palästinensische Exgefangene Ateya Abu Moussa wird von seinem Vater umarmt  |  © Ibraheem Abu Mustafa/Reuters

Kurz vor einer neuen Runde der Nahost-Friedensgespräche hat Israel als Zeichen des guten Willens 26 palästinensische Langzeithäftlinge entlassen. Elf von ihnen passierten in der Nacht zum Mittwoch den Beitunia-Kontrollpunkt in das Westjordanland. 15 weitere folgten wenig später über den Eres-Kontrollpunkt in den Gazastreifen. An beiden Übergängen wurden die Häftlinge von Hunderten Menschen jubelnd in Empfang genommen. 

In Ramallah empfing Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Freigelassenen. "Wir begrüßen unsere Brüder, die die Dunkelheit der Gefängnisse in Richtung des Lichts der Freiheit verlassen haben", sagte er. Zugleich hoffe er auf die baldige Freilassung weiterer Häftlinge. Abbas hatte die schrittweise Freilassung von insgesamt 104 Langzeithäftlingen als Bedingung für neue Gespräche gefordert.

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Israels Höchstes Gericht hatte vor der Entlassung eine Klage von Familien der Terroropfer abgewiesen, die die Freilassung verhindern sollte. Die Häftlinge, die alle wegen Mordes oder Beihilfe zum Mord verurteilt worden waren, wurden erstmals in Fahrzeugen mit abgedunkelten Fenstern transportiert. Damit wollte Israel verhindern, dass die Palästinenser auf dem Weg in die Freiheit wie bei früheren Tauschhandeln im Fenster mit den Fingern Siegeszeichen machen. Wütende jüdische Demonstranten riefen "Tod den Arabern", als die Fahrzeugkolonne an ihnen vorbeifuhr.

Luftangriff nach Rakete aus Gazastreifen

Vor ihrer endgültigen Freilassung mussten die Häftlinge eine Erklärung unterzeichnen, dass sie wieder ins Gefängnis und ihre volle Strafe absitzen müssen, falls sie sich wieder an Terroraktivitäten beteiligen. Von mehr als 1.000 Häftlingen, die Israel vor zwei Jahren im Gegenzug für den entführten Soldaten Gilad Schalit freigelassen hatte, sind 44 inzwischen wieder in Haft.

Kurz vor der Rückkehr der Exhäftlinge hatten militante Palästinenser eine Rakete aus dem Gazastreifen auf Israel abgeschossen. Sie schlug in einem offenen Gebiet nahe der Grenzstadt Sderot ein. In der Nacht zuvor hatte das Abwehrsystem Eisenkuppel erstmals eine auf die Küstenstadt Eilat abgefeuerte Rakete abgefangen.

Israels Luftwaffe flog am Mittwochmorgen einen Angriff gegen zwei Ziele im Gazastreifen. Die Armee begründete das mit dem Beschuss durch die Palästinenser.

Israel provoziert mit Siedlungsplänen

Auf Vermittlung der USA hatten Israel und die Palästinenser den Friedensprozess vor zwei Wochen nach knapp dreijährigem Stillstand wieder in Gang gesetzt. Ziel ist ein Friedensabkommen binnen neun Monaten und ein unabhängiger Palästinenserstaat. Am Mittwochabend beginnt die zweite Runde der Verhandlungen.

Israel provozierte die Palästinenser jedoch vor dem Beginn der Vorgespräche mit neuen Siedlungsprojekten. Die Jerusalemer Stadtverwaltung bestätigte Baupläne für 890 Wohnungen im Gilo-Viertel, das auf 1967 erobertem Gebiet liegt. Erst am Sonntag hatte das Wohnungsbauministerium Ausschreibungen für den Bau von knapp 1.200 Wohnungen im Westjordanland und Ost-Jerusalem angekündigt.

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Leserkommentare
  1. und erwarten das Wenigste, vielleicht gehts ja mal einen Schritt in die richtige Richtung bei den Gesprächen, mehr kann man ja leider nicht machen, wenn es Engstirnige auf beiden Seiten gibt, die mit hartem Kurs und Druck versuchen, in eine starke Position zu kommen.
    Viel Glück!

  2. die die Dunkelheit der Gefängnisse in Richtung des Lichts der Freiheit verlassen haben"

    Abbas bezeichnet also 20 Mörder und und 6 wegen Beihilfe zum Mord Verurteilte als seine Brüder? Entsetzliche Familie!

    3 Leserempfehlungen
  3. 3. Abbas

    Abbas hat die Chance verpasst wirkliche Friedensbereitschaft zu demonstrieren indem er diese Mörder als das bezeichnet hätte was sie sind und bedauern für ihre Opfer und dessen Familien ausgesprochen hätte.
    Stattdessen tat er das genaue Gegenteil ... und das vor Friedensgesprächen.

    Ich fürchte dieser Kommentarbereich wird fast leer bleiben. Der Artikel offenbart Dinge die nicht in das Weltbild mehrerer hier aktiver Israelkritiker passen.

    3 Leserempfehlungen
  4. vorzustellen, was los wäre, würde der widerstand gegen die nazis in Italien, Frankreich, Polen (um nur einige zu nennen) oder der widerstand gegen die franzosen in Algerien heute noch ganz pauschal als terror bezeichnet.... oder gar der makkabäeraufstand...
    und alle an diesen aufständen/widerständen beteiligten als mörder und terroristen...

    es müßte doch möglich sein, ohne diese vokabeln auszukommen und dennoch, wenn einem danach ist, mißbilligung deutlich auszudrücken, oder?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, stü
  • Schlagworte Israel | Mahmud Abbas | Gefängnis | Gilad Schalit | Luftwaffe | Mord
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