Die Anhänger des verurteilten ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi haben für den morgigen Sonntag eine Demonstration in Rom angekündigt. Die zehn Millionen Wähler Berlusconis forderten sie auf, auf die Straße zu gehen. Die Proteste sollen nahe seiner Residenz, dem Palazzo Grazioli, stattfinden. Auch Minister aus Berlusconis Partei Volk der Freiheit (PdL) wollen an den Demonstrationen teilnehmen. Der Exregierungschef selbst könnte ebenfalls teilnehmen.

Unterdessen droht in Italien eine Regierungskrise. Abgeordnete und Minister der PdL wollen zurücktreten, sollte der 76-Jährige nicht begnadigt werden. "Entweder schafft es die Politik, Lösungen zu finden, oder Italien riskiert wirklich eine Form des Bürgerkrieges mit ungewissen Folgen für alle", sagte Sandro Bondi, Senator von Berlusconis Partei.

Nach einer Krisensitzung hatten die Parlamentarier der PdL Staatspräsident Giorgio Napolitano ihr Ultimatum gestellt. Der 88-Jährige muss nun entscheiden, ob er Amnestie für Berlusconi erlässt. Die PdL-Fraktionsvorsitzenden im Senat und Abgeordnetenhaus wollen Napolitano am morgigen Sonntag treffen.   

Sollten die PdL-Politiker zurücktreten, droht das Ende der italienischen Regierung. Das Kabinett von Regierungschef Enrico Letta wird von einer Koalition aus Berlusconis konservativer PdL und der linken Demokratischen Partei (PD) getragen.  

Am gestrigen Freitag hatte Regierungschef Letta die Parteien aufgerufen, verantwortungsvoll zu handeln. "Von der PdL kommen beängstigende Vorschläge: Den Staatspräsidenten um eine Sache wie Begnadigung zu bitten, heißt, ihn unter unrechtmäßigen Druck zu setzen", sagte PD-Parteichef Guglielmo Epifani. "Die PdL will uns die Verantwortung für den Bruch der Regierung zuschieben, den sie begehen will."

Politiker Lettas Partei kritisierten besonders die Bürgerkriegsäußerung des PdL-Senators Bondi. "Die Worte sind an der Grenze zum Umsturz", sagte der Vize-Wirtschaftsminister Stefano Fassina (PD). Ein Sprecher des Präsidenten sprach von einer "unverantwortlichen Erklärung".

Silvio Berlusconi war am Donnerstag in letzter Instanz zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Die Polizei in Rom hat wie erwartet seinen Pass eingezogen. Über ein Ämterverbot für den ehemaligen Regierungschef muss noch verhandelt werden. Wegen seines Alters muss Berlusconi wahrscheinlich nur ein Jahr im Hausarrest verbringen.