Die Protestlager der Mursi-Anhänger in Kairo werden vorerst nicht geräumt. Man wolle Blutvergießen vermeiden, sagte ein Mitarbeiter der ägyptischen Sicherheitskräfte. Die ägyptische Regierung habe die Räumung verschoben.

Am Sonntagabend hatten die Behörden den Anhängern des ehemaligen Präsidenten ein 24-stündiges Ultimatum gestellt. Sie sollten ihre Stellungen nahe einer Moschee und der Universität freiwillig aufgeben, andernfalls drohe die Räumung. Die Islamisten hatten sich jedoch geweigert. Für den heutigen Montag war deswegen ein großer Polizeieinsatz erwartet worden.

Die Anhänger des gestürzten Präsidenten harren seit Wochen in den beiden Camps aus. Sie halten seit der Entmachtung von Mohammed Mursi vor einem Monat mit ihren Frauen und Kindern den Rabaa-al-Adawija-Platz und den Nahda-Platz nahe der Universität Kairo besetzt. Die Demonstranten wollen so lange in ihren Lagern bleiben, bis Mursi wieder als Präsident des Landes eingesetzt ist. 

Aus Sorge vor einem Übergriff der Behörden haben die Demonstranten inzwischen massive Befestigungsanlagen um ihre Stellungen errichtet. Hüfthohe Barrieren aus Zement und Holz sollen Panzerfahrzeuge daran hindern, die Camps niederzuwalzen. Straßenhändler berichteten, sie hätten Hunderte Gasmasken, Schwimmbrillen und Handschuhe an die Demonstranten verkauft, die sich für den Einsatz von Tränengas durch die Polizei rüsten wollten.

Beobachter rechnen trotz der abgesagten Räumung damit, dass die Sicherheitskräfte die Camps in den kommenden Tagen auflösen werden. Die internationale Gemeinschaft fürchtet ein neues Blutvergießen, falls die Räumungsdrohung letztlich in die Tat umgesetzt werden sollte. Seit Mursis Sturz wurden bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen ägyptischen Sicherheitskräften und den Islamisten mehr als 250 Menschen getötet.