Ibrahim Boubacar Keïta hat die Präsidentschaftswahl im westafrikanischen Mali gewonnen. Einen Tag nach der Stichwahl um das Präsidentenamt hat sein Herausforderer, der ehemalige Finanzminister Soumaila Cissé, am Montagabend seine Niederlage eingestanden.

Obwohl das offizielle Ergebnis noch aussteht, lag der ehemalige Ministerpräsident Keïta bei der Auszählung uneinholbar vorne. "Ich bin zu ihm gegangen, um ihm zu gratulieren und ihm viel Glück zu wünschen", sagte Cissé dem französischen Sender RFI. 

Der 68-jährige Keïta hatte bereits im ersten Wahlgang fast 40 Prozent der Stimmen erhalten und galt als klarer Favorit bei der Stichwahl. Beobachter der Auszählung hatten bereits am Morgen erklärt, dass Keïta auch bei der Stichwahl einen großen Vorsprung errungen habe.

Die Beobachtermission der Europäischen und Afrikanischen Union lobten die Malier für den friedlichen Ablauf der Stichwahl. Die Abstimmung sei "glaubwürdig und transparent" verlaufen. Den Bewohnern des Landes sollte dafür gratuliert werden, dass sie zur demokratischen Tradition zurückgekehrt seien, sagte der Leiter der EU-Mission Louis Michel. Gleichzeitig wurden die Verantwortlichen aufgefordert, die gesetzlich vorgeschriebenen Fristen für die Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses einzuhalten. Es muss spätestens fünf Tage nach der Wahl öffentlich gemacht werden.

Cissés Anhänger sprechen von Wahlbetrug

Cissés Anhänger hatten Keïta am Montag noch Wahlbetrug vorgeworfen. Von bereits gefüllten Urnen, die in Wahllokalen aufgetaucht seien, war die Rede. Eden Kodjo, der Leiter der Beobachtermission der Afrikanischen Union (AU) sagte, im Großen und Ganzen sei alles normal gelaufen, "aber ich glaube nicht, dass das Cissé-Lager ins Leere gesprochen hat." Es seien jedoch nicht die Beobachter, die entscheiden müssten, ob diese Anschuldigungen richtig oder falsch sind. Das müsse das Verfassungsgericht klären.

Auf Keïta kommt nun die schwierige Aufgabe zu, dass gespaltene westafrikanische Land zu versöhnen und die seit mehr als einem Jahr anhaltenden Konflikte zu beenden. Eineinhalb Jahre nach einem Militärputsch und der Entmachtung des damaligen Präsidenten Amadou Toumani Touré stürzte Mali in eine schwere Krise. Erst ein Eingreifen französischer und afrikanischer Soldaten im Januar hatte die Gewaltherrschaft von Islamisten und Separatisten im Norden des Landes beendet.