Die US-Staatsanwaltschaft hat 60 Jahre Gefängnis für den verurteilten WikiLeaks-Informanten Bradley Manning gefordert. Manning habe schwerwiegende Straftaten begangen und verdiene es, die meiste Zeit seines Lebens in Haft zu verbringen, sagte Staatsanwalt Joe Morrow bei einer Anhörung vor einem Militärgericht in Maryland. Ein hartes Strafmaß solle eine abschreckende Botschaft an mögliche Nachahmer senden.

Mannings Anwalt David Coombs sagte hingegen, eine Haftstrafe solle 25 Jahre nicht überschreiten. Denn Mannings psychischer Zustand sei vom Militär falsch eingeschätzt worden. Außerdem habe er bereits Entgegenkommen gezeigt, als er im Februar seine Bereitschaft für eine 20-jährige Gefängnisstrafe signalisiert habe. 

Die Plädoyers im Militärverfahren in Fort Meade bildeten den Abschluss einer 13-tägigen Anhörung über das Strafmaß. Festgesetzt wird die Höhe der Strafe von der Richterin Denise Lind. Die Bekanntgabe wird in den kommenden Tagen erwartet.

Manning war Ende Juli unter anderem wegen Spionage und Diebstahl schuldig gesprochen worden, da er etwa 700.000 vertrauliche Dokumente an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitergegeben hatte. Dafür drohen dem jungen US-Soldaten nun bis zu 90 Jahre Haft. Im Hauptanklagepunkt "Unterstützung des Feindes" war er jedoch freigesprochen worden.  

In der vergangenen Woche hatte sich Manning vor Gericht erstmals für sein Handeln entschuldigt. Er bedaure, dass seine Taten Menschen verletzt und den USA geschadet hätten, sagte der Soldat. Der 25-Jährige zeigte sich auch bereit, die Strafe zu akzeptieren.