Nach Mubarak-EntlassungGegner und Anhänger Mursis rufen in Ägypten zu Protesten

Nach der Haftentlassung des früheren ägyptischen Präsidenten Mubarak haben mehrere Gruppen zu Kundgebungen aufgerufen. Muslimbrüder sprechen vom "Freitag der Märtyrer".

Unterstützer des früheren ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak protestieren am Militärkrankenhaus in Kairo.

Unterstützer des früheren ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak protestieren am Militärkrankenhaus in Kairo.  |  © Marvan Narmaani / Getty Imgages

Mehrere Gruppen haben in Ägypten für den heutigen Freitag zu Protesten aufgerufen. Grund ist die Haftentlassung des langjährigen Präsidenten Hosni Mubarak. Beobachter befürchten Ausschreitungen. In den vergangenen Wochen starben Hunderte bei gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Sechs Wochen nach der Entmachtung der Muslimbrüder hatte der frühere Präsident Mubarak am Donnerstag das Gefängnis verlassen. Der 85-Jährige wurde ins Militärkrankenhaus in Kairo gebracht, in dem er unter Arrest gestellt wird. Gegen den ehemaligen Langzeitherrscher laufen weiter Prozesse, unter anderem wegen der Tötung von Hunderten Demonstranten. Experten befürchten, Mubaraks Entlassung nach zwei Jahren und vier Monaten in Untersuchungshaft könnte die Spannungen im Land weiter verschärfen.

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Er war fast 30 Jahre lang Präsident in Ägypten. Nach Massenprotesten hatte ihn das Militär im Februar 2011 zum Rücktritt gezwungen. Am Mittwoch hatte ein Gericht seine Entlassung verfügt, die Regierung ordnete jedoch kurz darauf Hausarrest an.

Muslimbrüder protestieren gegen Todesfälle in Polizeigewahrsam

Auch Unterstützer der früher unter Mubarak unterdrückten Muslimbruderschaft und anderer Islamisten-Gruppen kündigten für den Freitag Demonstrationen an. Sie wollen am "Freitag der Märtyrer" gegen den Tod von 36 Demonstranten in Polizeigewahrsam protestieren. Experten befürchten neue Ausschreitungen. Bei Unruhen sind in den vergangenen Wochen seit dem Sturz der islamistischen Regierung des gewählten Präsidenten Mohammed Mursi Hunderte Menschen ums Leben gekommen.

Zudem verschwinden immer mehr Angehörige der Muslimbruderschaft hinter Gittern. In der Nacht zum Donnerstag nahm die Polizei den Sprecher Ahmed Aref fest. Aref hatte die Anhänger der Muslimbrüder in den vergangenen Tagen aufgefordert, ihre Proteste trotz der Festnahme von Führungspersonen fortzusetzen. Inzwischen sitzt etwa ein Drittel der Spitze der Muslimbruderschaft in Untersuchungshaft.

Die islamistischen Muslimbrüder waren unter Mubarak jahrzehntelang verboten und im Untergrund aktiv und Mitte Juli vom Militär entmachtet worden. Mursi, der aus der Muslimbruderschaft stammt, wurde damals abgesetzt und inhaftiert.

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Leserkommentare
  1. hätte ja nicht deutlicher seine Dankbarkeit zeigen können als diesen Verbrecher frei zu lassen, dem sie alles verdanken. Echt übel was da abgeht. Welche Seite die Böse und/oder schlechtere ist kann man kaum beantworten. Bei uns geht es noch ein wenig - trotzdem wird das Böse gewählt. Dank der Medieneigner und deren privaten Iteressen, die mit ihren Verblödungs und Propagandeprodukten diese Verzieung und gesellschaftlich falschen Weg möglich machen. Obelix lag falsch, nicht nur die Römer, sondern die Menschen per se, spinnen.;-)

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    *Verzerrung* nicht Verzierung ;-)

  2. *Verzerrung* nicht Verzierung ;-)

  3. ...und alles andere Überheblichkeit des Westens, wenn die ägyptischen Gesetze hergeben, dass jemand nach ewiglanger Untersuchungshaft nun vor seinem Verfahren bzw. Urteil erst einmal in Hausarrest kommt,

    man denke nur daran, Berlusconi ist 7 Jahre jünger, und schon rechtskräftig verurteilt, dieser darf doch auch in Hausarrest.

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    unterliegt berlusconi der ägyptischen gesetzgebung? wurde er in ägypten verurteilt? sind äpfel und birnen die gleiche frucht? rechtfertigen massendemonstration in italien den militärputsch? oder wie wär´s mit orwell: ist frieden=krieg?

    • TDU
    • 23. August 2013 11:38 Uhr

    Ein ganz schlechtes Zeichen, Mubarak aus dem Gefängnis zu holen. Der Hausarrest ist doch nur ein Alibi. Nur steht der Demokrat, der Mubarak auch nicht duldet doch zwischen Militär und Muslimbrüdern.

    Deren "Märtyrer" Diktion mag ich auch nicht. Es sollte schliesslich um Politik und nicht um Religion gehen. Es sei denn der Begriff Märtyrer hat im Islam einen anderen Sinn. Dennoch: Die Verstorbenen sollte man im Gedenken feiern und nicht als Antrieb zur Auseinandersetzung.

    • TDU
    • 23. August 2013 11:53 Uhr

    Sollte das stimmen, was Sie schreiben, müsste ich meinen ersten Absatz umschreiben. Aber anmbesten streichen. Und es zeigt wie hierzulande und in Europa mit Ägypten umgegangen wird. Man verhandelt, beschwört und schreibt einen Bürgerkrieg ja nahezu herbei.

    Dabei heisst den Islam zu akzeptieren eigentlich nicht, einseitig für ihn Partei zu ergreifen. Auch nicht wenn das Militär herrscht. Auf der Strecke bleiben dann die weltlichen Demokraten.

    Aber das ist schon lange Usus der Großen im Westen wie z. B. Solidarnosc, Chamberlain, Tirol und auch die Vertreibungen nach dem zweiten Weltkrieg zeigen. Da sollte man tunlichst nicht nur die USA anklagen, die sowas ja auch in z. B. Südamerika bestens hinbekommen haben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, stü
  • Schlagworte Militär | Entlassung | Gefängnis | Gericht | Muslimbruderschaft | Polizei
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