Greifen die USA militärisch in den Syrienkrieg ein? Immer drängender fordern dies  amerikanische Politiker wie der Republikaner John McCain, seitdem die Bilder von einem möglichen Giftgasangriff um die Welt gehen. Bis zu 1.300 Menschen sollen in den Ortschaften Muadamijat al-Scham und Ghuta nahe Damaskus gestorben sein, die syrischen Rebellen machen das Assad-Regime dafür verantwortlich. Überprüfen lassen sich diese Angaben bislang nicht. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die syrische Regierung mit Nachdruck aufgefordert, den angeblichen Einsatz von Giftgas von den Inspekteuren der Vereinten Nationen untersuchen zu lassen.

Weil noch niemand weiß, was wirklich geschah, äußert sich US-Präsident Barack Obama nur sehr vorsichtig. Vor genau einem Jahr noch hatte er gesagt, dass ein Einsatz von Chemiewaffen eine "rote Linie" darstelle, die niemand überschreiten dürfe, und falls doch, würden die USA dem Bürgerkrieg nicht mehr tatenlos zusehen.  Allerdings sprach Obama damals schlicht einen nahezu weltumspannenden Konsens aus: Der Einsatz chemischer Waffen ist in der internationalen Gemeinschaft geächtet.

Ohne zusätzliche Informationen, sagte Obama am Freitag, könne nicht entschieden werden, ob tatsächlich Chemiewaffen eingesetzt wurden. Die USA müssten sich die jüngsten Ereignisse in Syrien genau anschauen. Zudem stellten sich rechtliche Fragen. Bei einem Einsatz ohne UN-Mandat müsse man zudem fragen: "Haben wir eine Koalition, damit es funktionieren könnte?"

Nur: Wenn sich herausstellt, dass es wirklich Assad-Einheiten waren, die Giftgasverbrechen begangen haben, was geschieht dann?  

Die kriegsmüde Nation

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger George W. Bush  will der aktuelle US-Präsident keine Zehntausenden Soldaten mehr in den Krieg schicken. Obama will vielmehr der Präsident sein, der die Soldaten nach Hause holt. Er hat die Kriege im Irak und in Afghanistan beendet. Er weiß, wie kriegsmüde das Land nach mehr als zehn Jahren des Tötens und Sterbens geworden ist. Ohnehin gibt der US-Haushalt teure Einsätze gar nicht mehr her. Bushs Kriege haben Amerikas Budget ausgezehrt.   

Den einzigen neuen Kriegseinsatz seiner Amtszeit, den in Libyen, wollte Obama nicht anführen. Zum Einsatz kamen zudem die Luftwaffe und nur wenige Berater am Boden. Der Einsatz war vergleichsweise risikoarm.

Nun ist Obama trotz seiner Zurückhaltung im Nahen Osten kein Isolationist. Das zeigen zum einen der in seiner Amtszeit rapide ausgeweitete Drohnenkrieg, zum anderen die amerikanischen Aktivitäten in Asien.  

Obamas großes Außenpolitikfeld ist nicht der Nahe Osten – das war jenes von Bush jr. Obama konzentriert sich auf die Zukunftsregion, auf Ost- und Südostasien. Der Asian Pivot, der Schwenk nach Asien, zum Westpazifik, den die Obama-Administration erstmals 2011 formulierte. Der Einfluss bei den boomenden Volkswirtschaften der Region und die Sicherung der weltweit wichtigen Seehandelswege im Westpazifik machen diese Neuausrichtung ebenso attraktiv wie die Tatsache, dass gerade die für diese Region notwendigen Luft- und Seestreitkräfte der USA besonders stark sind.

Obama stationiert dafür 2.500 Elitesoldaten im nordaustralischen Darwin und es gibt dort einen wichtigen Übungsplatz für US-Marines und die Air Force. Zudem baut man die ohnehin schon großen Stützpunkte in Japan und Südkorea aus und trotz des angespannten US-Haushalts wird die Marine weiter technisch aufgerüstet.