US-Präsident Barack Obama hat den Kongress formal um die Autorisierung eines Militärschlags gegen Syrien gebeten. Das Weiße Haus teilte mit, der Präsident ersuche das Repräsentantenhaus und den Senat, die Verwendung militärischer Gewalt zur Verhinderung eines möglichen weiteren Einsatzes von chemischen Waffen oder anderen Massenvernichtungswaffen zu billigen.

Im Senat werde es bereits in der kommenden Woche öffentliche Anhörungen geben, sagte der demokratische Senator Harry Reid. Die zweite Kongresskammer, das Repräsentantenhaus, werde sich jedoch erst nach dem Ende der Sommerpause am 9. September mit dem Syrien-Einsatz befassen, sagte der republikanische Vorsitzende John Boehner. Eine Abstimmung wird es erst dann geben.  

Der beschlossene Militäreinsatz in Syrien ist damit vertagt. Abgeordnete beider Kammern begrüßten die Entscheidung. "Wir sind froh, dass der Präsident den Kongress um Autorisierung für ein militärisches Vorgehen in Syrien ersucht", teilten John Boehner und andere führende Republikaner im Repräsentantenhaus in einer gemeinsamen Erklärung mit. 

In Syrien zeigten sich einige Rebellen enttäuscht, ein Kommandeur betonte aber, er sehe die Ankündigung Obamas nicht als Rückzieher an. "Ganz im Gegenteil. Er wird die Zustimmung des Kongresses erhalten und dann wird das militärische Eingreifen noch mehr Glaubwürdigkeit haben", sagte Kassem Saadeddine, Sprecher des Höchsten Militärrats der Rebellen. "Nur weil der Militärschlag um ein paar Tage verschoben wurde, heißt das nicht, dass er nicht mehr passieren wird."

Cameron unterstützt Obama weiter

International fehlt es dem US-Präsidenten an Unterstützern. Großbritanniens Premier David Cameron schrieb nach der Rede Obamas auf Twitter: "Ich verstehe und unterstütze Barack Obamas Position zu Syrien." Das britische Unterhaus allerdings stimmte am Donnerstag gegen einen Militäreinsatz und damit auch gegen Cameron.     

Frankreich hingegen signalisierte Bereitschaft, zusammen mit den USA militärisch gegen die syrische Führung vorzugehen. Obama habe Staatschef François Hollande vorab telefonisch über seine Entscheidung informiert, die Billigung des US-Kongresses für einen Militäreinsatz zu suchen, hieß es aus dem Umfeld des französischen Präsidenten.

Bei dem etwa 40-minütigen Gespräch habe Obama seinen Willen bekräftigt, gegen die Führung in Damaskus vorzugehen, hieß es im Umfeld Hollandes weiter. Der französische Staatschef habe gleichfalls seine Entschlossenheit kundgetan, "zu handeln und das Regime wegen des Einsatzes von Chemiewaffen zu bestrafen". Hollande habe dabei Obama daran erinnert, dass er selbst auch entschieden habe, das französische Parlament mit der Frage zu befassen.

Das französische Parlament kommt am Mittwoch zu einer Sondersitzung zum Syrien-Konflikt zusammen. Beide Präsidenten sind im Prinzip nicht auf die Zustimmung der Parlamente angewiesen. Obama hatte aber am Samstag gesagt, er wisse, dass sein Land "stärker sein wird, wenn wir diesen Weg einschlagen."

Die Außenminister der Arabischen Liga wollen in Kairo ebenfalls über weitere Vorgehen beraten.

Obamas Vorgänger befragten selten das Parlament

Der US-Präsident hat als oberster Befehlshaber der Streitkräfte das Recht, allein über deren Einsatz zu entscheiden. Obama sagte aber, sein Land werde stärker, wenn das Parlament den Militäreinsatz billigt. Seine Vorgänger sahen das teilweise anders: Der Republikaner Ronald Reagan überging den Kongress im Dezember 1989 bei der Invasion in Panama, auch der Demokrat Bill Clinton verzichtete 1999 bei den NATO-Luftangriffen gegen Jugoslawien auf eine Zustimmung der Abgeordneten. Dagegen ließ George W. Bush den Einmarsch in den Irak vom Kongress billigen.

Als sich die USA vor zwei Jahren an den internationalen Luftangriffen in Libyen beteiligten, sah auch Obama keinen Grund für eine parlamentarische Rückendeckung. Seine Meinung hat er grundsätzlich nicht geändert. "Ich glaube zwar, dass ich die Autorität habe, diese Militäraktion ohne Zustimmung des Kongresses auszuführen", sagte Obama. Mit einer Zustimmung des Kongresses zum Syrien-Einsatz wolle er aber die Botschaft senden, "dass wir als Nation zu einem gemeinsamen Vorgehen bereit sind".