RusslandDebatte um Olympia-Boykott wegen Homophobie

Obama und Cameron wollen trotz Putins Anti-Homosexuellen-Politik Athleten zu den Winterspielen schicken. Deutsche Politiker erwägen dagegen Konsequenzen.

Die Anfeindungen Homosexueller in Russland haben eine Debatte über einen Boykott der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi angefacht. Der SPD-Politiker Johannes Kahrs schlug in der Welt am Sonntag vor, "die Spiele kurzfristig nach Vancouver zu verlegen oder gar russische Athleten von den Spielen auszuschließen."

Volker Beck von den Grünen sagte, man müsse sich einen anderen Austragungsort überlegen, wenn "die Sicherheit von Schwulen und Lesben oder denen, die sich mit ihnen solidarisch zeigen, nicht gewährleistet ist". Derzeit sei ein Boykott aber "das falsche Signal".

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Auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) schloss einen Boykott der Wettkämpfe im Februar 2014 nicht aus und kritisierte: "Mit der Ausgrenzung von Homosexuellen geht Russland einen weiteren Schritt in Richtung einer lupenreinen Diktatur."

CDU-Politiker Jens Spahn sagte der Zeitung, es sei "grotesk, dass die Welt in einem Land zu Gast sein soll, in dem per Gesetz gegen Schwule und Lesben gehetzt wird". Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), sagte: "Was in Russland stattfindet, ist staatliche Verfolgung."

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) ist gegen einen Boykott der Winterspiele. "Ich halte die Diskussion über Olympia-Boykotte für falsch", sagte er. "Das schadet dem berechtigten Anliegen des Minderheitenschutzes mehr, als es ihm nutzt." Die Behandlung von Homosexuellen in Russland bezeichnete Westerwelle als nicht akzeptabel. 

Auch international gibt es bislang kaum Zustimmung für einen Boykott der Olympiade. US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron lehnten einen solchen Schritt ab. Obama sagte, er würde es lieber sehen, dass die US-Sportler mit Medaillengewinnen kontern. "Ich würde mich freuen, wenn einige schwule und lesbische Athleten Gold nach Hause brächten." Auch Cameron sagte, es sei besser, an den Spielen teilzunehmen und damit gegen die homosexuellenfeindliche Politik Russlands zu demonstrieren. 

Bis zu 15 Tage Haft

Kreml-Chef Wladimir Putin hatte das umstrittene Gesetz gegen "homosexuelle Propaganda" unterschrieben, das seit dem 30. Juni Äußerungen über Homosexualität im Beisein von Jugendlichen verbietet. Bei Verstößen drohen Geldstrafen zwischen umgerechnet rund 120 und 23.000 Euro oder bis zu 15 Tage Haft. Ausländer können des Landes verwiesen werden.

Russlands Sportminister Witali Mutko hatte in der vergangenen Woche zwar gesagt, dass die russische Verfassung "allen Bürgern Recht auf Privatleben und Privatsphäre garantiert". Zuvor hatte er jedoch noch mit der Ankündigung Unmut ausgelöst, sein Land wolle das umstrittene Gesetz auch während der Spiele im Februar 2014 durchsetzen.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als diskriminierend wahrgenommen werden können. Danke, die Redaktion/jk

    5 Leserempfehlungen
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    für was für eine Art der Kommentierung sich eigens bei ZO angemeldet wird.

    Falls Sie sich noch über Konsequenzen des Verbots der 'Propaganda nicht-traditioneller Sexualität' (und des am gleichen Tag verabschiedeten Verbots der Beleidigung der Religion, die Haß gegen Homosexuelle von den Kanzeln predigt und in trauter Eintracht mit russischen Nazis zur Gewalt gegen sie aufruft) informieren möchten http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-07/russland-homosexue... über Hintergrund, Vorlauf, Protagonisten, Nutznießer hier http://www.freitag.de/autoren/dame-von-welt/russische-nicht-traditionell...

    Ein m.M.n. viel zu wenig bespiegelter Punkt ist das drohende Massensterben an Aids in Rußland. Die Neuinfektionsraten in Rußland sind höher als in Afrika, die Versorgung mit anti-retroviraler Medikation ausgesprochen schlecht. Die HIV-Prävention lag bis vor kurzer Zeit ausschließlich in den Händen von NGOs - homosexuelle NGOs können mit dem Propagandaverbot nicht mehr arbeiten, da ihnen die wertneutrale Darstellung von und der Schutz bei *auch* homosexuellen Sexualpraktiken verboten wurde. Mit dem Propagandaverbot wurden gleichzeitig auch die Schuldigen benannt: neben den zunehmend vielen Junkies längs der Heroinschmuggelrouten nach Westeuropa und den Armutsprostituierten werden es die Homosexuellen sein.

    'Rechtfertigt nicht den Hype, der darum veranstaltet wird', finden Sie?

    Das Propagandaverbot tötet, auf verschiedene Weisen.

  2. wären andere Trikots z.B. in Anlehnung an die schönsten Outfits des CSD eine Überlegung wert ...

    12 Leserempfehlungen
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    dass sie schon angekündigt haben sogar Sportler zu verhaften, die "homosexuelle Propaganda" verbreiten.

  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unangemessene Vergleiche, die lediglich der Provokation dienen. Danke, die Redaktion/jk

    4 Leserempfehlungen
  4. Ich würde einen geschlossenen Boykott Deutscher Sportler befürworten, da seine Botschaft unmissverständlich ist. Wer homosexuell ist möchte nicht in Russland leben oder für dieses Land Medaillen erringen. Es ist das klassische Mittel der Außenpolitik. Alles andere ist doch eher eine Form des sich damit Arrangierens. [...] Es ist einfach weltfremd gleichgeschlechtliche Liebe zu leugnen und pervers diese unter Strafe zu stellen. Man macht es sich zu einfach, wenn man die Tragweite dieses Gesetzes für das Leben der Homosexuellen ignoriert nur weil man selbst nicht davon betroffen ist. [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jk

    4 Leserempfehlungen
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    ...klarzumachen, was eine zivilisierte Welt von Homophobia hält. Hierzu muß man nicht die Lebensentwürfe junger Menschen zerstören, die sich etliche Jahre mit viel Einsatz auf Olympia vorbereitet haben.

  5. für was für eine Art der Kommentierung sich eigens bei ZO angemeldet wird.

    Falls Sie sich noch über Konsequenzen des Verbots der 'Propaganda nicht-traditioneller Sexualität' (und des am gleichen Tag verabschiedeten Verbots der Beleidigung der Religion, die Haß gegen Homosexuelle von den Kanzeln predigt und in trauter Eintracht mit russischen Nazis zur Gewalt gegen sie aufruft) informieren möchten http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-07/russland-homosexue... über Hintergrund, Vorlauf, Protagonisten, Nutznießer hier http://www.freitag.de/autoren/dame-von-welt/russische-nicht-traditionell...

    Ein m.M.n. viel zu wenig bespiegelter Punkt ist das drohende Massensterben an Aids in Rußland. Die Neuinfektionsraten in Rußland sind höher als in Afrika, die Versorgung mit anti-retroviraler Medikation ausgesprochen schlecht. Die HIV-Prävention lag bis vor kurzer Zeit ausschließlich in den Händen von NGOs - homosexuelle NGOs können mit dem Propagandaverbot nicht mehr arbeiten, da ihnen die wertneutrale Darstellung von und der Schutz bei *auch* homosexuellen Sexualpraktiken verboten wurde. Mit dem Propagandaverbot wurden gleichzeitig auch die Schuldigen benannt: neben den zunehmend vielen Junkies längs der Heroinschmuggelrouten nach Westeuropa und den Armutsprostituierten werden es die Homosexuellen sein.

    'Rechtfertigt nicht den Hype, der darum veranstaltet wird', finden Sie?

    Das Propagandaverbot tötet, auf verschiedene Weisen.

    16 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
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    "Das Propagandaverbot tötet, auf verschiedene Weisen."

    Könnten SIe bitte erläutern, inwiefern ein Gesetz mit einer kleinen Geldstrafe oder bis zu 15 Tagen Haft tötet? Das scheint mir eine gewagte Behauptung zu sein. Danke

    • hakufu
    • 12. August 2013 21:57 Uhr

    Mein Vorschlag für die nächste zu vergebende Olympiade ist Iran.

  6. muss boykottiert werden. Die Worte von Frau Spahn, "grotesk, dass die Welt in einem Land zu Gast sein soll, in dem per Gesetz gegen Schwule und Lesben gehetzt wird" bringen es exakt auf den Punkt.

    Schon schlimm genug, was innenpolitisch mal wieder im 'demokratischen' Russland abläuft, wenn sich diese homophobe Politik nun auch noch im Rahmen der internationalen olympischen Spiele breit macht, darf dies nicht geduldet werden.

    4 Leserempfehlungen
  7. ...klarzumachen, was eine zivilisierte Welt von Homophobia hält. Hierzu muß man nicht die Lebensentwürfe junger Menschen zerstören, die sich etliche Jahre mit viel Einsatz auf Olympia vorbereitet haben.

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    • lxththf
    • 11. August 2013 12:57 Uhr

    Wenn man betrachtet, gegen welche Widerstände und Proteste/Demonstrationen in Frankreich die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt wurde. Wenn man viele Kommentare in Dtl. betrachtet, bzw. in den meisten Ländern. Wenn man den Fokus von Homosexuellen löst und generell auf den Umgang mit Minderheiten legt, dann glaube ich, dass die "zivilisierte Welt" leider eher eine Illusion ist. Es gibt kein Land, keine Nation die wirklich in der Breite mit dem Finger auf Russland zeigen dürfte.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, wif
  • Schlagworte Barack Obama | Guido Westerwelle | Wladimir Putin | David Cameron | FDP | Bundesregierung
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