Ägypten : Prozess gegen Anführer der Muslimbrüder offenbar vertagt

Der Prozess gegen Mohammed Badie und fünf Mitglieder der Muslimbruderschaft soll verschoben werden. Sie sind angeklagt, zur Tötung von Demonstranten aufgerufen zu haben.

In Kairo ist der Prozess gegen führende Mitglieder der islamistischen Muslimbruderschaft – angeblich wegen Anstachelung zur Gewalt – vertagt worden. Aus Sicherheitsgründen hätten der Chef der Bewegung, Mohammed Badie, sowie seine Stellvertreter Chairat al-Schater und Raschad Bajumi nicht vor Gericht erscheinen können, hieß es am Sonntag aus Gerichtskreisen. Deswegen habe der Richter eine Verschiebung der Verhandlung angeordnet. Der Prozess soll nun Ende Oktober fortgesetzt werden.

Medienberichten zufolge droht allen sechs Angeklagten die Todesstrafe. Badie zeigte sich bisher unkooperativ. Die Zeitung Al-Masry Al-Youm berichtete am Samstag, er habe sich bei einem Verhör im Tora-Gefängnis geweigert, zu antworten und erklärt, er erkenne die Institutionen der "Putschisten" nicht an. 

Badie war am Dienstag festgenommen worden. Die Muslimbrüder riefen ihre Anhänger auf, trotzdem weiter für die Rückkehr von Präsident Mohammed Mursi zu demonstrieren. Die Polizei setzt ihre Kampagne gegen führende Mitglieder der Bruderschaft fort. In Oberägypten wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen unter anderem der frühere Parlamentsabgeordnete Ahmed Said al-Saghir verhaftet.

Der Berufungsprozess gegen den ehemaligen Machthaber Husni Mubarak wurde dagegen fortgesetzt. Mubarak erschien in einem Rollstuhl vor dem Richter, weiß gekleidet und mit Sonnenbrille. Er war bereits im vergangenen Jahr wegen des gewaltsamen Vorgehens der Sicherheitskräfte während der Aufstände gegen ihn vor zwei Jahren zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Neben Mubarak stehen auch seine Söhne Gamal und Alaa sowie der ehemalige Innenminister Habib al-Adli vor Gericht.

Mubarak war am Donnerstag aus dem Gefängnis entlassen worden und steht seither unter Arrest.

Ausgangssperre um zwei Stunden verkürzt

Die Regierung verkürzte die nächtliche Ausgangssperre um zwei Stunden. Künftig beginnt die Sperrstunde nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Mena erst um 21 Uhr und nicht wie bisher schon um 19 Uhr. Sie ende weiterhin morgens um 6 Uhr.

Am Tag der Freitagsgebete bleibe es allerdings bei der langen Ausgangssperre. In den vergangenen Wochen war es freitags immer wieder zu Massenprotesten der Muslimbrüder gegen die Absetzung Mursis gekommen. Die Ausgangssperre gilt in 14 der 27 Provinzen und ist Teil des vom Militär verhängten Ausnahmezustands.

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Kommentare

8 Kommentare Kommentieren

Zeugnisse?

So etwas sollte es geben. Aber wir können sie kaum beurteilen. Deshalb ist eine Meinungsbildung vor dem Prozess schwierig.

Es gab bei den Versammlungen vor der Rabaa Moschee immer Journalisten vor Ort. Auch die Anwohner können Zeugnis geben. Und oftmals sendete Al Jazeera bei den Auftritten, wovon man wohl Ausschnitte auf youtube findet.

Da man jedoch auf Übersetzungen der Reden angewiesen ist, solange man kein Arabisch spricht, würde eine Meinung auf Hörensagen beruhen.

Vor Gericht jedoch muss die Anklage ihre Beweise vorlegen und deren Glaubwürdigkeit untermauern. Gleichzeitig wird die Verteidigung deren Glaubwürdigkeit anzweifeln und eine Aussage durch ihren Kontext zu relativieren versuchen. Durch diese Gegenüberstellung ist die Meinungsbildung einfacher, als die Bewertung eines Videomitschnitts, dessen Glaubwürdigkeit nicht zu ermitteln ist.

Seien wir also geduldig!